München Stadt/ München Land | 01.03.2010

TÜV SÜD Zentrale München
Wer
Biokraftstoffe auf den europäischen Markt bringt, muss in Zukunft die
gesetzlich geregelten Nachhaltigkeitsstandards erfüllen. Als erstes
EU-Land hat Deutschland ein Zertifizierungsinstrument entwickelt. TÜV
SÜD hat von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)
die vorläufige Anerkennung als Zertifizierungsstelle erhalten. Damit
kann TÜV SÜD in Zukunft die Konformität der Herstellung von flüssigen
Biokraft- und Brennstoffen mit der Nachhaltigkeitsverordnung
zertifizieren.
Der Hintergrund für die Zertifizierung ist die
EU-Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus
erneuerbaren Quellen. Sie legt die Anforderungen an die Nachhaltigkeit
von Biokraftstoffen und flüssigen Biobrennstoffen fest. Nur wer die
darin genannten Kriterien erfüllt, kann von den Förderungen und von der
Anrechnung der Biokraftstoffe auf die EU-Biokraftstoffquote
profitieren. „Für den Nachweis und die Zertifizierung prüfen wir die
Dokumentation auf sämtlichen Stufen des Produktions- und
Vertriebsprozesses“, sagt Igor Dormuth, Projektleiter
Biokraftstoff-Zertifizierung bei der TÜV SÜD Industrie Service GmbH.
„Dabei begutachten wir alle entscheidenden Kriterien – von der
Anbaufläche über die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen bis hin zu
der Dokumentation von Arbeits- und Sozialstandards.“ Die entsprechenden
Nachweise werden über die Lieferkette bis zum EEG-Anlagenbetreiber bzw.
Mineralölhändler weitergereicht. Diese müssen die nachhaltige
Herstellung der in ihren Betrieben eingesetzten flüssigen Biomasse
gegenüber den Netzbetreibern bzw. dem zuständigen Hauptzollamt belegen.
Künftige Änderungen erwartet
Umgesetzt
hat der deutsche Gesetzgeber die EU-Nachhaltigkeitsanforderungen
bereits mit der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV)
sowie der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV).
Dennoch war bislang unklar, nach welchem System zertifiziert werden
soll und wer die Zertifikate ausstellen darf. Erst kürzlich hatte die
Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) dem
Zertifizierungssystem „International Sustainability and Carbon
Certification“ (ISCC) eine vorläufige Anerkennung ausgesprochen. TÜV
SÜD war als Partner des ISCC-Projekts bereits an der Pilotphase
beteiligt und hat beispielsweise bei der Überprüfung einer Sojaplantage
in Argentinien erste wertvolle Praxiserfahrungen mit dem neuen
Bewertungssystem gesammelt. „Deshalb sind unsere Experten auf ihre
Auditoren-Tätigkeit bestens vorbereitet“, erklärt Dr. Sven Kolmetz,
Leiter der Abteilung Carbon Management Service von TÜV SÜD Industrie
Service.
Dass die BLE derzeit nur vorläufige Anerkennungen
ausspricht, ist mit dem zeitlichen Handlungsdruck zu erklären. Auf der
einen Seite ist die internationale Biokraftstoffzertifizierung noch
Neuland, auf der anderen Seite sollen die Anforderungen der
EU-Richtlinie schnellstmöglich umgesetzt werden. Da noch einige
wichtige Details zu klären sind, werden von der EU-Kommission in Kürze
weitere Änderungen der EU-Richtlinie erwartet. Das Pioniersystem ISCC
wird in den kommenden Jahren beweisen müssen, dass es flexibel auf neue
Anforderungen reagieren und die Nachhaltigkeit gewährleisten kann.
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