Interview: „Ricky“ Steinberg

Familie, Fest und Blasmusik - eine Wiesn wie jede andere?

München Stadt/ München Land | 15.09.2010

Friedrich „Ricky“ Steinberg (rechts) im Wiesn-Interview
Friedrich „Ricky“ Steinberg (rechts) im Wiesn-Interview

Friedrich „Ricky“ Steinberg ist der Juniorchef des Hofbräu-Zeltes auf dem Münchner Oktoberfest. Sein Vater Günter Steinberg (links im Bild) und seine Mutter Margot, Tochter des Wienerwald-Gründers Friedrich Jahn, führen das zweitgrößte Zelt der Wiesn seit 1980. 30 Jahre Familie Steinberg auf dem Oktoberfest und 200 Jahre Jubiläum des weltgrößten Volksfests war B4B OBERBAYERN vor dem Anstich Grund genug, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und mit Ricky Steinberg zu sprechen.

B4B: Rauchen ist das große Thema auf der Wiesn 2010. Wie geht das Hofbräu-Zelt damit um?

Steinberg: Wir begegnen dem Ganzen mit von dem Karrikaturisten Dieter Hanitzsch gezeichneten Plakaten und Buttons, die unsere Bedienungen tragen. Darauf wird freundlich auf das Rauchverbot hingewiesen. Wenn sich jemand allerdings nachhaltig weigert, seinen Glimmstängel auszumachen, wird diese Person und seine gesamte Begleitung nicht mehr bedient. Wir gehen davon aus, dass dies genug Wirkung zeigt.

B4B: Christoph Scholder hat mit seinem Thriller „Oktoberfest“ bei einigen Verantwortlichen des Festes eine Woge der Empörung ausgelöst. Wie stehen Sie als Wiesn-Wirt zu diesem Buch?

Steinberg: Leider hatte ich noch keine Gelegenheit das Buch zu lesen. Als Wirt gefällt mir dieses Horror-Szenario nicht. Ich muss aber dazu sagen, dass so etwas in diesem Maße nicht passieren kann, da wir alle unsere Handwerker mit Namen kennen und der Aufbau entsprechend begleitet wird. Meldungen wie im letzten Jahr, als es Terrorwarnungen für das Oktoberfest gegeben hat, treffen uns allerdings viel mehr. Wir spürten in der zweiten Woche einen erheblichen Einbruch des Geschäftes, obwohl das Wetter traumhaft war.

B4B: Das Oktoberfest feiert dieses Jahr das 200. Bestehen. Ist diese Wiesn etwas Besonderes für Sie?

Steinberg: Es ist für uns eine Wiesn wie jede andere. Wir freuen uns aber sehr auf Montag, den 4. Oktober. Denn das wird ein Tag für die Münchner und die Anwohner der Umgebung sein. Die meisten Gäste sind bis dahin abgereist und somit ist das Oktoberfest an diesem Verlängerungstag nicht mehr ganz so voll.

B4B: Wie verbindet das Hofbräu-Zelt Tradition und Moderne?

Steinberg: Wir legen sehr viel Wert auf Tradition und neben herzlicher bayrischer Gastlichkeit drückt sich das auch bei der Musik aus. Wir haben eine echte Blaskapelle und keine Party-Band. Bis 18 oder auch manchmal 19 Uhr spielt diese Kapelle ausschließlich Blasmusik und dreht erst nachher auf.

B4B: Ihr Großvater ist Friedrich Jahn, Gründer der Wienerwald-Restaurants. Welche Rolle spielt das Hendl in Ihrem Zelt?

Steinberg: Eine sehr große Rolle. Wir beziehen jeden die Tag die fertig mit unserer Spezialmischung aus Salz und Paprika gewürzten Hendl vom Astenhof in Thüringen. Der Griller hat dann einen sehr verantwortungsvollen Job. Er muss aufpassen, dass die Haut nicht verbrennt, das Hendl trotzdem schön knusprig wird und außerdem das Fleisch schön saftig bleibt. 80.000 Hendl werden bei uns jedes Jahr verzehrt, rund 40 Prozent aller Speisen.

B4B: Vor 15 Jahren übernahm Ihre Familie den Hofbräukeller in Haidhausen. Was war der Grund für diesen Schritt?

Steinberg: Der Hofbräukeller hatte bis zu diesem Zeitpunkt praktisch jedes Jahr einen Pächterwechsel. So war die Brauerei auf der Suche nach einem Wirt, der dieses Traditionsgaststätte wieder zu einem rentablen Betrieb verwandelt. Mit leichtem Druck, den Vertrag auf dem Oktoberfest nicht mehr verlängert zu bekommen, wurden wir in diese Rolle gepresst. Fast acht Jahre hat es dann gedauert, dass der Hofbräukeller Gewinn abwirft. Vorher mussten wir diese Gaststätte mit dem Ertrag aus dem Oktoberfest stützen.

B4B: Herr Steinberg, Ihr Betrieb ist ein mittelständisches Unternehmen. Sie beschäftigen alleine im Hofbräukeller 75 Mitarbeiter. Wie viele sind es denn auf dem Oktoberfest?

Steinberg: Der größte Posten sind die Bedienungen. 250 dienstbare Geister sind im Zelt tätig, um Hunger und Durst zu stillen. In der Küche arbeiten 20 Köche, 12 Schank-Kellner sorgen für den Biernachschub, 80 Menschen für die Sicherheit, 50 Personen sind als Hilfskräfte unterwegs und 10 Büroangestellte kümmern sich um Reservierungen und sonstige Anfragen.

B4B: Eine letzte Frage, Herr Steinberg, was kostet der Auf- und Abbau und die Einlagerung des gesamten Zeltes?

Steinberg: 1,2 Millionen Euro müssen Jahr für Jahr dafür investiert werden. Dies wird allerdings von der Brauerei übernommen und mit dem Bierpreis verrechnet, den wir bezahlen müssen.

Interview von Dietmar Stanka

Mehr Infos zum Hofbräu-Zelt: www.hb-festzelt.de

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