Anton's Gipfelblick | 01.09.2010

Antons Gipfelblick (Illustration: pa_visual)
Der Zustand von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik fordert, ja schreit geradezu nach einer fundierten Bewertung. Für B4B OBERBAYERN übernimmt in seiner nicht immer ganz ernst zu nehmenden, stets jedoch fundierten Analyse des Ist-Zustands unser Bergfreund Anton Woche das Kommentieren des Geschehens im Lande.
Wie hatte ich am 25. Juli in meinem Ausblick auf das Sommerloch geschrieben? "Bleibt also bestenfalls noch ein kleiner Lebensmittelskandal, eine Zuwanderungs- und Rassismusdebatte oder unvermutete Nacktbilder, um ein paar nützliche Schlagzeilen zu produzieren." Vielen Dank lieber Herr Sarrazin, liebe Medienschaffende und liebe Berufs-Aufgeregte, dass Sie mir einen so schönen Volltreffer beschert haben.
Bitte erwarten Sie jetzt nicht auch noch, dass ich mehr dazu sage. Außer: Lesen bildet, Nachdenken hilft, Fragen stellen ist am besten.
Auch mit den Gebühren am Geldautomaten hatte ich mich schon früher einmal befasst. Dem gibt es nun eine Erkenntnis hinzuzufügen, die sich mir aus den Äußerungen von Verbraucherschützern und aus der Politik erschließt: Die Frage nach der angemessenen Höhe der Gebühren, die bei Abhebungen an Automaten anderer Banken als meiner eigenen fällig werden, ist eine Pegelanzeige für den Entwickungsstand der Dienstleistungsrepublik Deutschland. Warum? Stellen Sie sich vor, Sie wohnen auf dem Land. Eine Bank am Ort, ein Geldautomat am Ort. Sie haben dort ein Konto, erledigen das Abheben im Vorübergehen, die Gebühr ist im Kontopreis inklusive - fein. Sie haben dort kein Konto, möchten das Abheben im Vorübergehen erledigen, bezahlen für diesen Komfort eine Gebühr - auch fein. Denn Sie sparen sich damit Zeit und Benzingeld (oder Fahrschein) zum Ort des nächsten Automaten Ihrer eigenen Bank. Rechnen wir mal ganz konservativ: Legen wir die gesetzliche Mindestlohn-Vorstellung von 7,50 Euro pro Stunde zugrunde und gehen davon aus, dass Sie zu solch einem Automaten rund 15 Minuten unterwegs sind, dann ist diese Wegersparnis genau 1,87 Euro Zeit, plus 1 Liter Benzin (1,50 Euro) ersatzweise ein Nahverkehrsticket hin und zurück (2,50 Euro) wert. Macht in der Summe einen geldwerten Vorteil von 5,87 Euro, ausbezahlt als Komfortgewinn. Innerhalb der Stadt mit ihrer deutlich höhreren Geldautomaten-Population verringert sich dieser Betrag natürlich - aber es erhöht sich natürlich auch der Bequemlichkeitsfaktor: Warum zwei Straßen weiter laufen, wenn man gleich hier an der Ecke die Scheinchen ziehen kann? Sehen Sie: Darum dürfen Dienstleistungen Geld kosten. Und darum ist es verwerflich, wenn politisch Verantwortliche den Preis für etwas festlegen wollen, für dessen Bereitstellung private Dienstleister aufkommen.
In diesem Zusammenhang lohnt es sich, auch einen Blick auf die Idee der CDU-Bundestagsabgeordnete und und stellvertretende Vorsitzende des Bundestags-Tourismusausschusses, Rita Pawelski, zu werfen. Genauer gesagt auf ihre Forderung, dass Airlines mehr Beinfreiheit auch in der Economy-Klasse bieten müssen. Die Abgeordnete wandte sich mit einem Brief an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und bat ihn, auf europäischer Ebene auf eine verbindliche Vorschrift für einen Mindest-Sitzabstand in der Economy-Class hinzuwirken. Ihre Begründung: „Bei fast allen Airlines werden die Sitzabstände zwischen den einzelnen Reihen immer enger. Das birgt große gesundheitliche Risiken für die Passagiere der Economy-Class“, so Pawelski. „Ein Bewegen der Beine oder gar ein Ausstrecken – auf längeren Flügen aus gesundheitlichen Gründen dringend erforderlich – ist nicht möglich und daher das Thromboserisiko hoch.“ Liebe Frau Pawelsky, liebe Reisende: Können Sie alles haben. Kostet dann halt mehr. Einmal Malle und zurück ist dann eben nicht mehr für neunundbilligneunzig zu haben, sondern für paarhundertnochwas. So viel sollte dem eigenverantwortlichen mündigen Bürger seine Gesundheit auch wert sein.
Zum Brüllen lustig finde ich, dass dieser Max Legroom-Vorschlag auf den Tag genau zusammenfällt mit der Max Abzocke-Idee des Finanzministers, das Inkasso der Luftverkehrsabgabe über Nacht und ab sofort für Flüge im kommenden Jahr in Kraft zu setzen. Null Diienstleistung, Pervertierung des Begriffs "Sparen" und dann noch populistische Forderungen bei vollem Steuerausgleich: Haben wir gelacht! Auf was dürfen wir uns morgen freuen?
So gesehen wünsche ich mir, dass es eine Stelle gibt, die den Preis festlegt, zu dem die Dienstleistung "Übernahme politischer Verantwortung" festgelegt wird. Ach, was? Gibt es schon? Und wer arbeitet in dieser Stelle? Vertreter der politischen Verantwortung? Ja, dann: Kartellamt, übernehmen Sie!
Ein kleiner Glückwunsch ins benachbarte Allgäu, genaugenommen nach Oberstaufen. Der Tourismusort hat sich aktiv darum bemüht, die 21. deutsche Stadt zu sein, die in Google Street View auftaucht. Denn beim Werben um Urlauber aus aller Welt erschien der Gemeinde der Vorteil immens, der sich aus der Präsenz in der bebilderten Landkarte ergibt. Und, siehe da: Das Vorhaben, begleitet von Torten und Trompeten, ist geglückt! Die begleitende Berichterstattung kostenlos dazu - mit Geld nicht zu bezahlen. Chapeau!
Ü35 Faschingsparty - Feiern für einen guten Zweck im Jugendzentrum Poing
18. Februar, Einlass ab 19:30 Uhr mehr...

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