München Stadt/ München Land | 10.11.2009

Winterreifen (Foto: TÜV Süd)
Fuel
Saver, Eco Impact, Ecopia, Energy Saver, Efficient Grip: Wer sich in
diesem Jahr neue Sommerreifen kaufte, fand bei bekannten Herstellern
vermehrt Hinweise auf den Rollwiderstand und den Verbrauch. Bei
Winterreifen sucht der Interessent solche Zeichen vergeblich. Ist die
CO2-Einsparung bei Winterreifen also kein Thema? Steht guter Grip auf
Eis und Schnee dem Energiesparen von Natur aus entgegen? Nein, sagen
die Reifen-Experten von TÜV SÜD und geben eine Einführung in die
Entwicklung von Winterreifen. Dazu gibt es praktische Tipps, wie sich
Winterreifenkäufer zwischen Schnee, Nässe, Grip und Umwelt entscheiden
sollten.
Vergangenheit und Zukunft:
Denkt man zehn Jahre zurück, da konnte man die negativen Eigenschaften
nach dem Wechsel auf die Winterreifen sofort spüren: Zitterndes
Lenkrad, laute Geräusche und spürbar ansteigender Spritverbrauch galten
als normal. „Winterreifen haben damals den Spritverbrauch oft um einen
halben Liter auf 100 Kilometern erhöht. Solche Effekte gehören heute
der Vergangenheit an. Seit Jahren achten die Hersteller bei der
Entwicklung von Winterreifen auf gute Fahreigenschaften und geringen
Rollwiderstand“, erklärt Michael Staude, Reifenexperte bei TÜV SÜD
Automotive.
Das beweisen auch Winterreifentests: In Sachen
Rollwiderstand müssen Winterpneus den Vergleichstest mit den
Sommerkollegen nicht scheuen. Und damit diese Eigenschaften weiter
verbessert werden, gelten ab November 2012 stufenweise straffere
Grenzwerte für die Reifenproduktion. Das Ziel: CO2-Einsparung – auch im
Winter. Dazu wird es ein Siegel geben, das die Eigenschaften auf einen
Blick deutlich macht. Die Parameter: Nässe-Grip, Verbrauch und
Rollwiderstand sowie Geräuschentwicklung (siehe Grafik).
Recherche und Test:
Vor dem Kauf sollten Autofahrer sich darüber im Klaren sein, wie sie
den Wagen im Winter überhaupt nutzen. Fährt man beispielsweise jedes
Wochenende in die Berge, stehen die Eigenschaften auf Eis und Schnee an
vorderster Stelle. Als Berufspendler viel auf Autobahnen unterwegs?
Dann sind Langlebigkeit und Nässeeigenschaften wichtiger. Hat man den
Winterfahrtyp ermittelt, bieten die Ergebnisse der Winterreifentests
einen guten Überblick. Die bekannten Tests informieren alle inzwischen
auch über den Rollwiderstand.
- Sicherheit und Umwelt:
Energieeffizienz darf nicht zu Lasten der Sicherheit gehen. „Die
Produkte der bekannten großen Reifenhersteller stellen aber durchweg
einen guten Kompromiss zwischen Kriterien wie Schnee-Grip, Lebensdauer,
Nässe- und Trockeneigenschaften aber eben auch Rollwiderstand dar“, so
Staude.
- Luft und Verbrauch: Der Fülldruck hat
großen Einfluss auf den Verbrauch. Schon wenige zehntel Bar
verminderter Druck erhöhen den Rollwiderstand um bis zu 20 Prozent –
und vermindern die Sicherheit immens. Jährlich verschenken die
EU-Bürger mehr als zwei Milliarden Euro, weil sie zu wenig Luft in
ihren Reifen haben! „0,2 bis 0,3 Bar mehr schaden nicht“, rät Staude.
Geht man aber mit den Winterreifen an die Belastungsgrenze – zum
Beispiel im Gebirge – dann lieber genau den vorgeschriebenen Luftdruck
einhalten. Staude: „Dann entfaltet der Reifen seine besten
Eigenschaften.“
- Profil und Vorschrift: Auch wenn
die gesetzliche Mindesttiefe des Profils genauso wie bei Sommerreifen
bei 1,6 Millimetern liegt: Nach Ansicht von Experten wie
Reifenherstellern sollte die Profiltiefe bei Winterreifen vier
Millimeter nicht unterschreiten. Das liegt nicht zuletzt an der
Bauweise von Winterreifen, bei der – noch stärker als bei Sommerreifen
– für Lauffläche und Unterbau andere Gummimischungen verwendet werden.
Bei der Vulkanisierung vermischen sich die unterschiedlichen
Zusammensetzungen im Grenzbereich. Die Folge: Ist der Reifen stark
abgefahren, kommt das Profil in diesen Grenzbereich der Durchmischung
und hat nicht mehr die gewünschte Konsistenz und damit auch nicht mehr
die gewünschten Eigenschaften. Die Performance verschlechtert sich
zudem, weil Winterreifen hauptsächlich aus Lamellen bestehen. „Je
kürzer die Lamellen werden, desto weniger flexibel sind sie – mit
schlechten Auswirkungen auf den Grip“, erläutert der Reifenfachmann.
- Breite und Eigenschaften:
Faustformel für Reifen im Schnee: Je schmaler desto griffiger. Und:
Schmale Reifen haben gleichzeitig einen geringeren Rollwiderstand und
damit bessere Umwelteigenschaften als breite Schlappen. Fast alle Autos
dürfen mit mehreren Breiten gefahren werden. Im Winter sollte man
besser die schmalsten zugelassenen Reifen wählen.
- Europa und Asien:
Von Experten konstatiert: Der Wartungszustand der Autos auf deutschen
Straßen hat sich in der Wirtschaftskrise weiter verschlechtert. Gespart
wird auch beim Reifenkauf. Angebote aus Fernost können eine gute
Alternative sein. Aber Achtung: Gerade beim Kauf von günstigen Reifen
gilt besonders: Zuerst die Testergebnisse bekannter Institute studieren.
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