Expertentipps | 27.08.2010
Business Coaching - Konfliktmanagement mit systemischer Aufstellung (Teil 2)
Sobald alle Mitspieler nach den Vorstellungen des Klienten so im Raum positioniert sind, wie sie seinem inneren Bild einer vor seinen Augen präsenten Konfliktsituation entsprechen, nimmt der Klient einen räumlichen Abstand zu seinem Aufstellungsbild ein. Er nimmt sich Zeit, die von ihm aufgestellte Situation zu betrachten und nimmt diese mit allen Sinnen wahr. Es wird nicht gesprochen. In diesem Moment identifiziert sich der Klient mit seinem Bild.
Im nächsten Schritt schreitet der Klient begleitet vom Coach seine aufgestellten Personen neuerlich ab und interviewt jeden einzelnen zur jeweiligen Befindlichkeit und fragt nach dem individuellen Erleben des Status Quo. Die Fragen zielen auf das Erkennen der Gefühlslage ab. Was wird in der Rolle gesehen, gehört, gefühlt, geschmeckt, gerochen, uns so weiter? Welche Körperteile sind betroffen? Welche Gefühle, wie zum Beispiel Wut, Zorn, Angst, Trauer, Hass werden wahrgenommen? Oft entstehen erstaunlich realistische Bilder. Der Coach ist ausschließlich begleitend zugegen. Er kommentiert niemals und gibt lediglich Hilfestellung in der Fragetechnik. Selbst tief in der Rolle des Betrachters seiner eigenen Umgebung und Situation erkennt der Klient die eine oder andere neue Facette. Nach Abschluss der Interviewphase nimmt der Klient neuerlich Abstand zu seinem aufgestellten Bild und nimmt die Szene wieder aus der Entfernung wahr. Der Coach ermutigt den Aufsteller, die Situation mit jeder Faser seiner Gefühlswelt zu betrachten und auf sich wirken zu lassen.
In der Abschlussphase fordert der Coach den Aufsteller auf, sich seine Zielvereinbarung nochmals vor Augen zu rufen und diese laut zu sagen. Es folgt an die Aufgestellten eine Anweisung vom Klienten, zum Beispiel nach seinem Händeklatschen oder nachdem er das Wort „Jetzt!“ oder ein ähnliches Wort gesagt hat, einer inneren Bewegung, einem Impuls zu folgen auf eben diese Anweisung des Klienten hin. Auf diesen Impuls aus dem Außen kommt die gesamte Szene hin in Bewegung. Der Klient beobachtet an der Seite seines Coaches stumm diese sich verändernde Szene. Nach genügend Zeit das neue Bild zu beobachten und auch wahrzunehmen, welche eigenen Gefühle nun da sind, fordert der Coach den Aufsteller auf, das Veränderungsinterview mit den Mitspielern zu führen. Welche emotionalen Veränderungen empfindet jeder einzelne Positionsinhaber nach diesem Impuls. Wiederum wird nicht interpretiert oder kommentiert. Vielmehr läßt man die Wahrnehmung eines jeden Befragten wirken. Nachdem jeder Spieler seine Gefühle zu seiner neuen Position, also der Position nach dem Impuls von außen, kundgetan hat, nimmt der Klient abermals die Rolle des außen stehenden Beobachters ein. Stumm lässt er auf sich wirken, was er zu dieser Zeit an Körperhaltungen, Mimik und Gesprochenen jedes einzelnen wahrnimmt.
Nach reichlich Zeit, um das Neue zu reflektieren, fordert der Coach seinen Klienten auf, jeden Spieler aufzusuchen, ihm für seine Rolle zu danken und ihn zu seinem ursprünglichen Platz zurückzuführen und ihn aus der angenommenen Rolle zu entlassen. Nach der Rückführung jedes einzelnen in seine Ursprungssituation wird dem Klienten abermals in absoluter Ruhe die Möglichkeit gegeben, die erlebte Szene nochmals zu durchleben. Es wird nicht kommentiert. Diese Ruhephase ist der Beginn eines anhaltenden Nachwirkens der so eben gemachten Erfahrungen. Die eigentlichen Ergebnisse dieser Aufstellungsarbeit brauchen Zeit. Erkenntnisse bzw. Veränderungen setzen sich nicht selten erst nach einigen Wochen oder sogar Monaten ohne weiteres aktives Zutun des Klienten ein. Diese Arbeit ist besonders dann sehr Erfolg versprechend, wenn unbewusste, alte, bis in die Kindheit zurückführende Muster und Erlebnisse die Konfliktkette initiiert haben. Zeit ist unbedingt geboten, um gegebenenfalls nach einiger Zeit eine erfrischende, erfolgreiche und nachhaltige Veränderung des Konfliktes zu erleben.
Anmerkung: Neben der Aufstellungsarbeit mit Personen finden (vor allem in der Einzelarbeit) auch Aufstellungen mit Gegenständen (zum Beispiel Stühlen, Bauklötzen, etc.) oder Bodenankern Anwendung.