Hotel der Zukunft

Hat die Zirbelstube ausgedient?

München Stadt/ München Land | 25.11.2009

Ende der Zirbelstube im Alpenhotel? (Foto Bay.TM) Ende der Zirbelstube im Alpenhotel? (Foto Bay.TM)

Touristische Konzepte müssen begeistern. Heute und insbesondere in Zukunft gewinnt der ästhetische Aspekt, die Frage nach dem Design und Charakter eines Hotels, deutlich an Bedeutung. Sybille Wiedenmann, Geschäftsführerin der BAYERN TOURISMUS Marketing GmbH (by.TM) wagt die Frage: „Hat die Zirbelstube ausgedient?“ Will der Gast der Zukunft noch regionaltypische Architektur? Wiedenmann ist sicher: „Selbstverständlich! Aber wir müssen das Neue wagen und Authentizität bewahren“.

Bayern stehe in der Gunst der Gäste nicht umsonst in Deutschland auf dem ersten Platz, da neben der Tradition und der unverwechselbaren Lebensart eben auch die regionaltypische Architektur Gäste seit Jahrzehnten begeistere: Oberbayerns einmaliger Holz geprägter Stil, die Inn-Salzach-Architektur oder auch Frankens zauberhafter Fachwerk-Stil seien klare Entscheidungskriterien für einen Urlaub. Wichtig sei nun, die Balance zwischen Bewährtem und neuen Impulsen. „Wir dürfen uns auch in der touristischen Architektur nicht ausruhen. Wir sollten aber auch nicht blind globalen Architekturströmungen hinter her rennen“, so die by.TM-Geschäftsführerin. Sie mahnt zur konstruktiv-kritischen Betrachtung neuer Konzepte und appelliert an den Mut zur eigenen Richtung.

Mit dem by.TM-Konzept der Sightsleeping-Hotels versucht die Landesmarketing-Organisation genau diese geforderte Schnittstelle zwischen Design, neuen Wegen und regional-spezifischen Stilrichtungen zu fördern. „Unsere Idee war es, Besonderheiten in Architektur und Design ins Schaufenster zu stellen.“ Das sei gelungen: 2007 mit 11 Betrieben an den Start gegangen, gehören nun 32 Hotels zur Marke Sightsleeping – auserkoren durch eine unabhängige Jury. Bereits 2007 kürte die britische Zeitung „The Independent“ die Marke Sightsleeping zu „one of the ten hottest attractions of the year“. Die Akzeptanz bei den Gästen sei groß, die Buchungen für die Hotels nähmen stetig zu. Wiedenmann sieht eine der großen Aufgaben im Tourismus darin, Stammgäste zu halten und mit Innovationen zu überraschen und parallel neue Gästegruppen mit neuen Produkten zu erschließen.

Neben der großen Chance durch regionaltypische neue Architektur neue Gäste zu gewinnen nach dem Prinzip „Heute für morgen (um-)bauen“, sieht Wiedenmann in der Entwicklung neuer in die Regionen passender Konzepte einen Schlüssel zur Nachhaltigkeit. So könnten sowohl durch den Einsatz von regionalen Baumaterialien als auch durch eine energieeffiziente Bauweise wichtige Aspekte erfüllt und ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden.

Foto (von links nach rechts): Prof. Dietmar Eberle, Staatsminister Martin Zeil, Sybille Wiedenmann, Geschäftsführerin by.TM, Rudolf Scherzer, Vizepräsident der Bayerischen Architektenkammer.