
Ralf Bürger, AmmerseeAkademie
Leistungsfähige,
engagierte Mitarbeiter sind der Schlüssel zu innovativen und am Markt
erfolgreichen Unternehmen. Eine der Kernfragen von Führungskräften lautet
deshalb: Wie motiviere ich meine Mitarbeiter?
Oft genug finden sich in der
Presse und der Fachliteratur darauf Antworten unter den Rubriken „Incentives“,
„(variable) Vergütung“ oder „Lob und Anerkennung“. Oder, je nach Zeitgeist,
auch „Job Enrichment“, „Kaizen“ und ähnliches. Die effektivere Frage, die
selten genug aufgeworfen wird, lautet dagegen: Wie finde ich die Motivation
meiner Mitarbeiter heraus? Also: Mag der Esel die Karotte, die ihm vor die Nase
gehalten wird, überhaupt fressen?
„Mythos“ Motivation also?
Dem ist bereits der
bekannte Motivationsforscher Reinhard Sprenger in seinem gleichnamigen
Bestseller nachgegangen. Seine Studien haben beispielsweise gezeigt, dass Boni
in kürzester Zeit als (fester) Gehaltsbestandteil und folglich als normal
empfunden werden. Der Einfluss auf die Leistung tendiert gegen Null. Paradox,
oder? Dabei ist das doch ein verbreitetes Instrument zur Leistungssteigerung!
Außerdem: Welche
Botschaft sendet eine Führungskultur aus, die (Höchst-) Leistungen nur aufgrund
von Anreizsystemen erwartet? Und die dann auch noch nach dem Gießkannenprinzip
verteilt werden? Dazu kommt, dass seit langem nahezu ausschließlich auf
monetäre Ziele und Anreize gesetzt wird, deren Wirksamkeit und Bezug zur
unmittelbaren Arbeitsleistung fraglich sind. Und häufig nur zu einem
bestimmten Teil direkt selbst beeinflusst werden können (z.B.
Umsatzgratifikationen).
Motivation ist zwar kein direkter Mythos. Die Wege zu
ihr finden sich allerdings deutlich individueller und arbeitsplatzbezogener
als in der landläufigen Praxis. Warum sollten Führungskräfte Zeit für die Motivation
aufwenden? Motivation ist der
Motor für unsere Entscheidungen und Handlungen. Sie übt enormen Einfluss auf
unser Leistungsvermögen aus. Je größer die (Eigen-) Motivation, desto höher die
Leistung.
Nur müssen wir uns davon lösen, Mitarbeiter nur aktiv, d.h. mit Hilfe
von direkten Anreizen motivieren zu wollen. Motivation gleicht mehr einem
Prozess, an dessen Beginn die Art der Beziehung und Zusammenarbeit zwischen
Vorgesetzten und Mitarbeitern steht. Effektiver als Provisionen scheinen
Faktoren wie Interesse/Feedback (sowohl Lob als auch Kritik), Verantwortung für
Freiräume, Perspektive und Vertrauen zu sein.
Dem Geld kommt verstärkt die Rolle
einer reinen Arbeitsgrundlage zu: Das Gehalt (Fixum und
variabel) muss bis zu einer individuellen Untergrenze zum Mitarbeiter passen -
vorausgesetzt, die anderen Faktoren stimmen. Dann allerdings sind auf diese
Weise von innen motivierte Mitarbeiter nicht nur leistungsfähiger und
engagierter. Sie identifizieren sich auch stärker mit Produkten und Zielen und
sorgen damit für mehr Loyalität und einen größeren Unternehmenserfolg.
Was müssen die Chefs also in der Praxis tun? Sie sollten vor
allem Führung weniger bürokratisch betrachten und sich wieder mehr der Qualität
ihrer Arbeit widmen: „Wenn das einzige Werkzeug in Ihrem Werkzeugkasten ein
Hammer ist, fangen viele Dinge an wie Nägel auszusehen“, wusste schon Abraham
Maslow.Wenn ich eine
steigende Fluktuation oder Krankheitsquote habe, dann läuft etwas verkehrt.
Nicht nur aus altruistischen Gründen. Das ganze kostet ja echtes Geld.
Das Wahrnehmen
der Führungsverantwortung hat nichts damit zu tun, den Betrieb zu einem netteren
Ort zu machen. Es bedeutet vielmehr, Kriterien wie Transparenz in der Leistungsbewertung,
verständliche, interessante und fordernde Ziele und authentisches, konsequentes
Handeln wieder zum Maßstab zu nehmen. Im Grunde ist Motivation daher das
Nebenprodukt guter Führung!
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