Abgeordnete zu Besuch

Oberlandbahn stellt sich der Zukunft

Bad-Tölz-Miesbach | 03.09.2009

BOB Integral vor dem Wendelstein
BOB Integral vor dem Wendelstein

Anlässlich der aktuellen Diskussion um die Zukunft der Bayerischen Oberlandbahn hat sich der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Barthel vor Ort bei der BOB über die derzeitige Sachlage informiert. Auch der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Eberhard Rotter, besuchte das Bahnbetriebswerk der Bayerischen Oberlandbahn GmbH in Lenggries.

Unter den Fragestellungen, ob eine Ausschreibung für das Oberland vorteilhaft wäre und welche Konzepte die BOB für eine Verbesserung ihrer Qualität hat, traf Klaus Barthel sich mit BOB-Geschäftsführer Heino Seeger und Betriebsratsvorsitzenden Franz Schertler zum Gespräch.

„Unser Ziel ist die Sicherung und die Weiterentwicklung der heutigen guten Qualität des Schienenpersonennahverkehrs im Oberland. Damit verbunden sind der Erhalt von Arbeitsplätzen sowie guter Arbeitsbedingungen“, erklärte der Bundestagsabgeordneter. „Das viel zitierte Argument, dass Wettbewerb die Kosten für den Freistaat senkt und gleichzeitig die Qualität des SPNVs erhöht, ist schwer nachvollziehbar. So hat der Freistaat die Integrale und das Bahnbetriebswerk gefördert, die bei einem Betreiberwechsel übernommen werden müssten. Gleichzeitig hat die BOB in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie ihre Leistungen ständig steigern will und kann. Und dass die Bevölkerung hinter ihr steht. Wichtiger ist also jetzt, politisch zu entscheiden, dass die Qualität gesichert, das Platzangebot ausgeweitet, das Tarif- und Preissystem vereinfacht und die Arbeitsbedingungen vor Dumping geschützt werden – und zwar dauerhaft. Bei der BOB habe ich die Bereitschaft verspürt, hier klare Verpflichtungen einzugehen“, so Barthel.

Auch der verkehrspolitische Sprecher der CSU-Landtagsfraktion, Eberhard Rotter, ist jetzt zu Besuch im Bahnbetriebswerk in Lenggries gewesen. Vor Ort erläuterte BOB-Geschäftsführer Seeger seinem Gast die einzelnen Arbeitsschritte bei den Werkstattuntersuchungen der Integral-Triebzüge und wies darauf hin, dass die BOB zur besseren Auslastung ihres Werkes auch Fremdaufträge von anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen durchführe. Eberhard Rotter, der seit 15 Jahren Mitglied des Verkehrsausschusses im Bayerischen Landtag ist, erinnerte an die schwierige Anfangsphase und zeigte sich sehr beeindruckt, welche Entwicklung die BOB in den vergangenen Jahren genommen hat. „Es ist wohl einmalig in Deutschland, dass die Bevölkerung einer Region so hinter „ihrer“ Eisenbahn steht, wie im Bayerischen Oberland. Die Erfolgsgeschichte der BOB ist ein Musterbeispiel für Kundenzufriedenheit im Schienenpersonennahverkehr“. so Rotter bei seinem Besuch.

„Ein falsch verstandener Wettbewerbsgedanke birgt hohe Risiken, weshalb vor einer geplanten Ausschreibung die Situation jedes Eisenbahnunternehmens gründlichst geprüft werden sollte, um die für die Region beste Entscheidung zu treffen. Im Fall der BOB zeigt sich, dass die Verbesserung und Verlängerung des Vertrages eine gute Option sein könnte, unsere Ziele zu erreichen“, hatte Barthel bei seinem Besuch ausgeführt.

„Auch über die Vorschläge der BOB bzgl. einer Elektrifizierung nach Bayrischzell und der Einbeziehung der Mangfalltalbahn sind noch vor der Vergabe zu entscheiden. Auch wäre ich gespannt zu hören, welche Alternativen es geben könnte. Jetzt sind Staatsregierung und Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) am Zug, nicht nur über Kosten und Ausschreibungen zu philosophieren, sondern über Qualitätsziele zu entscheiden.“

BOB-Geschäftsführer Heino Seeger: „Die Überlegungen sind sehr gut nachvollziehbar. Denn die BOB will ja keine Ausnahme im allgemeinen Wettbewerb sein, sondern grundsätzlich soll der Weg einer möglichen Vertragsverlängerung allen Verkehrsunternehmen offen stehen. Wettbewerb wird ja nicht ausschließlich über Ausschreibungen gefördert, sondern nachhaltig auch dadurch, dass Unternehmen bei guter bis sehr guter Qualität die Chance auf eine Vertragsverlängerung haben. Dadurch erhöht sich auch die Bereitschaft langfristig gute Leistungen zu zeigen und zu investieren, sowohl in Material als auch in Personal.“ 

„Natürlich ist es auch für den Betriebsrat enorm wichtig, dass die BOB die Möglichkeit bekommt bis zum Jahr 2023 die Oberlandstrecken zu betreiben, damit der Erhalt der Arbeitsplätze sowie guten Arbeitsbedingungen gesichert bleiben.“ ergänzt Betriebsratsvorsitzender Franz Schertler. „Tatsächlich rechnen wir sogar damit, dass weitere Arbeitsplätze geschaffen werden können. Dabei geht es sowohl um die Mitarbeiter bei der BOB als auch um Arbeitsplätze in der Region, da die BOB eng mit hier ansässigen Unternehmen zusammenarbeitet. Bei einem Betreiberwechsel rechnen wir dagegen mit einem größeren Stellenabbau.“
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