Anton's Gipfelblick | 14.08.2010

Antons Gipfelblick (Illustration: pa_visual)
Der Zustand von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fordert, ja schreit geradezu nach einer fundierten Bewertung. Für B4B OBERBAYERN übernimmt in seiner nicht immer ganz ernst zu nehmenden, stets jedoch fundierten Analyse des Ist-Zustands unser Bergfreund Anton Woche das Kommentieren des Geschehens im Lande.
Die Bienen sind in Gefahr. Daran gibt es nichts zu deuteln. Leider haben wir uns angewohnt, derlei Nachrichten mit Expertimismus zu begegnen. Wissenschaftler werden beauftragt, Kommissionen eingesetzt, Adhoc-Arbeitskreise gegründet. Die Bienen bleiben trotzdem in Gefahr.
Die hochgiftigen Chemikalien in der Landwirtschaft, gegen die Imker und Bund Naturschutz jetzt zu Felde ziehen, sind nur ein Teil des Problems. Dennoch ist es richtig, ihr Verbot zu fordern. Und nicht abzuwarten, ob Experten nicht vielleicht eine andere Bedrohung als wichtiger erachten oder eine andere Maßnahme als wirksamer. Genau dieses Hinundherschieben von Verantwortung und Optionen nämlich ist schuld am kranken Zustand von Natur und Gesellschaft. Es hat leider auch dazu geführt, dass sich einer, der Schuld auf sich nimmt, nur zu gerne als Opfer auf dem Altar medialer Schuldigensuche geopfert wird - und sich alle anderen die Hände in Unschuld waschen können. Fast kann man den Duisburger OB verstehen, ja ihm dankbar sein, dass er nicht durch einen Rücktritt den verbliebenen Verantwortlichen ein Untertauchen in der Vergessenheit erlaubt.
Die Bienen sind in Gefahr. Weil sich (zu) viele zuständig fühlen und (zu) wenige etwas unternehmen. Angefangen bei uns selbst. Wie oft haben wir auf der Terrasse, dem Balkon, im Biergarten nach "Wespen" geschlagen, die in Wirklichkeit gar keine waren? Und warum wundern wir uns nur über Kinder, für die Bienen nur noch gelbschwarz gestreifte Zeichentrickfiguren im Fernsehen sind? Dass das süße gelbe Zeug auf der Frühstückssemmel aus dem Edeka-Regal kommt, steht sowieso außer Frage.
In unserem Garten steht ein Apfelbaum. Er wird heuer keine Früchte tragen. Die Zeit seiner Blüte war zu kurz, das Wetter war zu schlecht, die Bienen in der Gegend kamen mit ihrer Arbeit nicht hinterher. Nur ein Baum, nur ein paar Kilo Äpfel? Beim Nachbarn sieht es genauso aus. Im Nachbardorf auch. Und im Nichtnachbardorf auch. Mehr als 80 Prozent der heimischen Blütenpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen, um Früchte auszubilden. Wenn die Bienen mal gar nicht mehr hinterkommen, haben wir ein echtes Problem an der Backe.
Oh, ich bin mir sicher: Deutscher Ingenieurgeist wird geniale Maschinen erfinden, die das Bestäuben übernehmen. Chemiker und Biologen werden Pflanzen züchten und Gene austauschen bis zum Gehtnichtmehr, damit dem Erdbeerjoghurt nicht die Fruchstückchen ausgehen. Das wird Arbeitsplätze sichern und Exportchancen erhöhen. Aber es wird zu einem Leben ohne Bienen führen.
Wollen wir das einfach so hinnehmen?
Es ist mir egal, was wir als Ursache für die Bedrohung der Bienen benennen: Chemikalien und industrielle Nutzung, Funkwellen oder Klimaerwärmung, mangelhafte Pflege der Völker oder Unachtsamkeit beim Milbenbefall - das sind nur die Symptome. Die Ursache sind wir, die Menschen. Wir berauben eines der wichtigsten Nutztiere in unserem Leben seiner Lebensgrundlagen. Weil wir seine Existenz als gegeben und seine Produkte als käuflich ansehen. Und einfach nicht nachdenken wollen.
Bitte haben Sie Respekt vor den Bienen. Sie sind in Gefahr. Lassen Sie sich etwas einfallen, was Sie dagegen tun können. Überlassen Sie die Entscheidung nicht den Experten.
Bis dahin gilt: "B4B" heißt auch "Be for Bees" - "Seid für die Bienen!" Soviel Freiheit in der englischen Sprache muss sein.
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