
Georg W. Moeller
Systemisches Coaching zur lösungsorientierten Befriedung der Generationen
Fast jede Soap Opera im Fernsehen
gründet auf Zoff in der Familiendynastie, also auf dem Konflikt zwischen den
Generationen oder familiären Businesspartnern. Da ist der Alte, der Patriarch,
der sich seit Jahren damit trägt, seine Verantwortung an die jungen Leute abzugeben. Offiziell ist dieser Schritt auch
längst vollzogen. Da ist aber auch noch die junge Nachwuchsführungskraft aus
der eigenen Familie. Mit großem Spektakel und notarieller Verbriefung hat der
Senior seinem Sohn oder seiner Tochter den Führungsstab in die Hand gedrückt
und mit dem Brustton der Überzeugung gesagt: "Ich ziehe mich jetzt aus dem
aktiven Leben zurück. Jetzt bist du dran. Du hast mein ganzes Vertrauen, das
Familienunternehmen sicher durch alle Stürme des wirtschaftlichen Lebens zu
führen.“
Soweit hat zumindest der Führungswechsel geklappt. Doch der Alltag zeigt mitunter,
dass die Übergabe des Führungsstabes beiden Generationen nachhaltig
Schwierigkeiten bereitet. Keineswegs hat sich der Senior aus dem aktiven
Geschäft zurückgezogen. Sein Büro ist immer noch die heimliche Kommandozentrale
des Unternehmens. Die alt gedienten Mitarbeiter erweisen immer noch dem
Patriarchen die Ehre und Treue und warten auf Führungssignale aus dessen
Richtung.
Der Junior, bestens in der Hochschule und beim Mitbewerber über Jahre
zum talentierten Nachwuchs herangereift, legt sich nunmehr in die Riemen des
Geschehens. Altbewährtes wird auf den Prüfstand gestellt. Neue Ideen sollen
eingebracht werden. Die Mitarbeiterführung wandelt sich. Die Konzentration auf
das partnerschaftliche Führungsverhalten, die offene Kommunikation, die
Einrichtung von Management-Zirkeln werden installiert.
Es knirscht der Senior mit den
Zähnen, weil er sieht, dass der mit Bedacht gesetzte Schritt in die
Betriebsübergabe nun doch mit emotional stärkerer Belastung verbunden ist, als
sich die Vorgängergeneration dies hat je vorstellen können. „Hups, da wird mein
Kind erwachsen und ich gehöre wohl jetzt zum alten Eisen“, hören wir den Alten
sagen. Die junge Führungskraft ist hierbei noch relativ unbelastet. Voller Elan
ist sie damit beschäftigt, das Unternehmen auf modernen Kurs zu bringen.
Schließlich will sich der junge Manager profilieren und zeigen, was er in all
den Jahren des Aufbaus gelernt hat. Konflikt ist vorprogrammiert.
Es knirscht
zunächst. Es scheppert solange, bis es kracht. Der Generationenkonflikt ist
perfekt. Wie kommen die Parteien wieder zu einander? Wie lösen sie das Problem,
das nicht nur eine Eltern-Kind-Beziehung, sondern ein ganzes Betriebskonstrukt
ins Wanken bringen kann? Es ist relativ unwahrscheinlich, dass die beiden
Parteien nüchtern, sachlich, konstruktiv am Verhandlungstisch, beim
Waldspaziergang, der Partie Golf, dem Segelturn eine dauerhaft zuverlässige
beide Parteien befriedigende Lösung erarbeiten.
Zu viele Emotionen beeinflussen
die Gemengelage. Es geht um reine Menschlichkeit. Weniger um rein dienstliche
Belange. Im Kampfsport wird ein Schiedsrichter eingesetzt, der die eifernden
Kämpfer an die Regeln des Kampfes erinnert, sofern diese überschritten werden.
Sollte eine Partei aussichtslos ins Hintertreffen geraten, wird der
Unparteiische die Kampfhähne auch mit all seiner Autorität auseinander bringen.
Fairness ist das oberste sportliche Gebot.
Diese Funktion des Schiedsrichters
kann in dem konstruierten Familienkonflikt ein Business Coach übernehmen. Die
Voraussetzung ist die uneingeschränkte Bereitschaft der Generationen, einen
Coach für die Konfliktlösung zu akzeptieren. Gemeinsam wird mit dem Coach das
Ziel definiert, das beiden Geschäfts-und Familienpartnern dienlich ist. Wie
wollen beide Parteien ihre Position so verändern, dass am Ende des Coachings
Partner statt Kontrahenten idealerweise gemeinsam die betrieblichen Geschicke
in die Hand nehmen. Beispielsweise mit klar definierten Aufgaben, mit
vereinbarten Verantwortlichkeiten oder auch der friedlichen einvernehmlichen
konsequenten Lösung des Patriarchen aus dem Geschäftsleben.
Häufig stecken
uralte Vater-/Kindmuster, die bereits aus der Großelterngeneration in die
Jetzt-Zeit übertragen worden sind, hinter diesen Konflikten, die ihre Ursache
oft in Verlustangst, Wut, Trauer oder ähnlichen Emotionen haben. Durch empathisches
Hinhören des Coaches auf das, was bei den Generationen unausgesprochen bleibt,
durch gezieltes Nachfragen und Hinterfragen von Sachverhalten und Gemütslagen
verändern sich beinahe schon automatisch die konträren Positionen.
In einzelnen
aber auch gemeinsamen Sitzungen mit dem Coach nähern sich die Kontrahenten,
klären für sich ihre eigenen Positionen und finden eine Lösung, wie jeder für
sich und beide füreinander den Weg der partnerschaftlichen Konfliktklärung
beschreiten. Das Ziel ist dann erreicht, wenn beide Generationen ihren
gemeinsam erarbeiteten neuen Weg ohne faule Kompromisse eingegangen zu sein,
selbstbewusst und zufrieden gehen.
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