München Stadt/ München Land | 22.04.2010

TU-Forscher: Bio-Chip erkennt Krankheiten
Bei der
Bekämpfung von Krankheiten wie Krebs könnte der präzise
Nachweis bestimmter Eiweiße einen neuen Weg zur gezielten Bekämpfung
weisen. Wissenschaftler des Walter Schottky Instituts (WSI) der
Technischen Universität München (TUM) haben zusammen mit dem
japanischen Unternehmen Fujitsu Laboratories Ltd. einen neuartigen
Bio-Chip entwickelt, der nicht nur für bestimmte Krankheiten
charakteristische Eiweiße erkennt, sondern auch sagen kann, ob diese
durch den Einfluss der Krankheit oder von Medikamenten verändert wurden.
Das Immunsystem des
menschlichen Körpers erkennt Krankheitserreger an bestimmten Proteinen
auf deren Oberfläche. Dieses Erkennungsprinzip lässt sich an vielen
Stellen in der Biologie wiederfinden, auch in der Medizin wird es
bereits bei Tests genutzt. Nachteil vieler Labortests: Es werden
relativ große Probenmengen benötigt, viele Probleme können damit nicht
untersucht werden. Bei anderen Tests müssen die zu erkennenden Eiweiße
erst mit Reagenzien chemisch verändert werden. Das braucht Zeit und gut
ausgebildetes Laborpersonal. Nun haben Wissenschaftler des Walter
Schottky Instituts der TU München einen Bio-Sensor entwickelt, der für
bestimmte Krankheitsbilder charakteristische Proteine hundertmal
empfindlicher erkennt als bisherige Tests.
Der Bio-Chip trägt künstlich hergestellte Erbgut-Moleküle (DNA). In
wässriger Lösung sind diese Moleküle negativ geladen. In einem
elektrischen Wechselfeld schwingen die langen DNA-Moleküle daher
ständig hin und her. An der Spitze der Moleküle ist außerdem ein
fluoreszierender Farbstoff angebracht, der hell leuchtet, wenn die
DNA-Moleküle abgestoßen werden und schwach, wenn sie wieder angezogen
werden. Ganz oben auf die Spitze setzten die Wissenschaftler dann
Moleküle, die genau zu dem zu erkennenden Protein passen – wie ein
Schlüssel zum Schloss. Ist das zu erkennende Eiweiß vorhanden, so
bindet es an das Schlüsselmolekül. Weil dadurch der Faden wesentlich
schwerer wird, schwingt dieser deutlich langsamer. Da auch Form und
Größe des Proteins die Schwingung behindern, kann man aus den
Schwingungsmessungen sehr genau ableiten, ob das gesuchte Protein
vorhanden ist.
Als einziger kann dieser Bio-Chip nicht nur feststellen, in welcher
Konzentration das gesuchte Protein vorhanden ist sondern auch, ob es
durch die Krankheit oder den Einfluss eines Medikaments verändert
wurde. Zur Zeit setzen die Wissenschaftler einen Chip ein, der 24
verschiedene Eiweiße parallel analysieren kann. „Die Möglichkeit viele
Proteine gleichzeitig auf einem Chip bezüglich mehrerer Parameter zu
analysieren stellt einen bedeutenden Fortschritt dar“, sagt Dr. Ulrich
Rant, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Gerhard
Abstreiter und Kopf des Projekts. Wichtige Anwendungsbereiche für die
von den Wissenschaftlern „switchSENSE“ getaufte Methode finden sich in
der medizinischen Diagnostik und der Arzneimittelentwicklung in der
Pharmaindustrie. Später könnte es als einfaches und schnelles
Analysegerät auch in Arztpraxen stehen und dort Infektionskrankheiten
erkennen.
In einer Ausgründung wollen Rant und sein Team nun ihre Entwicklung
vermarkten, unterstützt von der TU München und dem Kooperationspartner
Fujitsu Laboratories Ltd.. Weitere Unterstützung erhalten sie aus dem
Forschungstransferprogramm EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Technologie. Auch beim Businessplan Wettbewerb „Science4Life“ und
beim Münchener Businessplan Wettbewerb waren sie in der ersten Stufe
erfolgreich. Ziel der weiteren Entwicklung ist die Fertigstellung eines
seriennahen Prototyps bis Ende dieses Jahres und die Zusammenarbeit mit
Pilotkunden aus der Biotech- oder Pharmabranche.
Die Forschungsarbeiten werden seitens der TU München unterstützt aus
Mitteln der International Graduate School of Science and Engineering
(IGSSE). Ulrich Rant ist ein Carl von Linde Junior Fellow des Institute
for Advanced Study der TU München. Eine weitere Doktorandenstelle wird
über die International Graduate School of Materials Science of Complex
Interfaces (CompInt) finanziert.
Foto: Dr. Jens Niemax, Ralf Strasser, Dr. Kenji Arinage, Dr. Ulrich Rant (v.l.n.r.) haben in Kooperation mit der japanischen Firma Fujitsu am Walter Schottky Institut der TU München einen neuen Bio-Chip entwickelt, der Proteine erkennen kann und so die Diagnose von Krankheiten erheblich verbessern könnte. (Foto: TU München)
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