
Georg W. Moeller
Vom rechten Umgang mit der Macht - und mit der Verantwortung für die Zukunft.
Führungskräfte sind starke Persönlichkeiten, die sich durch
ein hohes Maß an Entscheidungsfreude auszeichnen. Eine Führungskraft kann
alles. Dennoch wird die Führungskraft bei der Implementierung in ein neues
Aufgabengebiet vor besondere persönliche Herausforderungen gestellt. Umso
behutsamer und sensibler muss die verantwortliche Instanz bei ihrem
Entscheidungsprozess zu Felde ziehen. Auch ein fachlich "Strammer Max“
oder eine „Eiserne Lady“ wird scheitern, wenn nicht strategisch minutiös diese
Installation der neuen Kraft geplant wird.
Insbesondere auf dem Feld der Personalentscheidung werden
gerade von Führungskräften sehr häufig gravierende Fehlentscheidungen
getroffen. Alle Mosaiksteine einer Bewerbung aus den eigenen Reihen oder vom
freien Markt werden berücksichtigt: Minutiös wird die Vita des Kandidaten
gelesen. Wo hat er studiert? Welchen Werdegang hat er durchlaufen? Welche
Stärken hat er? Wo lassen sich Schwächen entlarven?
All diese harten Fakten
werden auch von einem Personalberater
untersucht und dem Mandantenpräsentiert. Die Entscheidung bleibt jedoch immer im
Verantwortungsbereich der Führungskraft. Welche wesentlichen Elemente gilt es
jedoch noch zu untersuchen, damit das Mosaik tatsächlich passt und sich in das
Firmengefüge zum Wohle des Unternehmens einbauen lässt? Die Führungskraft ist gut beraten, zu prüfen, ob die Chemie
zwischen ihr und dem Kandidaten passt. Gibt es in den zahlreichen Begegnungen
vor Einstellung Bauchzwicken, Grübeln, Zweifel, ob auch die menschliche
Komponente stimmig ist?
Die Führungskraft sollte aus ihrem Kokon der Macht
aussteigen und sich fragen, ob sie selbst den Anforderungen des Kandidaten
entspricht und ob auf rein zwischenmenschlicher Ebene eine lang anhaltende
Zusammenarbeit harmonisch zu werden verspricht.
Viele Studien belegen, dass die
einzustellenden Führungskräfte im Regelfall das Know-how, das heißt die
technischen Voraussetzungen für eine passende Zusammenarbeit mitbringen. Fast
alle Trennungen innerhalb der Probezeit oder auch innerhalb der ersten Jahre
der Kooperation sind auf fehlende menschliche Harmonie im Führungskader
zurückzuführen. Somit sollte sich die Führungskraft mit
Personalverantwortung die Frage stellen, ob die Zusammenarbeit auch zur
Partnerschaft reifen kann, wie wohl Krisenzeiten mit dem neuen Mitarbeiter
verlaufen werden, ob man selbst auch bereit ist, diese zu engagierende Person
im Führungskreis aktiv, freundlich, herzlich und ohne wenn und aber
aufzunehmen.
Eine zentrale Frage ist das Abgeben von Macht, das heißt zum
Beispiel von Know-how, von Wissen, von Betriebsinterna.
Je schneller, je umfassender, je präziser, je ehrlicher die
Informationen an die neue Führungskraft gegeben werden, desto rascher und desto
erfolgreicher läuft die Einarbeitung. Wie steht es um die Teilung der Macht?
Wie weit gibt der Boss Teile seines Machtzentrums an den oder die Neue weiter?
Diese Teilung verursacht unter Umständen Zweifel, Angst und Sorge um die eigene
Position. Die einstellende Führungskraft ist gut beraten, klipp und klare
Verabredungen über den Verantwortungs-, den Arbeitsbereich, über Zielsetzungen,
Budgets, Einschränkungen, Befugnisse, Tücken, aber natürlich auch Chancen und
Hoffnungen stets schriftlich vor der Implementierung des Neuen zu formulieren.
Die Startbedingungen dürfen keine Hintertürchen, keine
Fallstricke, keine Fragezeichen als Bremsklotz haben: weder für die
Führungskraft mit Personalverantwortung noch für den neuen Mitarbeiter. So
einfach wie sich diese Dienstanweisung für die Implementierung einer neuen
Führungskraft auch liest, so häufig sind jedoch auch die Fehler, die immer und
immer wieder wider besseren Wissens von alten erfahrenen Führungskräften
gemacht werden.
Die Psyche, das Unterbewusstsein, die persönliche und die
professionelle Entwicklung des Entscheiders warten immer wieder mit
Überraschungen auf, die im Entscheidungsprozess keineswegs bewusst sind. Wie
wir ticken, wie wir taktieren, ist vielen völlig unklar und von vielen
Erlebnissen in der Vergangenheit geprägt.
In einem Business Coaching kann die vor der Entscheidung
stehende Führungspersönlichkeit mit seinem Coach diesen Prozess der
Implementierung nicht nur spielerisch bis ins Detail durcharbeiten und somit Sicherheit
für die eigene Entscheidung gewinnen, sondern auch durch die professionelle
Begleitung dieses Sparringpartners Kardinalfehler vermeiden, die am Ende nicht
nur viel Geld kosten sondern auch den Entwicklungsprozess des Unternehmens
nachhaltig lähmen und schädigen könnten. Die neue Führungskraft ist ein
wesentlicher Partikel im Firmenmosaik. Nur wenn dieser Partikel passgenau
ausgesucht wird, ist die dauerhaft erfolgreiche Führungsmannschaft gesichert.
Über den Autor
Georg W. Moeller, Jahrgang 1955, gelernter Bank- und Hotelkaufmann, ist
Business Coach (IHK München und Oberbayern) und Hotelier.
Georg-W. Moeller
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