Seenland: Landsberg-Starnberg | 09.06.2010

SpaceJustin - der Serviceroboter im All (Foto: DLR)
Ein
Serviceroboter, der im Weltall und auf der Erde eingesetzt werden
kann, das erste Flugzeug, das mit der Brennstoffzelle startet und
Forschungsflugzeuge, die unsere Atmosphäre analysieren - das Deutsche
Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) präsentiert Neuheiten und
Ergebnisse aus der Spitzenforschung auf der Internationalen Luft- und
Raumfahrtausstellung (ILA) in Berlin.
Das Forschungszentrum gehört auch
2010 zu den größten Ausstellern - 600 Quadratmeter Standfläche in Halle
9, zwölf Exponate im Space Pavilion sowie sechs Flugzeuge und
Hubschrauber aus der größten Forschungsflotte Europas.
"Das DLR leistet durch seine Bandbreite von der Grundlagenforschung
bis zur Produktentwicklung und durch seine strategische Steuerung und
Verantwortung für das nationale und europäische Raumfahrtmanagement
Deutschlands wichtige Beiträge zur Lösung globaler Herausforderungen",
sagt Prof. Johann-Dietrich Wörner, Vorstandsvorsitzender des DLR. "Mit
den Einsätzen unseres Forschungsflugzeuges Falcon zur Erkundung der
Vulkan-Aschewolke konnten wir beweisen, dass wir sehr schnell und
flexibel auf Herausforderungen reagieren können. Das Jahr 2010 wird für
das DLR entscheidende Weichenstellungen mit sich bringen. Nicht nur,
dass der Beginn wichtiger Missionen bevorsteht, auch die Anforderungen
an die Grundlagenforschung beim Bewältigen aktueller Probleme werden
wachsen", so Wörner weiter.
Technologien für morgen – ausgestellt
auf dem DLR-Stand und in der Raumfahrthalle
Als verlängerter Arm des Menschen im All werden intelligente Roboter
die Zukunft der Raumfahrt immer mehr bestimmen. Der im DLR entwickelte
Roboter SpaceJustin kann Aufgaben im All und auf der Erde übernehmen.
Durch seine 5-Finger-Hände kann er ähnlich wie ein Mensch agieren. Eine
Mensch-System-Schnittstelle erfasst die Bewegung der Arme, Finger sowie
des Kopfes des Operators und leitet diese als Befehle an den Roboter.
Durch sein "Augenpaar" kann SpaceJustin sich selbst ein
dreidimensionales Bild seiner Umgebung machen und an den Operator
übermitteln.
Der Roboter ist auf der ILA in der Raumfahrthalle zu sehen.
Das DLR wird seine weltweite
Spitzenposition in der Robotik noch weiter ausbauen, im Jahr 2010
fließen bereits umfangreiche Investitionen in das neue Robotik und
Mechatronik-Zentrum (RMC) des DLR. Insgesamt werden am DLR-Standort
Oberpfaffenhofen rund 120 Millionen Euro investiert, um die Zukunft
dieses Technologiebereiches in Deutschland zu sichern. Auf der
international bedeutendsten Roboter-Messe Automatica, die parallel zur
ILA in München stattfindet, werden vor allem die anwendungsnahen
Ergebnisse der Leichtbau-Roboterentwicklung des DLR präsentiert.
Besonderes Augenmerk liegt hier auf dem Einsatz sogenannter
Produktionsassistenten in Fertigungsstraßen oder im medizinischen
Bereich wie der Chirurgierobotik und Prothetik (z.B. Kunstherz). Auch
innovative Fahrzeugtechnologien und so genannter Flugroboter werden
vorgestellt.
Brennstoffzelle und alternative
Treibstoffe in der Luftfahrt
Zum ersten Mal fliegt die Antares DLR-H2 auf der ILA in Berlin. Der
Motorsegler ist das weltweit erste ausschließlich mit Brennstoffzellen
startfähige Flugzeug. Das über mehrere Jahre laufende Projekt beweist
eine neue Qualität auf dem Gebiet der hocheffizienten, emissionsfreien
Energiewandlung: Durch den Brennstoffzellenantrieb von Antares DLR-H2
sind Start, Flug und Landung völlig CO2-frei. Als Kraftstoff kommt
Wasserstoff zum Einsatz, der in einer direkten elektrochemischen
Reaktion mit dem Sauerstoff der Luft ohne Verbrennung in elektrische
Energie umgewandelt wird. Während dieser partikelfreien Reaktion
entsteht als Reaktionsprodukt ausschließlich Wasser.
Zu erheblichen Treibstoffeinsparungen kann eine weitere neue
Technologie des DLR führen: Wissenschaftler haben einen elektrischen
Bugradantrieb für Verkehrsflugzeuge entwickelt, der durch eine
Brennstoffzelle mit Energie versorgt wird. Damit lassen sich beim Rollen
am Boden sowohl Lärm als auch Schadstoffemissionen minimieren.
