Folge 6, von Georg W. Moeller

Betriebsübergaben

B4B COACH | 11.10.2010

Georg-W. Moeller
Georg-W. Moeller

Wie reif ist der übergebende Unternehmer für die Entscheidung?

Die Gründe für eine Betriebsübergabe - egal in welcher Branche - sind vielfältig. Das Alter des Unternehmers spielt bei einer bevorstehenden Entscheidung genauso eine Rolle wie wirtschaftliche und auch andere strategische Überlegungen.

So facettenreich auch eine solche Entscheidung sein mag, so vielfältig sind die emotionalen Planungen, Ängste und Zweifel, die denjenigen plagen, der vor der Überlegung steht, seinen ggf. jahrzehntelang geführten, oft sogar selbst gegründeten Betrieb in andere Hände zu geben.

Bei weitem sind es meist nicht jene Details, die im Bereich der hard facts schlaflose Nächte bereiten. Vielmehr steigt so manch zur Übergabe des Betriebes bereiter Manager in eine Art Hamsterrad der Gefühlsrotationen, die für einen solch entscheidenden Prozess sowohl lähmend als auch schmerzhaft sein können. In wessen professionelle Hände ist das Unternehmen zu übergeben? Sind der Junior oder die Juniorin der Familie für diese Herausforderung fit und geeignet? Muss im Bedarfsfalle nach einer starken und geeigneten Persönlichkeit auf dem freien Markt gesucht werden? Soll der Betrieb verkauft oder verpachtet werden? Ist die Vergabe des Unternehmens im Rahmen eines Managementauftrages die optimale Lösung? Wie weit ist die Frage der adäquaten Altersversorgung des Unternehmers geklärt? Wie lässt sich die Zeit nach dem aktiven Unternehmerdasein so gestalten, dass der Unternehmer nicht in das viel zitierte große schwarze Loch der Langeweile und Nutzlosigkeit fällt? Welche Personen gilt es in den Übergabe-Prozess einzuweihen und zu integrieren?

Die Liste der anstehenden Fragen im ganz persönlichen, also vom eigentlichen Prozess völlig unabhängigen Bereich, ist bei weitem nicht zu Ende. Ein Coach liefert den „Blick von außen“ Wie also rettet sich der Betriebsübergebende Unternehmer aus dieser schwierigen Situation? Er oder sie suchen sich einen Business Coach ihrer Wahl. Die in Deutschland vertretenen Fachverbände wie zum Beispiel der DFC, der Deutsche Fachverband Coaching, oder auch der QRC, der Qualitätsring Coaching vermitteln einen verlässlichen Überblick über die in der Region des Unternehmens ansässigen Business Coaches. Auch die IHK München und Oberbayern führt eine Liste dort ausgebildeter Coaches. Das A und O für eine positive Entscheidung, mit einem professionellen Coach den Entscheidungsprozess der Betriebsübergabe zu planen und zu gestalten, liegt in der eigenen klaren Absichtserklärung des Unternehmers, selbstständig diese Veränderungsarbeit an der Seite seines gewählten Sparringpartners leisten zu wollen.

Der Coach ist Wegbegleiter auf Zeit- Er ist jedoch kein Ratgeber. Der entscheidende Unterschied zwischen Berater und Coach in dieser Situation ist, dass der Coach durch seine Art zu führen darauf achtet, dass nicht nur verbalisierte Gedanken, sondern viel mehr die im Verborgenen steckenden, unausgesprochenen Gefühle und Gedanken dem Klienten (Unternehmer) transparent und klar werden. Coach und Klient definieren zunächst für beide Parteien unmissverständlich die Aufgabe des Coachings und erarbeiten eine klare Zieldefinition. Im sich anschließenden Coaching zeichnet sich der professionelle Coach durch konzentriertes, exaktes Hinhören auf das aus, was der Unternehmer zu seinem Anliegen äußert. Nicht nur das ausgesprochene Wort ist hier wichtig.

Viel entscheidender ist für das erfolgreiche Bearbeiten der Gedankenklärung das Erkennen der unausgesprochenen, der verdrängten, der vom Klienten unbewusst nicht zugelassenen Emotionen und Gedanken, die einem geübten Coach durch die Mimik, die Gestik, durch plötzliches Innehalten durch Widersprüche, etc. auffallen und mit dem Klienten intensiv besprochen werden. Wenn das Lebenswerk zum Verkauf steht… Der Unternehmer hat wahre Höchstleistung zu vollbringen, seinem Ziel auf die Spur zu kommen und dieses Ziel auch zu einem langfristig zufrieden stellenden Ergebnis zu führen. Schließlich handelt der Unternehmer in dieser Lebensphase mit dem Lebenswerk, das er aufgebaut und zum Erfolg geführt hat.

Dieses jetzt in jüngere, in andere Hände zu übergeben und sicher sein zu können, die richtige Wahl für das Unternehmen und für sich selbst zu treffen, ist von aller größter Bedeutung für seine Zufriedenheit. Mit Klärung dieser Aufgabe kann dann der ohnehin noch anstrengende Prozess der eigentlichen Betriebsübergabe mit Bank-, Wirtschaftsprüfer, Bewerberfachleuten und anderen an diesem Prozess beteiligten Menschen in Angriff genommen werden. Mit der sicheren Positionierung des Unternehmers ist nunmehr gewährleistet, dass das Unternehmen souverän und zum Erfolg aller Beteiligten in eine neue Ära geführt werden kann.

Über den Autor

Georg W. Moeller, Jahrgang 1955, gelernter Bank- und Hotelkaufmann, ist Business Coach (IHK München und Oberbayern) und Hotelier.
Georg-W. Moeller
www.gwm-coaching.de

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