Oberland: Ebersberg-Rosenheim | 22.10.2010

Resi Bartl strickt die „Brennade Liab“ mit Leidenschaft
Historische Bräuche und Geheimnisse am 30. und 31. Oktober auf der Messe „Brauchtum, Handwerk, Tracht“ im
Lokschuppen Rosenheim.
Drei Dinge braucht
die Frau, um dem Mann ihrer Träume in
einer geheimen Botschaft die Liebe zu gestehen: Stricknadeln, Wolle und das
Wissen um alte Strickmuster! So kann sie in die Wadlstrümpfe „Die brennade Liab“ einstricken. „Das ist ein
altes gezopftes Strickmuster, das ähnlich wie Rauten ausschaut“, versucht Resi
Bartl, das komplizierte Muster zu erklären. Die 49jährige Prienerin mit eigenem
Trachtengeschäft strickt seit fünf Jahren Strümpfe und ist bei Trachtenvereinen
als Expertin gefragt.
Erklärungen im
Detail sind für den Laien nicht zu verstehen. Nur so viel: Es handelt sich bei
der „Brennaden Liab“ um ein altes Muster, das seit dem 19. Jahrhundert von
Generation zu Generation überliefert wurde. Wie es aussieht, können
Interessierte auf der Messe „Brauchtum, Handwerk, Tracht“ am 30. und 31.
Oktober im Ausstellungszentrum Lokschuppen in Rosenheim sehen. Dort führt Resi
Bartl an ihrem Stand die alte Strickkunst vor, und über 50 weitere Aussteller
verraten dort weitere Geheimnisse und Traditionen der Handwerkskunst.
Niemand weiß, wer die
„Brennade Liab“ erfunden hat. Es gibt nur eine Vermutung: Eine Frau wollte
ihrem Liebsten mit der Botschaft in den Strümpfen die Liebe mitteilen. Die
„Brennade Liab“ ist nicht die einzige geheime Botschaft. Da gibt es noch die
„Vergessene Liab“ und die „Offene Liab“, die sich vor allem durch die Art der
Zopfmuster unterscheiden. Resi Bartl strickt solche Muster mit Leidenschaft.
„Das macht mir so viel Freude, dass ich nachts gar nicht mehr aufhören kann“,
sagt sie. Die Qualität ihrer Trachtenstrümpfe hat sich herumgesprochen. Ihre
Kunden kommen bis aus München. Längst
hat Resi Bartl auch die Übersicht darüber verloren, wie viele Muster sie
beherrscht.
Die Auswahl ist groß: In Bad Aibling wird ein Muster in Wellenform
„Nattern-Gangl“ genannt, und dann gibt es noch Strickmuster wie Windradl,
Zipflkappn, Zwetschgenkern oder Sauduttl.
„Ein Strumpf für einen Mann muss sieben Muster
haben“, sagt Resi Bartl. Warum? „Das weiß man nicht. Es ist halt ein Brauch, so
wie man einer Frau nur eine ungerade Zahl an Rosen schenkt.“ Besucher der Messe „Brauchtum,
Handwerk, Tracht“ erfahren bei den Ausstellern noch mehr Geheimnisse und
Bräuche.
Männer lassen sich in ihren
Ranzen zur Lederhose gerne den „Laufenden Hund“ sticken, weil er das Böse
fernhalten soll.
Wer lieber einen
Glücksbringer will, wählt eine Taube. Wer sich selbst im alten Handwerk
versuchen möchte, kann Froschmäuler in ein Dirndl nähen, oder am Webstuhl Hand
anlegen. Die Auswahl an Handwerkern ist groß: Buchbinder, Fahnensticker,
Hutmacher und Lebzelter sind ebenso vertreten wie Schuhmacher, Seiler und
Wildbartbinder. Viele der handgefertigten Produkte finden schnell einen Käufer.
Am Samstag und am Sonntag können die
Besucher auch Volkstänze lernen. Von 13:30 bis 15:30 Uhr führen fachkundige
Tanzwartinnen in die Kunst der Volkstänze ein. Für die musikalische Umrahmung
der Messe sorgen die Musikgruppen aus dem Bayerischen Inngau-Trachtenverband, dem Chiemgau Alpenverband und dem Gauverband I. Auch für das leibliche Wohl ist
mit Schmankerln aus der bayerischen Küche gesorgt.
Die Ausstellung „Brauchtum-Handwerk-Tracht“
ist am Samstag, 30. Oktober von 10:00 bis 18:00 Uhr, am 31. Oktober von 09:00
bis 18:00 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen 3 Euro Eintritt, Kinder bis 6 Jahre
sind frei, Begünstigte zahlen 1,50 Euro. Informationen gibt es auch im Internet
unter www.brauchtum-handwerk-tracht.de
Foto:
Resi Bartl strickt die „Brennade Liab“ mit Leidenschaft
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