Seenland: Landsberg-Starnberg | 20.01.2010

Schadenbewertungskarte: Port-au-Prince nach dem Erdbeben (Foto: DLR)
Nach dem verheerenden Erdbeben auf Haiti brauchen die
Hilfsorganisationen für ihren Einsatz im Katastrophengebiet zeitnah
gesicherte und aussagekräftige Informationen zur Situation vor Ort, zum
Zustand der Infrastruktur und zum Ausmaß der Schäden. Wissenschaftler
des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) leisten hier
grundlegende Arbeit: Sie stellen aktuelles, aus Satellitendaten
gewonnenes Kartenmaterial der Krisenregion frei zur Verfügung. Momentan
ist Port-au-Prince, die von der Zerstörung besonders betroffene
Hauptstadt des Inselstaates in der Karibik, im Fokus der Forscher.
Der Geograph und DLR-Wissenschaftler Dr. Tobias Schneiderhan
koordiniert die Arbeit des Zentrums für satellitengestützte
Kriseninformation (ZKI) im Katastrophenfall "Haiti". Das ZKI ist unter
dem Dach des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums in Oberpfaffenhofen
Teil des DLR. Das Zentrum ist im Auftrag des DLR an der "International
Charter on Space and Major Disasters" beteiligt, einer wichtigen
Initiative von Raumfahrtagenturen im Kontext von Naturkatastrophen. Für
Krisenlagen in Deutschland, aber auch weltweit, stellt das ZKI im
Rahmen dieser Charter Satellitenbilddaten, speziell des vom DLR
entwickelten und betriebenen Radarsatelliten TerraSAR-X, zur Verfügung,
wertet Satellitendaten aus und nimmt weitere Funktionen wie die des
koordinierenden Projektmanagers wahr.
Ein Überblick für die internationalen Hilfsorganisationen
"Schon kurz nach dem Erdbeben, das sich um 21.53 Uhr Weltzeit (16.53
Uhr Ortszeit) am 12. Januar 2010 ereignete, lösten die Vereinten
Nationen (UN) den so genannten 'Charter Call' aus", berichtet Dr.
Schneiderhan. In Deutschland werden die dann für diesen Fall
hergestellten, satellitenbasierten Karten beispielsweise vom
Gemeinschaftlichen Melde- und Lagezentrum beim Bundesamt für
Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe abgefragt. Von hier erreichen
die Informationen dann unter anderem Hilfsorganisationen wie das
Technische Hilfswerk oder das Deutsche Rote Kreuz. Diese erste
Lageeinschätzung unterstützt Bergungsteams bei ihrer Arbeit, hilft aber
auch bei der Suche nach geeigneten Plätzen zur Installation von
Wasseraufbereitungsanlagen oder mobilen Krankenhäusern. Auf
Europäischer Ebene werden die ZKI-Produkte im "Monitoring and
Information Center" (MIC) in Brüssel verwendet.
"Bei dem Erdbeben auf Haiti handelt es sich um eine sehr komplexe
Situation mit einem extrem hohen Schaden und sehr vielen betroffenen
Menschen", verdeutlicht Dr. Schneiderhan. Um den nationalen und
internationalen Hilfsorganisationen einen Überblick über Qualität und
Quantität der zerstörten Infrastruktur zu geben, haben in den
vergangenen Tagen rund 25 DLR-Wissenschaftler im Mehr-Schicht-Betrieb
an der Sammlung, Verarbeitung und Analyse von Radar- und optischen
Daten gearbeitet. "Wir müssen möglichst schnell möglichst hoch
aufgelöste Rohdaten prozessieren und als allgemein verständliches
Kartenmaterial zur Verfügung stellen, damit die Helfer im
Katastrophengebiet wissen, wo überhaupt noch Straßen befahrbar sind, wo
Häuser stehen, wo Freiflächen wie etwa große Parkplätze oder Stadien
sind, die beispielsweise für Soforthilfe-Einrichtungen genutzt werden
können", erklärt DLR-Wissenschaftler Schneiderhan.
Vorher-Nachher-Vergleichskarten
Einer schnellen Referenzkarte, die einen Überblick über das
Straßennetz sowie wichtige Gebäude und Einrichtungen wie den Flughafen
im Zustand vor dem Erdbeben gibt, haben die DLR-Forscher am späten
Freitagabend eine aktuelle Karte mit Angaben zum Zustand der
Infrastruktur nach der Katastrophe hinzugefügt. Neben dieser
Gesamtansicht können sich Nutzer über die Internetseite des ZKI auch
Ausschnitte der Gesamtkarten herunterladen, die einzelne Kacheln im
Detail zeigen.
Das ZKI ist ein Service des Deutschen Fernerkundungsdatenzentrums
des DLR. Seine Aufgabe ist die schnelle Beschaffung, Aufbereitung und
Analyse von Satellitendaten bei Natur- und Umweltkatastrophen, für
humanitäre Hilfsaktivitäten und für die zivile Sicherheit. Die
Auswertung erfolgt nach den spezifischen Bedürfnissen für nationale und
internationale Institutionen sowie Hilfsorganisationen
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