Antons Gipfelblick

Kleine Anmerkungen zur Lage, Woche 33/2010

Anton's Gipfelblick | 18.08.2010

Antons Gipfelblick (Illustration: pa_visual)
Antons Gipfelblick (Illustration: pa_visual)

Der Zustand von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fordert, ja schreit geradezu nach einer fundierten Bewertung. Für B4B OBERBAYERN übernimmt in seiner nicht immer ganz ernst zu nehmenden, stets jedoch fundierten Analyse des Ist-Zustands unser Bergfreund Anton Woche das Kommentieren des Geschehens im Lande.

Die einen nennen es "Aprilfrische", die anderen sagen dazu "Generationengerechtigkeit".

Wenn wir uns auf die Sucher nach erneuerbaren Energien machen, dann sollten wir uns an jene halten, die immer wieder derlei wohlfeile Wellnessworte ersinnen. Wir werden dabei in der Werbung genauso fündig wie in der Politik. Das Dumme daren: Wenn wir mit diesen Begriffen das machen, was uns der Begriff "Begriff" nahelegt, nämlich sie zu (be)greifen, dann flutschen sie uns aus der Hand wie ein geschälter Pfirsich. So hundsgemein flutschig sind sie, dass sie uns nicht nur entwischen, sondern sich in Unbegreifbarkeit auflösen.

Wann das passiert? Spätestens dann, wenn ich zur Vorsitzenden der inzwischen großen, einstmals alternativen Partei gehe, die dieser Tage sagte, wie wichtig ihr bei der Diskussion um die Rente mit 67 die "Generationengerechtigkeit" sei, und sie bitte, mir meinen Anteil an dieser Gerechtigkeit zu bennenen und zu sichern - dann passiert das. Flutsch und weg.

Dabei ist dieser Unbegriff gar nicht so neu. Schon anno 2003 scheiterten vermeintliche Experten, befragt von der Wirtschaftsredaktion der FAZ daran, eine verbindliche Inhaltsangabe für die Generationengerechtigkeit zu liefern. An der wunschgetriebenen Beliebigkeit der Definitionsversuche hat sich seither nichts geändert. Nur die Zahl der Experten hat zugenommen.

Das größte Ärgernis für mich ist die offenkundige Lust der politisch Verantwortlichen daran, den "Menschen da draußen" mit "Worten mit diesen" zu suggerieren, sie hätte erstens die Probleme im Griff, es sei zweitens gat nicht so schlimm und es gebe, mit ihnen jedenfalls, überhaupt gar nie nicht Ungerechtigkeit. Wenn es dann doch andes kommt, sind jeweils die anderen schuld, die erstens den Begriff falsch anwenden, zweitens die Probleme nicht in den Griff bekommen und drittens von vorneherein nichts mit Gerechtigkeit am Hut hätten. Dieses rhetorische, in Wahrheit jedoch demagogische Prinzip, fällt nicht nur in die Kategorie der erneuerbaren Energien, es ist das fleischgewordene Perpetuum mobile. Von dem ich mich getrieben, aber nicht angetrieben fühle.

Wo mir dann selbst in der gesunden Höhenluft des Gipfels das Atmen schwerfällt, sind jene Geräuschfetzen aufgeregten Gerechtigkeitsgelabers, das ausbricht, wenn sich zum Beispiel ein paar amerikanische Milliardäre zusammenfinden, um mit ihrem Vermögen Gutes zu tun. Denn das dürfen die nicht! Da könnte ja jeder kommen, der Geld hat, und Nettigkeiten nach Gutsherrnart verteilen. Das ist nicht demokratisch. Das ist pfui. Bei uns verteilt der Staat. Der ist nicht nett. Aber gerecht.

Manchmal kann die Luft auf der Scheibe, die wir Erde nennen, ziemlich aprilfrisch werden. Finden Sie nicht?


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