Dass die zukünftigen Treibstoffe in Hinblick auf Umweltfreundlichkeit
und Zuverlässigkeit dem Kerosin sogar überlegen sein können, hat ein
erster kommerzieller Linienflug mit einer 50-prozentigen Beimischung des
synthetischen Gas-to-Liquid (GtL) Treibstoffs zum Kerosin bereits 2009
gezeigt. Das Exponat GtL am Stand in Halle 9 zeigt einen
Demonstrationsbrenner für flüssige Treibstoffe.
Erkundung der Atmosphäre:
Forschungsflugzeuge HALO und Falcon
Die DLR-Flugbetriebe betreiben die größte zivile Flotte von
Forschungsflugzeugen in Europa. Stationiert sind die Flugzeuge und
Hubschrauber an den DLR-Standorten in Braunschweig und in
Oberpfaffenhofen bei München.
Zu den sechs auf der ILA Berlin ausgestellten Flugzeugen aus der
Forschungsflotte gehört die Dassault Falcon 20E "D-CMET". Das Flugzeug
ist für den Forschungseinsatz beim DLR stark modifiziert worden und wird
hauptsächlich zur Atmosphärenforschung eingesetzt. Seit dem 19. April
2010 war die Falcon im Rahmen der "Volcano Ash Hunter"-Mission im
europäischen Luftraum im Einsatz. Bei den insgesamt 18 Flügen wurden
wichtige Daten über die Verteilung der Aschewolke ermittelt. Damit hat
das DLR einen wichtigen Beitrag zur Beurteilung und Analyse der
Situation in der Atmosphäre geliefert.
Mit dem DLR-Forschungsflugzeug G550 HALO (High Altitude and Long
Range Research Aircraft) steht den Forschern ein neues Werkzeug in der
Atmosphärenforschung und Erdbeobachtung zur Verfügung. Die Kombination
aus Reichweite, Flughöhe, Nutzlast und umfangreicher Instrumentierung
macht das Flugzeug zu einer weltweit einzigartigen Forschungsplattform.
Mit HALO sind erstmals Messungen auf allen Breiten der Erde sowie in
Höhen bis zur unteren Stratosphäre möglich.
Leichte und intelligente Materialien in
Flugzeug-Tragflächen
Einen zukunftsweisenden Schritt in der CFK-Bauweise im Projekt SLAT
zeigt das DLR mit der Ausstellung eines Abschnitts eines
A340-600-Vorflügels aus Thermoplastmaterial mit integrierter Enteisung.
Die Vorderkanten des Flügels (engl.: Slat) sind besonderen Belastungen
ausgesetzt; sie müssen einem Vogelschlag widerstehen und dürfen zudem
nicht vereisen. DLR-Wissenschaftler haben daher ein
kohlenfaserverstärktes Poly-Ether-Ether-Keton (CF-PEEK) verwendet, das
nachgiebiger als andere Kunststoffe ist. Zusätzlich konnte so das
Gewicht des Flügels um rund 20 Prozent reduziert werden. Um dem Problem
der Vereisung entgegenzutreten, haben die Partner ein
elektro-thermisches Heizelement entwickelt.
Schnelle Hilfe im Katastrophenfall
Effektive Unterstützung bei Katastropheneinsätzen bietet das Lage-
und Führungssystem Disaster Management Tool (DMT). Das DMT liefert
hochauflösende Luftbilder, die mit Themenkarten überlagert werden und
ortsbezogene Informationen wie beispielsweise Schadensorte oder
Standorte von Ressourcen visualisieren und dokumentieren. Das DLR
verbindet mit dem DMT die drei Kernfelder Kommunikation, Navigation und
satellitengestützte Erdbeobachtung zu einer integrierten Lösung.
Foto: Als verlängerter Arm des Menschen im All sollen intelligente Roboter
die Zukunft der Raumfahrt nachhaltig mitgestalten. Der Roboter Justin des DLR ist ein Serviceroboter, dessen Einsatz nicht
nur auf die Erde beschränkt ist, sondern der auch im Orbit operieren
kann. Durch seine zwei Fünf-Finger-Hände kann SpaceJustin
menschenähnlich agieren. Dabei kommandiert der Operator die Bewegung der
Arme, Finger sowie des Kopfes durch eine haptische
Mensch-System-Schnittstelle, die umgekehrt dem Operator die Kraft- und
Bewegungsinformation des Roboters darstellt.
Durch SpaceJustins "Augenpaar" kann dieser sich selbst ein
dreidimensionales Bild seiner Umgebung machen und dem Operator dieses
übermitteln. Der steuernde Mensch fühlt sich durch diese multimodale
Kopplung in der entfernten Umgebung "präsent". Mit dieser
Telepräsenztechnologie ist SpaceJustin in der Lage, komplexe
Reparaturaufgaben im Orbit durchzuführen und die Astronauten zu
entlasten.
Bild: DLRzurück drucken versenden verlinkenArtikel verlinken
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