München Stadt/ München Land | 22.06.2010
Zur entspannten Reise in den Sommerurlaub gehört für immer mehr
Autofahrer das Navigationsgerät. Und keine Frage: Ein gutes Navi
kann einen großen Beitrag leisten, sicher und gut gelaunt am Ziel
anzukommen. Aber
nur dann, wenn der Fahrer von dem Gerät nicht mehr abgelenkt wird
und auch dessen Kommandos nicht blind befolgt, so die
Verkehrsexperten von TÜV SÜD. Sie haben zusammengestellt, worauf
Autofahrer achten sollten.
Erst
navigieren, dann starten:
Wer sich ein Navigationssystem zulegt, sollte nicht an der falschen
Stelle sparen – und muss es auch nicht. Technik und Qualität vor
allem mobiler Systeme machen sehr rasche Fortschritte, das bei
sinkenden Preisen. Ganz grundsätzlich sollten im Auto nur Geräte
mit Sprachunterstützung eingesetzt und zudem richtig eingebaut
respektive angebracht werden, so die Fachleute von TÜV SÜD. Nur
durch Spracheingabe kann während der Fahrt sicher reagiert werden,
wenn z.B. wegen Stau eine alternative Route vorgeschlagen wird.
Bei
Bildschirmsystemen gilt das Gleiche wie früher bei der Landkarte: Am
sichersten ist es, zum Routenstudium anzuhalten. Auch wer vergessen
hat, das System vor der Fahrt zu programmieren, sollte einen Stopp
einlegen und die Eingabe erst dann nachholen: „Das Risiko, für ein
paar Sekunden Zeitersparnis einen Unfall zu riskieren, ist
schlichtweg unverantwortlich“, betont TÜV SÜD-Experte Philip
Puls. Ganz speziell gilt dies, wenn man Mietautos mit Navigation
benutzt: „Ein unbekanntes System in einem ungewohnten Auto während
der Fahrt zu benutzen, ist lebensgefährlich.“
Für wenig ratsam
hält der Auto-Experte, das Navi nicht an der vorgesehenen Halterung
zu befestigen, sondern – wie häufig praktiziert – diese in der
Mittelkonsole zu platzieren: „Die Blickführung geht so
zwangsläufig von der Straße weg, die nötige Aufmerksamkeit für
den Verkehr ist nicht mehr gegeben, die Fahrt wird so zum Blindflug.
Ebenso ist die Genauigkeit der Geräte bei Befestigung an der
Windschutzscheibe am höchsten.“
Nachrüstung
lohnt nicht: Bei der
Wahl des passenden Gerätes selbst empfiehlt Martin Grzebellus von
der TÜV SÜD-Tochter NavCert weniger den Blick auf den Preis als
mehr auf das wahrscheinliche Einsatzprofil. Teilweise gibt es
identische Geräte mit großen Preisdifferenzen und mit
unterschiedlichem Kartenmaterial. Am
günstigsten sind Navis mit Kartenmaterial für Deutschland,
Österreich, Schweiz und Liechtenstein. Teurer wird es, wenn West-
und Osteuropa hinzu kommen. Ein günstigeres Navigationsgerät zu
kaufen und Kartenmaterial nachzurüsten, lohnt in der Regel nicht.
Auch sollte man beim Kauf mobiler Geräte die Bedingungen beachten,
unter denen das Kartenmaterial via Internet aktualisiert werden kann.
Die regelmäßige Aktualisierung ist nach Einschätzung von Martin
Grzebellus unbedingt ratsam: „Aktuell liefen und laufen sehr viele
Straßenbaumaßnahmen, diese Informationen können natürlich noch
nicht in den Informationen enthalten sein“. Grzebellus empfiehlt
eine Aktualisierung alle 12 Monate.
Zudem auf seiner Empfehlungsliste
für den Navi-Kauf für Vielfahrer: „Das Gerät sollte mindestens
mit TMC Pro ausgerüstet sein, um zuverlässige Verkehrsinformationen
aufnehmen zu können und bei der Routenberechnung zu den Standards
idealerweise die Funktion Eco Route umfassen. Weitere Kaufkriterien,
die den Preis stark beeinflussen, sind die Größe des Bildschirms
sowie Online-Dienste. Über 2D oder 3D Ansichten verfügen
mittlerweile fast alle Geräte.“
Nicht
blind vertrauen:
„Autofahrer folgt Navi und landet im Fluss“, „Navi leitet
Autofahrer in die Irre“, „Weil Navi in die falsche Richtung
führte: Luxusauto zerstört“. Solche und ähnliche Überschriften
sind keineswegs selten. Deshalb sei erwähnt, auch wenn es
selbstverständlich klingt: Kommandos des Navigationsgerätes sollten
nie blindlings ausgeführt werden! „Das System unterstützt den
Fahrer bei der Routenentscheidung“, unterstreicht Puls, „es
ersetzt aber keineswegs das eigenverantwortliche Handeln. Meldet das
Gerät aber beispielsweise „links abbiegen“, bitte immer erst
prüfen, ob die Gegenfahrbahn auch wirklich frei ist und eine
befahrbare Straße vorhanden ist.
Genauso
wenig wie zu tatsächlichen Geschwindigkeitsbegrenzungen gibt der
elektronische Beifahrer Hinweise zu Überholverboten. Eine geänderte
Autobahnauffahrt oder Kreisverkehr? Auch hier weiß das Gerät
manchmal nichts von der aktuellen Lage und wiederholt eventuell
unzutreffende Kommandos. Fahrer, die sich durch diese Kommandos
gestört fühlen, sollten die Sprachunterstützung in dieser
Situation besser abschalten, möglichst durch Sprachsteuerung.
Diebstahl
vorbeugen:
Navigationsgeräte gehören aktuell zu den beliebten Beutestücken
von Langfingern. Dem kann man bei mobilen Geräten einfach vorbeugen,
indem man die Navis aus dem Auto entfernt. Weitere Empfehlung von
Philip Puls: „Autofahrer sollten beim Parken auch die
Kabelverbindung verstauen. So kommt ein potenzieller Dieb erst gar
nicht auf die Idee, dass außer dem Kabel vielleicht auch noch das
Gerät im Auto liegt.“
Karte
im Auto: Navi drin
und die Karte auf den Müll? Keinesfalls, sagt Philip Puls: „Jeder,
der schon mal ins Ausland gefahren ist, weiß wie unangenehm es ist,
wenn man sich total auf die Navigation verlassen hat und auf einmal
in der Pampa steht, weil das Ziel in abgelegener Ecke halt doch nicht
im Kartenverzeichnis war. Hier hilft zur Orientierung am besten die
Karte – aber nur wenn sie im Auto ist und nicht zu Hause im
Wohnzimmerschrank“
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