Seenland: Landsberg-Starnberg | 19.04.2010

DLR-Forschungsflugzeug Falcon 20 E
Welche
Auswirkungen hat die Aschewolke in der Atmosphäre, die der
isländische Vulkan Eyjafjallajökull über Europa gebracht hat? Dieser
Frage gingen Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und
Raumfahrt (DLR) auf den Grund. An Bord des DLR-Forschungsflugzeugs
"Dassault Falcon 20E" hat eine fünfköpfige Crew am Montag einen dreistündigen Forschungsflug absolviert.
Das Deutsche Zentrum für Luft- und
Raumfahrt (DLR) hat am 19. April 2010
einen erfolgreichen Messflug über Deutschland durchgeführt. Nach einer
Flugzeit von mehr als drei Stunden ist die Falcon 20.45 Uhr (MESZ) auf
Ihre Heimatbasis zurückgekehrt. Die Flugroute für diesen Messflug führte
von Oberpfaffenhofen nach Leipzig, dann über Hamburg nach Bilthoven
(Niederlande) und zurück über Stuttgart nach Oberpfaffenhofen.
Auf
dem Flug von Oberpfaffenhofen nach Norden wurde zuerst Leipzig
angesteuert. Dort hat die Falcon einen Abstieg bis auf circa zwei
Kilometer Höhe durchgeführt und ist dann wieder auf das Reiseflugniveau
aufgestiegen. Während des weiteren Fluges wurde in Höhen zwischen zwei
und zwölf Kilometern gemessen. Alle Messsysteme an Bord haben
einwandfrei funktioniert.
Das LIDAR zeigte Aschewolkenstrukturen
aus vertikalen Schichten. Diese Schichten lagen auf der Flugstrecke in
sehr unterschiedlichen Höhen. Die Aerosolmessungen deuten darauf hin,
dass in schon gealterten Vulkanasche-Wolken geflogen wurde. Zeitweilig
war während des Fluges eine bräunliche Wolkenfärbung zu sehen. Diese
Messungen erlauben einen Vergleich mit in Deutschland an meheren Stellen
durchgeführten bodengestützten Messungen.
Hintergrund
Die DLR-Wissenschaftler Dr. Bernadette Weinzierl und Dr. Oliver
Reitebuch sowie die DLR-Piloten Steffen Gemsa und Roland Welser und
Bordmechaniker Alexander Wolf sind mit dem DLR-Forschungsflieger "Falcon
20 E" vom Forschungsflughafen des DLR in Oberpfaffenhofen zu einem
Flug über Leipzig, Hamburg und die holländische Grenze entlang nach
Süden bis nach Frankfurt und Stuttgart gestartet. "Wir wollen die
Vulkanwolke nach Höhe, Ausdehnung und Zusammensetzung untersuchen und
insbesondere die Größe und Konzentration der Vulkanasche in
verschiedenen Flughöhen messen, die sich aus der Lava-Wolke des Vulkans
Eyjafjallajökull gebildet haben", fasst Prof. Dr. Ulrich Schumann,
Direktor des DLR-Instituts für Physik der Atmosphäre, das Ziel des
Messfluges zusammen. "Ein derartiger Messflug ist alles
andere als Routinearbeit"
"Wir haben am Wochenende die Messinstrumente für den ungewöhnlichen
Forschungsflug vorbereitet", berichtet DLR-Wissenschaftler Schumann. Das
Bundesverkehrsministerium und der Deutsche Wetterdienst unterstützen
den Einsatz und wollen weitere Messflüge beauftragen. Gemeinsam mit dem
Volcanic Ash Advisory Center in London nutzt der Wetterdienst die Daten
des DLR, um die Verteilung der Vulkanasche genau zu erfassen. Das
Luftfahrtbundesamt hat das Forschungsflugzeug mit den Messgeräten am
Montagmorgen zum Messflug freigegeben, die Deutsche Flugsicherung half
bei der Planung und Durchführung des Messflugs.
"Ein derartiger Messflug ist alles andere als Routinearbeit, und so
hoffen wir, dass es gelingt, verlässliche Daten für eine noch
umfangreichere Situationsbeurteilung zu erfassen", verdeutlicht Prof.
Dr. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR, den
besonderen Charakter dieses Einsatzes. Das DLR habe zwar eine komplette,
eigene Forschungsflugzeugflotte, die so genannten "special aircraft".
"Doch wie der Name schon sagt, sind dies Flugzeuge, die jeweils für ganz
bestimmte Aufgaben vorbereitet werden. Für die Untersuchung der
Atmosphäre mit Bezug auf Vulkanasche sind andere Messinstrumente an Bord
zu installieren als für Flüge zur Eiserkundung über Spitzbergen",
erläutert Prof. Wörner weiter.
Laserimpulse aus 10.000 Metern Höhe
Die wissenschaftlichen Instrumente der "Falcon" werden in der Kabine
und unterhalb der Tragflächen installiert. Die Messungen erfolgen durch
Lufteinlässe und optische Fenster am Dach und im Boden des Fliegers, wo
unter anderem das so genannte LIDAR (Light Detection And
Ranging)-Instrument eingesetzt ist. "Das LIDAR ist ein
Fernerkundungsinstrument, das aus 10.000 Metern Höhe Laserimpulse
aussendet und das von der Atmosphäre zurück gestreute Lichtsignal
empfängt. Daraus lassen sich beispielsweise Konzentrationsprofile von
Aerosolpartikeln ableiten", erklärt DLR-Atmosphärenforscher Ulrich
Schumann.
Forschungsflugzeug
Falcon des DLR
Im Vergleich zu Satelliten, die Informationen über die horizontale
Verteilung der Aschewolke geben können, ermöglichen die LIDAR-Daten auch
Rückschlüsse auf die vertikale Struktur der Aschewolke: Das gemessene
Lichtsignal ist ein Maß für die Anzahl und Größe der Ascheteilchen. Mit
einem zweiten Messgerät können die Aerosole, also die Staubpartikel in
der Aschewolke, nach Größe und Anzahl sowie optischen Eigenschaften
vermessen werden. Dazu arbeiten die DLR-Wissenschaftler an Bord der
Falcon mit einer Batterie von zehn Detektionsmethoden. Das
Aerosol-Prinzip basiert auf der Ansaugung von Luft - dazu muss die
"Falcon" tatsächlich für kurze Zeit in die Vulkan-Wolke hineinfliegen.
Das DLR-Forschungsflugzeug "Falcon 20 E" ist seit 1976 im Einsatz und
eine der wichtigsten Plattformen deutscher und europäischer
flugzeugbasierter Atmosphärenforschung. Das fliegende Labor für Umwelt-
und Klimaforschung fliegt höher als die meisten Verkehrsflugzeuge, ist
äußerst robust und wendig und erlaubt beispielsweise Messungen in der
Nähe von Gewittern oder in nur 30 Metern Entfernung hinter den
Triebwerken eines Verkehrsflugzeugs. Die Gipfelhöhe der Falcon reicht
aus, um in mittleren Breiten die untere Stratosphäre zu erreichen, die
in den vergangenen Jahren vor allem mit dem Abbau des Ozons im
Blickpunkt der Forschung steht.
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