Folge 11, von Georg W. Moeller

Integration einer neuen Führungskraft im Unternehmen: Die Begleitung auf dem Weg zum Chef

B4B COACH | 11.01.2012

Georg W. Moeller, Foto: GWM
Georg W. Moeller, Foto: GWM

Da ist sie also: Die neue Führungskraft. In feierlicher Runde mit einem Glas Sekt, einem Blumenstrauß und knackigen Worten des verantwortlichen Oberchefs wird sie der Belegschaft vorgestellt.

Der Firmeninhaber, der Vorstand, der Aufsichtsrat oder wie auch immer der Entscheider heißen mag, der sie engagiert hat, bemüht sich kraft seines Amtes, herauszuarbeiten, was genau sie an Kompetenzen einbringen wird, um für das Team und das Unternehmen ein idealer Leader zu sein. Beifall aus der Runde. Räuspern. Die Führungskraft dankt dem Vorredner und stellt sich selbst der Mannschaft vor. Sie spricht vom Werdegang, von persönlichen Vorstellungen, von Zielen, die das Interesse an einer Führungsaufgabe im Unternehmen geschürt haben.

Nach dieser Rede und dem aufmunternden „Auf eine gute Zusammenarbeit!“ gehen alle wieder an ihren Arbeitsplatz. Die Führungskraft selbst bezieht das neue Büro und richtet sich auf die anstehenden Herausforderungen ein. Was wird wohl in den nächsten Wochen und Monaten passieren? Wie erlebt die Belegschaft sie, wie der Arbeitgeber?

Nach anfänglichem Beschnuppern, vorsichtigem Abtasten, ersten Meetings mit fachlichen Inhalten schärfen Management und Team bereits gewonnene Bilder, Emotionen und die Eindrücke voneinander. „So schlimm wie gedacht, ist sie doch gar nicht.“, tönt es aus der einen Ecke. „Na, ob die wohl Fuß fassen wird? Ich hab´ da so meine Zweifel.“, wird anderen Orts gemunkelt. Auch die noch so versierte Führungskraft durchläuft dabei wohl ein Wechselbad der Gefühle.

„Echt prima, der Laden!“, fühlt sie an einem Tag. „Na, das kann ja heiter werden!“, geht es ihr auch mal durch den Kopf. Derweil tickt die Uhr. Die hundert Tage Schonfrist für Neue läuft. Binnen dieser Phase entscheidet sich bereits, ob man sich erfolgreich im Unternehmen etablieren kann oder ob sich möglicherweise die Aufgabe schwieriger gestaltet als im Vorstellungsgespräch und existenzielle Hürden aufgebaut werden.

Idealerweise weiß der Auftraggeber, das heißt der Entscheider um diese Klippe und kümmert sich höchstpersönlich um einen harmonischen Einstieg seines Schützlings. Möglicherweise fällt die Entscheidung, einen Business Coach hinzu zu ziehen, um sich gemeinsam begleitet von diesem zu periodisch festgelegten Zeiten zu nähern und sich persönlich wie fachlich kennenzulernen. Dies ist ein Prozess, der niemals nur im Rahmen eines Vorstellungsgespräches absolviert werden kann.

Persönliche, fachliche, unternehmerische Ziele gehören beiderseits auf den Tisch des Hauses. In dieser Situation tragen beide große Verantwortung sich selbst und vor allem dem Unternehmen gegenüber. Mögliche Visiere gehören hochgeklappt. Die Übung der ehrlichen, aufrichtigen Annäherung wird intensiv exerziert. Der Business Coach kann beispielsweise in dieser Phase in die Rolle des Supervisors treten und die Annäherung der beiden beobachten und begleiten, um den Parteien Souveränität zu gewährleisten. Mit professioneller Frage- und Hinterfragetechnik ermöglicht der Coach den Kontrahenten auch Saiten anzustimmen, die ohne die Supervision eines Neutralen wahrscheinlich unangesprochen, da zunächst nicht offensichtlich, blieben.

Es zeigt die Praxis, dass sowohl auf Seiten des Auftraggebers wie auch auf Seiten der Führungskraft Mechanismen greifen, die zunächst die gesamte Bandbreite an Klarheit und Ehrlichkeit verschleiern. Es wirken beidseits Ängste, Zweifel, gute Erziehung, etwas lieber nicht zu fragen oder anzusprechen. Hier liegt aber der Hase im Pfeffer. Bleiben diese dunklen Flecken unausgesprochen, baut sich möglicherweise Sprengstoff auf. Der könnte genau dann losgehen, wenn der graue Alltag die hundertprozentige Verlässlichkeit auf beiden Seiten fordert.

Die beschriebene Situation zwischen Führungskraft und Auftraggeber lässt sich natürlich exakt genau in die andere Richtung fortführen. Die Annäherung der Führungskraft an die Mannschaft und die Mitarbeiter ist genauso entscheidend für eine gedeihliche Implantation in das Unternehmen wie in die Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber. Fairness und Offenheit, Klarheit und Präzision sind die Erfolgsgaranten, die für die erfolgreiche Arbeit der neuen Kraft an Bord ausschlaggebend sind.

 

Über den Autor:

Georg W. Moeller, Jahrgang 1955, gelernter Bank- und Hotelkaufmann, ist Business Coach (IHK München und Oberbayern) und Hotelier.

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