DLR-Erdbeobachtungszentrum EOC

Wirtschaftsminister Brüderle eröffnet Fernerkundungs-Zentrum

Seenland: Landsberg-Starnberg | 21.07.2010

Geländemodell aus Satellitendaten (Bild: DLR)
Geländemodell aus Satellitendaten (Bild: DLR)

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle hat das Erdbeobachtungszentrum (EOC) des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen eröffnet. In dem neuen Gebäudekomplex wird das DLR-Institutscluster Angewandte Fernerkundung als zentrale Einrichtung für Erdbeobachtung in Deutschland operieren

Aufgabe des Erdbeobachtungszentrums ist die Erstellung, Verarbeitung und Distribution von Satellitendaten - etwa zur Beobachtung von Klimaveränderungen und Umweltbelastungen oder zur Unterstützung bei Naturkatastrophen.

Neben Bundeswirtschaftsminister Brüderle nahmen der bayerische Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technolgie, Martin Zeil, der DLR-Vorstandsvorsitzende Professor Dr. Johann-Dietrich Wörner sowie weitere Gäste, darunter der Generaldirektor der Europäischen Weltraumagentur ESA, Jean-Jacques Dordain, an der Eröffnung des EOC teil.

Minister Brüderle enthüllte die Gebäudeinschrift und betonte: "Für Deutschland sind Innovation und technischer Fortschritt lebensnotwendig. Hier in Oberpfaffenhofen wird für unsere Zukunft geforscht. Die Erdbeobachtung durch Satelliten ist eine Schlüsseltechnologie nicht nur für staatliche Entscheidungsträger und Wirtschaft, sondern Daseinsvorsorge für uns alle. Die Erdbeobachtung ist zusammen mit anderen Bereichen angewandter Raumfahrt wie Navigation, Telekommunikation und Robotik Kernelement der deutschen Raumfahrtpolitik. Für all dies steht das bayerische Oberpfaffenhofen.

"Das DLR hat sich für Deutschland frühzeitig mit der Thematik befasst und verfügt daher bereits über mehr als 30 Jahre Erfahrung in der satellitengestützten Erdbeobachtung", erläuterte Prof. Wörner. "Mit dem EOC schafft das DLR eine effziente Einrichtung, um Daten aktuell und auf höchstem Niveau bereitzustellen. Die daraus gewonnenen Informationen bilden die Grundlage für planerische Aufgaben - von der Stadtentwicklung auf kommunaler Ebene bis hin zu Fragen des globalen Klimawandels auf internationaler Entscheidungsebene", sagte der DLR-Vorstandsvorsitzende weiter.

Zugleich verzeichnet die Industrie einen steigenden Bedarf an Geoinformationen: Telekommunikation, Touristik oder Versicherungen gehören zu den Branchen, die bereits auf hochwertige und speziell weiterentwickelte Informationsprodukte angewiesen sind. Auch Dienste wie Google Earth nutzen letztlich Satellitendaten und Informationen, die über die Empfangsantennen und die Systeme des DLR-Clusters gelaufen sind. Im neuen EOC versammelt das DLR seine Kompetenzen nun unter einem gemeinsamen Dach. Das Aufgabenportfolio, das in diesem Zentrum abgedeckt wird, ist in Europa einmalig.
DLR-Institutscluster Angewandte Fernerkundung
Das Cluster Angewandte Fernerkundung, das im Erdbeobachtungszentrum EOC seine neue Heimat findet, besteht aus zwei DLR-Instituten:
  • Die betrieblichen Aufgaben der Erdbeobachtung und die Entwicklung von geowissenschaftlichen Anwendungen liegen beim Deutschen Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) des DLR. Es betreibt weltweit Empfangseinrichtungen und Nutzer-Services, wie das Zentrum für satellitengestützte Kriseninformation (ZKI) und das Weltdatenzentrum für Fernerkundung der Atmosphäre (WDC-RSAT). Weiter wird im DFD das Deutsche Satellitendatenarchiv betrieben. Dort werden unter anderem die Daten der im Juni 2010 gestarteten Satellitenmission TanDEM-X (TerraSAR-X-Add-on for Digital Elevation Measurements) zur dreidimensionalen Vermessung der Erdoberfläche gesammelt. Allein durch diese Mission wird eine Datenmenge von etwa 1,5 Petabyte erzeugt - das entspricht einem DVD-Turm von 430 Metern Höhe.
  • Die Schwerpunkte des DLR-Instituts für Methodik der Fernerkundung (IMF) liegen im wissenschaftlichen Bereich. Mit der Entwicklung von innovativen Algorithmen ermöglichen die DLR-Wissenschaftler die gezielte Gewinnung von Informationen aus dem eingehenden, hochkomplexen Datenstrom. Mathematik, Physik und Informatik sind auch die entscheidenden Pfeiler bei der Bildverarbeitung, bei der Erzeugung und bei der Weiterentwicklung von Produkten. Anhand hier entwickelter Verfahren entsteht zum Beispiel aus den Daten der Satellitenmission TanDEM-X ein globales digitales Höhenmodell, das mit einer Mindestgenauigkeit von zwei Metern höchsten Ansprüchen genügt.
Das DLR-Institut für Methodik der Fernerkundung und das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum des DLR sind in ihrem Tätigkeitsbereich deutschlandweit führend und beteiligen sich gemeinsam an Missionen der Europäischen Weltraumorganisation ESA. In Oberpfaffenhofen zählen rund 300 Mitarbeiter zu dem Institutscluster Angewandte Fernerkundung, das durch weitere knapp 50 Mitarbeiter an den DLR-Standorten Berlin-Adlershof und Neustrelitz erweitert wird. Das Direktorium bilden Professor Dr. Richard Bamler, Direktor des IMF, und Professor Dr. Stefan Dech, Direktor des DFD. Es hat seinen Sitz ab dem 20. Juli 2010 im neuen Erdbeobachtungszentrum EOC.

Foto: Geländemodell aus Satellitendaten - Das Bild wurde aus Satellitendaten erstellt. Das DLR-Institut für Methodik der Fernerkundung, das zu dem Cluster Angewandte Fernerkundung gehört, entwickelt die dafür notwendigen Algorithmen. Das Cluster hat seinen Sitz im neuen DLR-Earth Observation Center (EOC) in Oberpfaffenhofen. Quelle: DLR
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