Folge 8, von Georg W. Moeller

Konflikte im Familienbetrieb

B4B COACH | 01.12.2010

Georg W. Moeller
Georg W. Moeller

Systemisches Coaching zur lösungsorientierten Befriedung der Generationen

Fast jede Soap Opera im Fernsehen gründet auf Zoff in der Familiendynastie, also auf dem Konflikt zwischen den Generationen oder familiären Businesspartnern. Da ist der Alte, der Patriarch, der sich seit Jahren damit trägt, seine Verantwortung an die jungen Leute  abzugeben. Offiziell ist dieser Schritt auch längst vollzogen. Da ist aber auch noch die junge Nachwuchsführungskraft aus der eigenen Familie. Mit großem Spektakel und notarieller Verbriefung hat der Senior seinem Sohn oder seiner Tochter den Führungsstab in die Hand gedrückt und mit dem Brustton der Überzeugung gesagt: "Ich ziehe mich jetzt aus dem aktiven Leben zurück. Jetzt bist du dran. Du hast mein ganzes Vertrauen, das Familienunternehmen sicher durch alle Stürme des wirtschaftlichen Lebens zu führen.“

Soweit hat zumindest der Führungswechsel geklappt. Doch der Alltag zeigt mitunter, dass die Übergabe des Führungsstabes beiden Generationen nachhaltig Schwierigkeiten bereitet. Keineswegs hat sich der Senior aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen. Sein Büro ist immer noch die heimliche Kommandozentrale des Unternehmens. Die alt gedienten Mitarbeiter erweisen immer noch dem Patriarchen die Ehre und Treue und warten auf Führungssignale aus dessen Richtung.

Der Junior, bestens in der Hochschule und beim Mitbewerber über Jahre zum talentierten Nachwuchs herangereift, legt sich nunmehr in die Riemen des Geschehens. Altbewährtes wird auf den Prüfstand gestellt. Neue Ideen sollen eingebracht werden. Die Mitarbeiterführung wandelt sich. Die Konzentration auf das partnerschaftliche Führungsverhalten, die offene Kommunikation, die Einrichtung von Management-Zirkeln werden installiert.

Es knirscht der Senior mit den Zähnen, weil er sieht, dass der mit Bedacht gesetzte Schritt in die Betriebsübergabe nun doch mit emotional stärkerer Belastung verbunden ist, als sich die Vorgängergeneration dies hat je vorstellen können. „Hups, da wird mein Kind erwachsen und ich gehöre wohl jetzt zum alten Eisen“, hören wir den Alten sagen. Die junge Führungskraft ist hierbei noch relativ unbelastet. Voller Elan ist sie damit beschäftigt, das Unternehmen auf modernen Kurs zu bringen. Schließlich will sich der junge Manager profilieren und zeigen, was er in all den Jahren des Aufbaus gelernt hat. Konflikt ist vorprogrammiert.

Es knirscht zunächst. Es scheppert solange, bis es kracht. Der Generationenkonflikt ist perfekt. Wie kommen die Parteien wieder zu einander? Wie lösen sie das Problem, das nicht nur eine Eltern-Kind-Beziehung, sondern ein ganzes Betriebskonstrukt ins Wanken bringen kann? Es ist relativ unwahrscheinlich, dass die beiden Parteien nüchtern, sachlich, konstruktiv am Verhandlungstisch, beim Waldspaziergang, der Partie Golf, dem Segelturn eine dauerhaft zuverlässige beide Parteien befriedigende Lösung erarbeiten.

Zu viele Emotionen beeinflussen die Gemengelage. Es geht um reine Menschlichkeit. Weniger um rein dienstliche Belange. Im Kampfsport wird ein Schiedsrichter eingesetzt, der die eifernden Kämpfer an die Regeln des Kampfes erinnert, sofern diese überschritten werden. Sollte eine Partei aussichtslos ins Hintertreffen geraten, wird der Unparteiische die Kampfhähne auch mit all seiner Autorität auseinander bringen. Fairness ist das oberste sportliche Gebot.

Diese Funktion des Schiedsrichters kann in dem konstruierten Familienkonflikt ein Business Coach übernehmen. Die Voraussetzung ist die uneingeschränkte Bereitschaft der Generationen, einen Coach für die Konfliktlösung zu akzeptieren. Gemeinsam wird mit dem Coach das Ziel definiert, das beiden Geschäfts-und Familienpartnern dienlich ist. Wie wollen beide Parteien ihre Position so verändern, dass am Ende des Coachings Partner statt Kontrahenten idealerweise gemeinsam die betrieblichen Geschicke in die Hand nehmen. Beispielsweise mit klar definierten Aufgaben, mit vereinbarten Verantwortlichkeiten oder auch der friedlichen einvernehmlichen konsequenten Lösung des Patriarchen aus dem Geschäftsleben.

Häufig stecken uralte Vater-/Kindmuster, die bereits aus der Großelterngeneration in die Jetzt-Zeit übertragen worden sind, hinter diesen Konflikten, die ihre Ursache oft in Verlustangst, Wut, Trauer oder ähnlichen Emotionen haben. Durch empathisches Hinhören des Coaches auf das, was bei den Generationen unausgesprochen bleibt, durch gezieltes Nachfragen und Hinterfragen von Sachverhalten und Gemütslagen verändern sich beinahe schon automatisch die konträren Positionen.

In einzelnen aber auch gemeinsamen Sitzungen mit dem Coach nähern sich die Kontrahenten, klären für sich ihre eigenen Positionen und finden eine Lösung, wie jeder für sich und beide füreinander den Weg der partnerschaftlichen Konfliktklärung beschreiten. Das Ziel ist dann erreicht, wenn beide Generationen ihren gemeinsam erarbeiteten neuen Weg ohne faule Kompromisse eingegangen zu sein, selbstbewusst und zufrieden gehen.
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