Bad-Tölz-Miesbach | 26.07.2010

Geschäftsführer der SMG Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach mbH, Oliver Reitz
Gerade in Krisenzeiten wissen Unternehmen es zu
schätzen, wenn ihnen die öffentliche Hand das Leben leichter macht. Wie
sich
solche Ansprüche umsetzen lassen, erläutert im Gespräch mit
B4BOBERBAYERN.DE
der Geschäftsführer der SMG Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis
Miesbach
mbH, Oliver Reitz.
B4B OBERBAYERN: Wie hat die Region Miesbach die Wirtschaftskrise
ganz generell gemeistert?
Reitz: Der
Landkreis Miesbach weist im Vergleich zu anderen Wirtschaftsräumen eine sehr
breit gefächerte Branchenstruktur mit unterschiedlichen Betriebsgrößen auf.
Direkte Einbrüche, die wie z. B. im Bereich der Automobilindustrie ganze
Regionen betrafen, mussten wir daher nicht verzeichnen. Gleichwohl verspürten
einige heimische Unternehmen deutliche Umsatzrückgänge, insbesondere solche,
die als Zulieferer für andere produzierende Betriebe tätig sind. Das Instrument
der Kurzarbeit kam auch im Landkreis Miesbach in verschiedenen Betrieben zur
Anwendung, wodurch besonders schwierige Phasen überbrückt werden konnten.
B4B OBERBAYERN: Gibt es jetzt Zeichen des Aufschwungs, wenn ja
welche?
Reitz: Signale
eines Aufschwungs gibt es in allen 17 Städten und Gemeinden des Landkreises. Gewerbeflächen
werden neu ausgewiesen, Baukräne ragen in den Himmel, Investitionen in neue
Bauvorhaben werden sowohl von kleineren als auch von größeren Betrieben
getätigt. So erweitern derzeit beispielsweise die OPED GmbH in Oberlaindern
(Orthopädietechnik) oder die Telair International, ein führendes
Luftfahrt-Zulieferunternehmen im Bereich der Frachtladesysteme, in Miesbach
ihre Produktionsgebäude, andere Betriebe wie die Kaffeerösterei Dinzler in
Irschenberg, die Firma Bonn Elektronik in Holzkirchen oder die Ludwig Michl
GmbH (Blechverarbeitung) in Waakirchen beziehen komplett neue Objekte. Und
erfreulicherweise renovieren auch Betriebe der Hotellerie und Gastronomie ihre
Gebäude, an einigen Standorten wie z. B. an der Schliersbergalm sind
umfangreiche Neuinvestitionen in touristische Bauvorhaben vorgesehen.
B4B OBERBAYERN: War die Krisenzeit eine gute Zeit, um
Veränderungen zu bewirken und "Räume zu öffnen"?
Reitz: Mit der
Gründung der SMG hatte der Landkreis bereits im Sommer 2007 ein klares Zeichen
in Sachen Wirtschaftsförderung gesetzt. Eine Bestandsentwicklung mit aktiver
Kontaktpflege zur heimischen Wirtschaft, kurze und transparente
Genehmigungsverfahren sowie eine vorausschauende Gewerbeflächenpolitik sind
gerade in Zeiten der globalen Wirtschaftskrise wichtiger denn je und werden von
den Unternehmen geschätzt. Des Weiteren
ist die SMG seit Juni 2009 Projektträger des durch das Bayerische
Staatsministerium für
Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie geförderten landkreisweiten
Regionalmanagements. Oberstes Ziel des Regionalmanagements ist es, die
vorhandenen Potenziale der Region zu erkennen, optimal zu erschließen und zu
nutzen. Gerade in Zeiten eines verschärften Konkurrenzkampfes
zwischen verschiedenen Standorten sind es oftmals weiche Faktoren, die ein
Ansiedlungsvorhaben positiv beeinfluss können. Durch die Projekt- und
Netzwerkarbeit des Regionalmanagements können die weichen Faktoren nachhaltig
verbessert werden.
B4B OBERBAYERN: Wie hat sich der Zusammenhalt der Region bewährt?
Reitz: Im Zusammenspiel der
Arbeitsagentur, der örtlichen Banken und der kommunalen Wirtschaftsförderung
wurde versucht, schnell und unbürokratisch zu helfen. Auch in den Gemeinden und
im Landratsamt werden pragmatische Lösungen gesucht, wenn ein Unternehmen um
Hilfestellungen bittet. Seitens der SMG haben wir mit verschiedenen
Branchentreffs und Unternehmer-Stammtischen die regionalen Netzwerke gestärkt
und auch in mehreren Fällen regionale Kooperationen und Zulieferbeziehungen
unter den heimischen Betrieben initiiert.
