Krisenvorsorge

Götzl schlägt Beleihungsmodell für Ratingagenturen vor

München Stadt/ München Land | 18.05.2010

Stephan Götzl, Genossenschaftsverband Bayern
Stephan Götzl, Genossenschaftsverband Bayern

Sowohl auf EU-Ebene als auch in Deutschland werden die Forderungen nach einer europäischen Ratingagentur lauter. Der Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), Stephan Götzl, hält das für richtig: "Wir haben in der Finanzmarktkrise und der Staatsfinanzierungskrise der letzten Wochen erlebt, welche Marktreaktionen Ratingagenturen auslösen. Hier ist endlich mehr Transparenz in der Entscheidungsfindung der Agenturen notwendig."

Aus Götzls Sicht ist dringend ein Gegenpol zu den amerikanischen Ratingagenturen erforderlich. "Die Idee einer europäischen Agentur hat grundsätzlich großen Charme, weil sie helfen kann, das bestehende Ratingoligopol aufzubrechen", so Götzl. Er fordert deshalb die Politik auf, es nicht nur bei Ankündigungen zu belassen, sondern endlich konkret zu handeln: "Seit mehr als zwei Jahren wird immer wieder über das Problem diskutiert, aber geschehen ist nichts. Wir dürfen nicht bei der Analyse stehen bleiben."

Um die Transparenz der Ratingkriterien und die Qualität von Ratings künftig zu sichern, schlägt Götzl die Beleihung von Ratingagenturen durch eine supranationale Instanz vor. Als Beliehener wird eine Ratingagentur so zum Verwaltungshelfer und nimmt staatliche Aufgaben wahr. Beleihender könnte in diesem Modell der Internationale Währungsfonds (IWF) sein.

Der IWF bietet über die Vergabesteuerung genügend Marktmacht, um zum einen objektive Richtlinien für Ratings durchzusetzen und zum anderen auch einer neuen europäischen Ratingagentur den Markteintritt zu ermöglichen. Götzl: "Das Modell setzt gleichwohl voraus, dass der IWF regelmäßig über seine Vergabepraxis Rechenschaft in Form eines Transparenzberichts ablegt."
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