München Stadt/ München Land | 29.09.2009
Prognosen
von Wahlergebnissen sind stets fehlerbehaftet. Besonders genau konnten
die LMU-Soziologen Dr. Christian Ganser und Jochen Groß den Wahlausgang
der Bundestagswahl vorhersagen: Sie haben die virtuelle Wahlbörse
„Wahlstreet“ (www.wahlstreet.de)
eingerichtet, bei der 724 Teilnehmer mit Aktien der Parteien handeln
konnten. Je näher das eigene Depot am tatsächlichen Ausgang der Wahl
liegt, desto höher ist nun die Ausschüttung. Dabei zeigt sich, dass die
Prognose der Wahlbörse in ihrer Vorhersage erstaunlich gut war: Im
Schnitt hat sie die Stimmenanteile der Parteien im Bundestag genauer
vorhergesagt als die Meinungsforschungsinstitute. Die Daten aus der
Wahlbörse sollen nun einer genaueren Analyse unterzogen werden.
Sind Politiker käuflich? In der virtuellen Wahlbörse „Wahlstreet“
schon. Dort konnten Teilnehmer in den Wochen vor der Bundestagswahl mit
einem Startkapital von maximal 50 Euro Aktien der verschiedenen
Parteien erwerben und handeln. Die Projektleiter Dr. Christian Ganser
und Jochen Groß vom Institut für Soziologie versprachen sich davon
tiefere Einsichten über die Funktionsweise von Prognosemärkten. Das
Prinzip von Wahlbörsen beruht auf der Einsicht, dass Märkte zu jeder
Zeit eine optimale Zusammenfassung vorhandener Informationen liefern
und daher als bestes Prognoseinstrument anzusehen sind.
Jetzt zeigt sich, dass die Prognose der Börse vom 19. September nur
eine durchschnittliche Abweichung von 0,9 Prozentpunkten aufweist – und
damit die Sonntagsfragen der Meinungsforschungsinstitute aus der Woche
vor der Wahl schlägt. Diese weisen – im Vergleich zum tatsächlichen
Ergebnis der Bundestagswahl – eine durchschnittliche Abweichung von 2,0
Prozentpunkten pro Partei auf. Entsprechend dem tatsächlichen Ergebnis
werden nun die Einsätze der Teilnehmer gemäß ihrem Depotbestand
ausgeschüttet.
Da sich die Ausschüttungen am tatsächlichen Wahlergebnis
orientieren, war der Anreiz für die Händler, das eingesetzte Geld so zu
investieren, dass ihr Depot möglichst genau dem Wahlausgang ähnelt.
Angesichts des guten Ergebnisses, werden die Daten aus der Wahlbörse
nun für weiterführende Analysen herangezogen. Dabei werden etwa die
Einflussfaktoren auf die individuelle Handelsaktivität der Teilnehmer
untersucht. Die virtuelle Wahlbörse wurde vom Institut für Soziologie
der LMU eingerichtet. Die Teilnahme war gebührenfrei. Als Händler
konnte sich jeder Interessierte ab 18 Jahren betätigen.
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