B4B COACH | 04.01.2012

Ralf Bürger, Ammersee Akademie
Manchen Führungskräften wünscht man, sie mögen über ihre Entscheidungen (mehr) nachdenken – andere verschleppen Entscheidungen oder verschleiern sie bis zur Unkenntlichkeit. Das ist nicht selten ein unbewusster Prozess: Wer kennt sie nicht, die vorpreschenden Dampflokomotiven (im persolog-Modell die „Dominanz-„ oder „Initiative-Typen“) oder die Perfektionisten, die erst eine Planung bei 100 Prozent beenden (die „Gewissenhaftigkeits-Typen“)?
„An irgendeinem Punkt muss man den Sprung ins Ungewisse wagen. Erstens, weil selbst die richtige Entscheidung falsch ist, wenn sie zu spät erfolgt. Zweitens, weil es in den meisten Fällen so etwas wie eine Gewissheit gar nicht gibt.“ (Lee Iacocca)
In der Praxis zeigt sich das häufig: Wer zu früh entscheidet, hat das Risiko falsch zu liegen – aber auch möglicherweise die Zeit, Fehlentwicklungen zu erkennen und gegenzusteuern. Und damit besteht die Chance zu lernen. Wer zaudert, dem fehlt dagegen nicht nur die Zeit, er verliert auch das Vertrauen seiner Mitarbeiter, weil sie nicht wissen, woran sie sind und irgendwann vielleicht in die falsche Richtung marschieren.
Schnelle Entscheidungen resultieren überwiegend aus einem Mut zum Risiko und aus dem (Bauch-) Gefühl, das Richtige zu tun. Lange Prozesse sind meist das Ergebnis von Unsicherheit oder der Angst Fehler zu machen. Um so mehr wird sich Zeit für die Planung genommen. Und das bei begrenzten Ressourcen, die wirtschaftlich eingesetzt werden müssen mit einer entsprechenden Rendite.
Es heißt nicht umsonst, dass Planung nur den Zufall durch den Irrtum ersetzt. Schließlich bezieht sich „Planung“ per Definition auf die Zukunft, kann also nie absolut sicher sein – wer kann schon regelmäßig seinen Umsatz für das nächste Geschäftsjahr genau richtig vorhersagen? Schon eher gültig wäre, zu sagen, dass ein geplantes Ergebnis „wahrscheinlich“ ist.
Wie lange brauchen Sie, um die wesentlichen (!) Informationen und Daten in eine Präsentation oder Email zu übertragen? Deutlich kürzer als die Zeit für Formatierung, Layout und Co.? Dann bestätigen Sie die 80-20-Regel (Pareto-Regel):
Wir schaffen in 20 Prozent unserer Arbeitszeit 80 Prozent unserer Ergebnisse. Die Differenz zum 100-prozentigen, d.h. perfekten Resultat ist so aufwendig, dass wir dazu die anderen 80 Prozent unserer Zeit einsetzen müssen! Wir arbeiten also nur effizient, wenn wir schon mit 80-prozentiger Sicherheit entscheiden statt mit 100. Also gilt Stephen R. Coveys Maxime: Es ist „wichtiger, die richtigen Dinge zu tun, als Dinge richtig zu tun“.
Entscheiden können –klar, strukturiert, zügig und natürlich reflektiert– ist also nicht nur eine wichtige Führungskompetenz, sondern auch die entscheidende unternehmerische Fähigkeit.
Über den Autor:
Ralf Bürger ist Experte für das Thema Führungskommunikation. Seit 2002 arbeitet er erfolgreich mit Führungsteams unterschiedlicher Branchen. In seinen praxisnahen und kurzweiligen Trainings und Workshops entwickelt er nachhaltigen Führungserfolg: Mehr Qualität und bessere Unternehmensperformance. Sein besonderes Augenmerk legt er auf die Beratung im Spannungsfeld Führungskultur - Mitarbeitermotivation.
Mehr Infos unter www.ammerseeakademie.de
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