München Stadt/ München Land | 16.01.2010
Die
Folgen des Klimawandels stellen die Mittelmeeranrainer vor große
Herausforderungen. Vor allem die Verfügbarkeit und die Qualität von
Wasser bereitet jetzt schon vielen Staaten große Probleme. Hier
setzt das durch die EU finanzierte Umweltprojekt „Climate Induced
Changes on the Hydrology of Mediterranean Basins“ (CLIMB) an, das jetzt seine Arbeit aufnimmt. Insgesamt 19 Institutionen
aus neun Ländern sind an dem Projekt beteiligt, das von Professor Ralf
Ludwig, Department für Geographie der Ludwig-Maximilians-Universität
(LMU) München, geleitet wird; das Projektmanagement liegt bei der
Bayerischen Forschungsallianz (BayFOR) unter der Leitung von Dr. Thomas
Ammerl.
Die Sicherung der Wasserressourcen im Mittelmeerraum ist akut
bedroht: Dürreperioden, Fluten, die Versalzung des küstennahen
Grundwassers sowie die zunehmende Landdegradation sind nur einige der
Gefahren, durch die der fortschreitende Klimawandel zu politischen
Konflikten und wirtschaftlichen Verteilungskämpfen in den betroffenen
Regionen führen kann. Gefordert ist deshalb ein nachhaltiger Umgang mit
den vorhandenen Wasserressourcen. Derzeit fehlen Analysemodelle und
effektive Kontrollsysteme, mit denen die durch den Klimawandel
forcierten hydrologischen Veränderungen erfasst und bewertet werden
können. Die bislang verfügbaren Projektionen sind sehr unsicher und
basieren auf Daten aus globalen und regionalen Klimamodellen, die nicht
einfach übertragbar sind.
CLIMB möchte hier methodische Lücken
schließen. Das Projekt will Feldmessmethoden verbessern,
Fernerkundungstechniken weiterentwickeln und damit hydrologische
Modellierungen sowie die Analyse sozio-ökonomischer Faktoren in einen
neuen konzeptionellen Rahmen einbinden. So sollen bestehende
Unsicherheiten bei der Analyse der Auswirkungen des Klimawandels
reduziert werden. Ziel ist es, ein Risikobewertungsinstrument zu
schaffen, mit dessen Hilfe die Verteilung der Wasserressourcen
möglichst effektiv gesteuert werden kann.
„Wasser ist unser kostbarstes Gut und wird in Zukunft der Zankapfel
benachbarter Regionen und Staaten sein“, sagt Ralf Ludwig. „Die Politik
hat zwischenzeitlich erkannt, dass Konflikte um Wasser zur Realität
werden. Mit unserer Forschungsarbeit wollen wir einen wichtigen Beitrag
zur Vorbeugung von Konfliktsituationen leisten, indem wir verbesserte
Projektionen zur künftigen Entwicklung des Wasserhaushalts im
Mittelmeerraum ermöglichen. In einem weiteren Schritt werden wir,
gemeinsam mit den Betroffenen vor Ort, Optionen zum nachhaltigen
Management von Wasserressourcen in dieser vom Klimawandel stark
betroffenen Region formulieren.“
Insgesamt sind 19 Partnerinstitutionen aus neun verschiedenen
Ländern an CLIMB beteiligt. Neben Deutschland, Frankreich, Italien und
Österreich sind auch die fünf außereuropäischen Länder Ägypten, Kanada,
Palästinensische Verwaltungsgebiete, Türkei und Tunesien in die
Forschungsaktivitäten eingebunden. Die vier bayerischen Partner LMU,
BayFOR GmbH, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie
die VISTA GmbH erhalten insgesamt 1,1 Millionen Euro aus dem Etat, den
die EU für CLIMB zur Verfügung stellt.
An sieben ausgewählten Flusseinzugsgebieten rund um das Mittelmeer
(in Frankreich, Italien, Tunesien, Türkei, Ägypten und Gaza) werden die
Wissenschaftler die Auswirkungen des Klimawandels auf die verfügbaren
Wasserressourcen untersuchen. Die Europäische Kommission hat neben
CLIMB noch zwei weitere Großprojekte initiiert, WASSERMed (Water
Availability and Security in Southern Europe and the Mediterranean) und
CLICO (Climate Change Hydro-Conflicts and Human Security), die mit
CLIMB ein gemeinsames Cluster bilden sollen. Der geforderte
interdisziplinäre Ansatz soll neben der Veränderung der natürlichen
Ressourcen auch soziale und ökonomische Aspekte modellhaft
berücksichtigen. Das Auftakttreffen für CLIMB findet im Rahmen der EU
Science Fair Ende Januar in Kairo statt. Hier werden sich neben
Wissenschaftlern der anderen beiden EU-Projekte auch hochrangige
Vertreter der Europäischen Kommission in die Diskussion einbringen.
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