Folge 3, von Georg W. Moeller

Harmonie zwischen Beruf und Privat

Expertentipps | 02.06.2010

Georg-W. Moeller
Georg-W. Moeller

Die Uhren scheinen immer schneller zu gehen. Irgendwie gewinnt der Wettlauf zwischen Beruf und Freizeit immer mehr an Dynamik.

Das Modethema „Work-Life-Balance“ ruft unter anderem Psychologen, Personalabteilungen und vor allem die betroffenen Menschen auf den Plan. So geht es nicht weiter. Von Balance im Alltag sprechen nur noch wenige. Immer häufiger werden Ausfälle im Berufsleben mit wochenlangen Absenzen vom Arbeitsplatz zum Gesprächsthema in Kantinen, Büros und zu Hause. Was entwickelt sich leise, schleichend und doch nachhaltig im Leben des modernen Menschen?

Die täglichen Anforderungen an jeden Einzelnen, egal ob Manager oder Arbeiter, Haus- oder Karrierefrau steigen, ohne dass wirkungsvolle Konzepte diesem Treiben bislang Einhalt gebieten. Es sei denn, der Betroffene zieht die Reißleine und gesteht sich ein, dass diese belastende Entwicklung geändert werden muss. Die Vorgehensweise ist eigentlich simpel und  verblüffend hilfreich. Wie in der Jugend schreibt der veränderungsbereite Klient Tagebuch. Über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten wird jede einzelne Stunde des Tages unter die Lupe genommen. Natürlich werden die gesamten 24 Stunden Tag für Tag und Woche für Woche registriert. Die Ruhephasen, das heißt die Zeiten, in denen geschlafen wird oder in der Pausen gemacht werden, zählen genauso wie die reine Arbeitszeit oder das Quantum an Mahlzeiten, Hygiene, Haushalt, Freizeit, Reisen, usw. Diese einzelnen Phasen werden in Stunden oder sogar in Minuten erfasst. Unter dem Tagesstrich sollten tatsächlich 24 Stunden saldiert sein. Nach einem guten Monat lohnt sich bereits eine erste Revue des registrierten Zeitraumes. Leicht lässt sich bereits jetzt erkennen, wo Schwerpunkte eine stete Wiederholung zeigen. Mit scharfem Blick lassen sich aber auch die vernachlässigten Zeiten im Tages- oder zumindest Wochenablauf markieren.

Hinter jeder einzelnen Tages- oder Wochenaktion gibt es Raum für eine Punktevergabe von eins bis zehn. Hier lässt das ehrliche Gespür und das persönliche Gefühl Raum für die Ist-Zustandsbewertung. Zum Beispiel wird hier notiert: Arbeit: 8, Hygiene 9, Hobby 2, Gespräche mit dem Partner: 3, etc. Zwei weitere Spalten hinter der Ist-Zustandsbewertung bleiben zunächst frei. Die eine Spalte dient nach drei Monaten dem Wunschbild, in wie weit sich der Ist-Zustand zum Wohlfühl-Zustand verändern lassen kann. Die noch verbleibende dritte Spalte dient am Ende der drei Monate der persönlichen Zielausrichtung. Welche realistische Lebensänderung lässt sich aus den Spalten 1 und 2 für eine Harmonisierung der Work-Life-Balance ableiten?

Was hier wie ein einfaches mathematisches Spiel anmutet, verspricht in der Regel jedoch Knochenarbeit zu sein. In dieser Situation empfiehlt sich die Begleitung durch einen professionellen Coach. Sehr leicht verheddert sich der veränderungsbereite Mensch in alten Mustern und Erklärungen, warum die angestrebte Veränderung nicht möglich ist. Erheblich negativer in der Langzeitwirkung entpuppt sich der faule Kompromiss, den der Klient mit sich schließt, ohne zu bedenken, unter welchen unbedachten Gefühlen diese Harmonisierung vereinbart wird. Aufgabe des Coaches während des Prozesses ist es, dafür zu sorgen, dass verfehlende Weichenstellungen vermieden werden. Empathisch achtet der Coach durch aktives Hinhören und –Spüren sowie durch genaue Reaktionsbeobachtungen am Klienten auf die Treffsicherheit der Vereinbarung des Klienten zu mehr Harmonie zwischen Beruf und Privatem.

Sobald der Klient mit der schriftlich wie mündlich vereinbarten Neuausrichtung seiner Lebensführung uneingeschränkt einverstanden ist, kann die erste Coachingsequenz als erfolgreich abgeschlossen werden. Nach Verstreichen eines halben Jahres empfiehlt sich die Überprüfung der Zielvereinbarung auf ihre Umsetzung. Zwischenzeitlich lassen sich jederzeit in Telefonaten oder Kurzcoachings Zielschärfungen- oder auch –korrekturen durchführen.

Georg-W. Moeller
Puchheim, 21.4.2010

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