B4B OBERBAYERN: Wie ist die aktuelle Situation bei den
Existenzgründern – auch verglichen mit dem Vorjahr?
Reitz: In einer Region, die von
Unternehmergeist geprägt ist, sollte ein besonderes Augenmerk den
Existenzgründern gelten. Für viele Arbeitnehmer kann gerade in Zeiten
wirtschaftlicher Ungewissheit die Möglichkeit der Selbstständigkeit eine
lohnende Alternative darstellen. Dass gerade im Landkreis Miesbach immer mehr
Menschen den Weg in die Selbständigkeit wählen, belegen über 1200 Neugründungen
im Jahr 2009, was einem Plus von 11,2 Prozent verglichen mit dem Vorjahr
entspricht. Unser Ziel ist es, dass in unserem Landkreis noch mehr Menschen
eine Existenzgründung wagen und wir noch mehr als bisher eine Gründer- und
Unternehmerregion werden. Die SMG wird daher auch weiterhin in Kooperation mit
den Kammern monatliche Beratungstage für Existenzgründer anbieten und diese
positive Entwicklung begleiten.Aus
diesem Grund betreuen wir in der SMG derzeit eine Machbarkeitsstudie für ein
Technologie- und Gründerzentrum, die neben der Umsetzungsfrage auch
verschiedene Standorte und die mögliche Ausrichtung eines solchen Zentrums
untersucht.
B4B OBERBAYERN: Haben Sie beim Standortmarketing die Bemühungen
verstärkt? Welche Reaktionen spüren Sie? Ist der Wettbewerb härter geworden?
Reitz: Jede
Region versucht, sich immer mehr im Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte zu
positionieren und zu vermarkten. Profilbildung und regionale Identität prägen
die Handlungsfelder des Standortmarketings – nicht nur im Landkreis Miesbach.
Doch durch verschiedene Standortvorteile und einen breiten Branchenmix in
unserem Landkreis haben wir im bundesweiten Vergleich eine besonders hohe
Wirtschaftskraft. Und das wurde uns im Dezember sogar schwarz auf weiß
bestätigt: Im aktuellen Ranking von FOCUS MONEY wurden sieben Kennzeichen der
Wirtschaftskraft für 401 Landkreise und kreisfreie Städte gemessen. Nach Platz
17 im Vorjahr ist der Landkreis Miesbach nun unter den Top 12. Ich sehe darin
eine Bestätigung der guten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den 17 Städten
und Gemeinden des Landkreises. Und besonders erfreulich ist, dass wir uns beim
Wachstum des Bruttoinlandsproduktes um über 11 Prozent steigern konnten und
hier nun sogar auf Platz 4 liegen.Auch
im Manager-Magazin ist ein europaweites Ranking veröffentlich worden, in dem
der Landkreis Miesbach binnen der letzten drei Jahre von Platz 165 auf Platz 39
geklettert war. Das ist nicht zuletzt auch ein Beleg für eine
wirtschaftsfreundliche Verwaltung im Landkreis Miesbach.
B4B OBERBAYERN: Gibt es Leuchtturmprojekte oder herausragende
Firmen in Ihrer Region, von denen Sie sagen können: Die haben die Krise mit
Bravour gemeistert?
Reitz:
Hier
könnte ich sicherlich eine ganze Reihe von Firmen nennen, die sich in der Krise
behauptet haben bzw. in manchen Fällen sogar neu aufstellen mussten.
Beeindruckend sind insbesondere solche Unternehmen, in denen Geschäftsleitung
und Beschäftigte in einem engen Schulterschluss die Krise gemeistert haben.
Gleichwohl gibt es aber auch Unternehmen, die weitgehend krisenresistent waren
bzw. sind, da sie zu Branchen gehören, die von der Krise weitgehend verschont
geblieben sind. So ist zum Beispiel der von der OPED GmbH in
Valley-Oberlaindern initiierte Medizinpark ein wichtiges Projekt, das gerade in
schwierigen Zeiten der gesamten Region neue Impulse geben kann. Eine
Bestandsentwicklung bereits ansässiger Unternehmen - mit dem nötigen Augenmaß
und gerade in zukunftsorientierten Branchen - hat für die Wirtschaftsförderung
einen genauso hohen Stellenwert wie die Neuansiedlung auswärtiger Unternehmen.
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