Seenland: Landsberg-Starnberg | 22.07.2010
Ingolf F. Brauner, Präsident des Bundes der Selbständigen (BDS) in Bayern und Geschäftsführer der COMED GmbH
Ingolf F. Brauner, Präsident des Bundes der Selbständigen
(BDS) in Bayern und Geschäftsführer der COMED GmbH in Landsberg am Lech,
ist
überzeugt von der Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft beim
Mittelstand in
der Region. „Die Betriebe zogen sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf“,
so seine
Analyse zur Bewältigung der zurückliegenden Wirtschafts- und
Finanzkrise.
B4BOBERBAYERN: Wie hat die
Region die Wirtschaftskrise gemeistert?
Brauner:
Rund 4.000 bayerische
Unternehmen und Selbständige mussten Insolvenz anmelden. Doch der Tiefpunkt
scheint durchschritten zu sein. Bereits im Winter kletterten der BDS
Geschäftsklima- und der Geschäftserwartungsindex auf ein Niveau, das wir seit
Jahren nicht mehr hatten.
B4BOBERBAYERN: Gibt es jetzt Zeichen des
Aufschwungs?
Brauner: Der Arbeitsmarkt ist
stabiler als von allen Experten erwartet. Der Export springt wieder an, der
Bedarf nach logistischen Dienstleistungen nimmt stetig zu.
B4BOBERBAYERN: Wo gab es Probleme?
Brauner: Die staatlichen
Konjunkturprogramme haben einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung geleistet.
Die allermeisten Betriebe haben sich allerdings am eigenen Schopf aus dem Sumpf
gezogen. Bayerns Wirtschaft ist so mittelstandsgeprägt wie in fast keinem
anderen Land der Welt. So schnell wirft uns nichts um.
B4BOBERBAYERN: Hat die Krise Veränderungen
bewirkt?
Brauner: Der Leidensdruck war groß,
da wurde vieles überprüft. Manche Dienstwagen fielen kleiner aus und
Leasingverträge wurde verlängert. Allerdings musste auch an Stellen gespart
werden, die für den langfristigen Unternehmenserfolg elementar sind: Der
Weiterbildung der Mitarbeiter.
B4BOBERBAYERN: Wie hat sich der Zusammenhalt in
der Region bewährt?
Brauner: Je globaler unsere Welt
wird, desto größer wird der Wunsch nach einer Heimat. Dieses gesellschaftliche
Phänomen lässt sich auch bei den Mittelständlern beobachten. Das BDS-Projekte
„Azubi-Akademie“ erfreut sich wachsender Beliebtheit. Für die teilnehmenden
Betriebe hat sich der regionale Zusammenhalt gelohnt. Ihre motivierten
Auszubildenden sind beim Wettbewerb um die klügsten Köpfe ein wichtiger Trumpf.
B4BOBERBAYERN: Mussten Sie Projekte einstellen
oder verzögern?
Brauner: Natürlich musste ich in
meinem eigenen Unternehmen - der COMED GmbH - auch auf die verzögerte
Projektvergabe unserer Kunden reagieren. Doch wir sind verhältnismäßig gut
durch die Krise gekommen und sind schon wieder auf der Suche nach Personal.
B4BOBERBAYERN: Wie ist die Situation bei den
Existenzgründern?
Brauner: In den ersten drei Monaten
dieses Jahres wurden deutschlandweit 233.000 Unternehmen gegründet, das sind
vier Prozent mehr als 2009. Allerdings lässt sich ein Trend hin zu
Nebenerwerbs- und Kleingründungen erkennen, die gehen bei Gegenwind leider oft
als erste vom Markt.
B4BOBERBAYERN: Gibt es Ansiedlungserfolge?
Brauner: Die Arbeit, die „Invest in
Bavaria“ als die Ansiedlungsagentur des Bayerischen Wirtschaftsministeriums
leistet, und der Service, den das Online-Standort-Informations-System Bayern
www.sisby.de
bietet, das auf einen Blick sämtliche Informationen zum Standort liefert, haben
hier solide Fundamente gelegt. In vielen Städten und Gemeinden ist die
Ansiedlungspolitik endlich angekommen und zur Chefsache geworden.