Folge 2, von Georg W. Moeller

Burn-out – Wie ausgebrannt und leer ...

Expertentipps | 23.03.2010

Georg-W. Moeller
Georg-W. Moeller

Wer kennt nicht diese schleichende Entwicklung von der Hochstimmung, in der alles klappt und gelingt, hin zu der Situation, in der wir uns fremd sind.

Nichts gelingt richtig, Ärger an allen Ecken, man rettet sich von einer kleinen Krankheit in die nächste, fühlt sich müde und leer.

Die Familie zeigt großes Verständnis, dass wir gerade soviel arbeiten müssen und daher recht ungenießbar sind. Das berufliche Umfeld geht zusehends auf Tauchstation oder gar zum Angriff über. Erfolge brechen weg. Frust steht an der Tagesordnung. Freude am Leben sieht eigentlich ganz anders aus.

In dieser Phase läuten leise, und hoffentlich wahrnehmbar die Alarmglocken. Die Voraussetzung ist, diese Signale an- und auch Ernst zu nehmen. „Augen zu unddurch“ empfiehlt sich in dieser Situation in keiner Weise. Angesagt ist die Erlaubnis, sich selbst schwach und ausgelaugt fühlen zu dürfen. Und es ist an der Zeit, mit dem Sparringpartner, dem Coach seiner Wahl, in Kontakt zu treten. Das Business Coaching zur rechten Zeit schafft Raum für die Klärung, die Klarheit und die Prävention vor einem echten Burn-out, einem möglichen KO-Schlag, der die ausgepowerte Führungskraft monatelang bedrohlich auf die Bretter schmettern lässt.

Wie stets für den Coachingprozess unabdingbar signalisiert der Klient seinem Coach in einem Erstgespräch seine eindeutige Bereitschaft, sichverändern zu wollen, das heißt die Begleitung des Coaches ausdrücklich zu wünschen, um der misslichen Situation zu Leibe zu rücken. Nach der Aufgabenpräzisierung und einer äußerst wichtigen Zielschärfung begeben sich der Burn-out gefährdete Klient und sein Coach in eine intensive Klausur. In einer Art „Eröffnungsbilanz“ rekapitulieren die beiden die jüngste, aber auch durchaus die entferntere Vergangenheit. Es gilt dem Massenphänomen auf den Grund zu gehen, welche Mosaiksteine zu der Situation der bedrohlichen Situation geführt haben. In einem 24 Stunden-Screening lässt der Klient seinenTagesablauf Revue passieren. Wie viel Zeit investiert der vom Burn-out Bedrohte in seinenBerufsalltag, in Meetings, in Kreativphasen, in Mitarbeitergespräche genauso wie in Reisezeiten, Hygiene, Schlaf, Gesundheitsvorsorge, geregelteMahlzeiten, Sozialkontakte, den Umgang mit derFamilie, etc.. Diese Analyse wird unbedingt schriftlich erstellt, um das Auge des Klienten zu schärfen, wie viel Investment an Zeit tagtäglich im Details aufgewendet wird. Relativ klar und rasch werden Spuren der Überbeanspruchung und des Zuviel- des-Guten offenbart.

Neben der Analyse wird Raum geschaffen, das Gefühlsleben des bedrohten Klienten zu aktivieren, wo und wann er oder sie selbst Gefühle der Überlastung spürt und erlebt. Das eigene Gefühl spielt in dieser Phase der Anamnese, das heißt der Zeit der Bilanzierung eine nachhaltige Rolle für die nunmehr einzuleitende Bearbeitung der unbefriedigenden Situation. Der Lebensablauf steht auf dem Prüfstand. Es wird eine Neuorientierung eingeleitet, mit welchen Möglichkeiten die vorhandenen Ressourcen zum Wohlergehen,zur Wiederherstellung der gewohnten Vitalität, umfunktioniert werden. Alleine die Tatsache, das Bewusstsein des Klienten in Richtung verstärkter Eigenwahrnehmung und Selbstachtung zu lenken, wird einen nachhaltigen Prozess des Relaunch einleiten.

Der Coach übernimmt während und vor allem nach dem aktiven Prozess die verantwortungsvolle Aufgabe, auf die Einhaltung der neuen Lebensführung des Klienten zu achten, um den Rückfall in alte Stressmuster verhindern zu helfen. Die Vorbeugung ist auch im Falle des Burn-out nicht nur der Weg, der vor längerer Ausfallzeiten schützt, sondern auch langwierige Therapien beim Psychotherapeuten verhindern hilft, solange der Klient nicht Patient ist, das heißt bei bester mentaler und körperlicher Gesundheit ist. Der Prozess „weg vom Burn- out hin zu mehr Lebenselexier“ ist ein langwieriger, ein mitunter zäher, aber auch ein Erfolg versprechender Weg. Je früher der/die KlientIn die Überbeanspruchung spürt und den Veränderungsprozess herbeizuführen bereit ist, desto größer und vor allem schneller wie auch nachhaltiger sind die Erfolgsaussichten hin zu mehr Power, Freude und Gesundheit.

Über den Autor

Georg W. Moeller, Jahrgang 1955, gelernter Bank- und Hotelkaufmann, ist Business Coach (IHK München und Oberbayern) und Hotelier. Die erste Folge seiner Beiträge: Business-Coaching – Die Hilfe zur Selbsthilfe aus der Krise

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