Oberland: Ebersberg-Rosenheim | 23.11.2011
Kreisbrandrat Ruhsamer organisierte eine Informationsveranstaltung für Einsatzkräfte:
Wenn es nach Kreisbrandrat Sebastian Ruhsamer ginge, dann würde die digitale Funktechnik für die Rettungskräfte im Landkreis Rosenheim lieber heute als morgen eingeführt werden. Er spricht von einer einsatztaktischen Notwendigkeit, denn die Technik biete Riesenvorteile im Einsatz.
Ruhsamer weiß, dass er bei diesem sensiblen Thema Überzeugungsarbeit leisten muss. Er lud gestern Abend (17.11.11) alle Verantwortlichen der Landkreisfeuerwehren, aber auch die Vertreterinnen und Vertreter sämtlicher weiterer Rettungsorganisationen zu einer Informationsveranstaltung ein. Der Saal beim Hirzinger in Söllhuben war voll, als Wolfgang Poschen über die Alltagstauglichkeit des Tetra-Digitalfunks referierte. Poschen ist der verantwortliche Projektleiter für die Einführung des Digitalfunks bei der Berufsfeuerwehr in Essen. Dort wird seit 2007 digital gefunkt.
Die Technik der Zukunft
Es funktioniere so gut, dass er sich nicht mehr vorstellen könne, heute noch analog zu funken, sagte Poschen. In seinem eher technischen Vortrag informierte er über die Möglichkeiten der neuen Technik. Die in Bayern noch übliche analoge Technik bietet auf einer Frequenz einen Kanal, der lediglich ein Gespräch ermöglicht. Eine digitale Frequenz dagegen lässt in vier Funkkanälen vier Gespräche zeitgleich zu.
Die Gesprächqualität ist immer gleich. Im Unterschied zur analogen Technik gibt es kein Rauschen, kein Zischen und keine Schwankungen. Das gilt auch in Grenzbereichen. Über die Versorgungsqualität im digitalen Tetra-Funk kann jedes Bundesland selbst entscheiden. Das sei eine Frage des Geldes, sagte Poschen. In Nordrhein-Westfalen wurde die Versorgungskategorie zwei eingeführt. Das heißt, ein Sprechfunkgerät ist im Freien erreichbar, wenn es am Gürtel getragen wird.
Im Gebäude funktioniere es nicht, gab Poschen zu und bot gleich eine Lösung an. Die digitalen Sprechfunkgeräte können am Einsatzort ohne digitales Netz miteinander kommunizieren. So könne eine Funkverbindung zu den Einsatzkräften innerhalb und außerhalb eines Gebäudes hergestellt werden, so der Fachmann.
Damit Feuerwehr-, Polizei- oder Rettungskräfte, die innerhalb eines Gebäudes agieren und deshalb kein Netz zur Verfügung haben, trotzdem vorgesetzte Stellen wie die Leitstelle erreichen können, nutzen sie ein digitales Funkgerät außerhalb des Gebäudes. Über eine so genannte „Gateway-Funktion“ stellt es die Verbindung zum digitalen Netz her. Zudem gibt es noch eine „Repeater-Funktion“, die aus einem Funkgerät eine Art Zwischenverstärker macht und so die Reichweite erhöht.
Umstellung auf digitale Technik im Prozess
Aufgrund der Erfahrungen in anderen Bundesländern geht Poschen davon aus, dass die Umstellung von der analogen zur digitalen Technik Jahre dauern wird. Aus diesem Grund stellte er ein Tetra Cross Interface vor. Dieses Gerät sorgt dafür, dass die alten analogen Funkgeräte mit den neuen digitalen kommunizieren können.
Ein eigenes Thema war für den Referenten von der Berufsfeuerwehr Essen die Alarmierung. Er wisse, dass Bayern davon träume, über Tetra-Digitalfunk zu alarmieren. Poschen riet davon ab. Eine Alarmierung verursache einen so hohen Datentransfer, dass kein Gespräch mehr möglich sei. Außerdem gebe es für dieses System noch gar keine Meldeempfänger.
Stattdessen stellte er eine alternative digitale Alarmierungsmöglichkeit vor, die nicht das digitale Tetra-Funknetz für den Sprechfunk nutzt, absolut stabil funktioniert, ausgereift und sicher ist und nahezu bundesweit eingesetzt wird. Nur drei Bundesländer, darunter auch Bayern, alarmieren noch analog, der Rest digital. Damit der Datentransfer zwischen der alarmierenden Leitstelle und den Meldeempfängern funktioniert braucht es so genannte Digital Alarm Umsetzer. Sie haben die Größe eines Computers und kosten pro Stück zwischen 5.000 und 6.000 Euro.
Auf die Nachfrage aus dem Publikum, wie man die Ängste vor dem Tetra-Digitalfunk abbauen könne, meinte Poschen, er sei kein Strahlenexperte. Er habe mehrere Studien gelesen und halte die Bedenken größtenteils für unbegründet. Ein schnurloses Telefon erzeuge mehr Strahlung als jedes Handy oder digitale Funkgerät. Poschen ging auch auf diejenigen ein, die ihr Handy ständig am Körper tragen: Sie seien x-Mal gefährdeter als jemand, der an einem Digitalsendemasten vorbeigehe.
Der Essener Berufsfeuerwehrmann riet, sofort Geräte anzuschaffen und mit dem Üben anzufangen.
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