München Stadt/ München Land | 21.01.2010

Handwerkskammerpräsident Heinrich Traublinger
"Aus
dem
geborgten Aufschwung muss in diesem Jahr ein selbst tragender
werden. Noch ist die Gefahr einer neuen Rezession nicht gebannt. Doch
dank des robusten Konsumverhaltens und der staatlichen Hilfspakete ist
die Stimmung im Münchner und oberbayerischen Handwerk momentan ganz
gut", erklärte Handwerkskammerpräsident Heinrich Traublinger, MdL a.
D., bei der Vorstellung der neuesten Konjunkturzahlen in München.
Im
4. Quartal 2009 empfanden 76 Prozent der Handwerksbetriebe im
Kammerbezirk die aktuelle Geschäftslage als gut oder befriedigend.
Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg die Stimmung damit um vier
Punkte. Die Kapazitätsauslastung kletterte im 4. Quartal 2009 gegenüber
dem Vorjahr um einen Punkt auf 76 Prozent. Die Auftragsreserven nahmen
im gleichen Zeitraum geringfügig um 0,2 Wochen auf 5,2 Wochen zu. Die
Umsätze haben sich bei den Handwerksbetrieben in München und Oberbayern
im 4. Quartal 2009 kaum verändert. In absoluten Zahlen dürfte das
Ergebnis bei ca. 8,8 Mrd. Euro liegen. Damit wurden im Vergleich zum
Vorjahresquartal 0,2 Prozent weniger umgesetzt. Für das Gesamtjahr 2009
steht ein geschätzter Umsatz von knapp 29,8 Mrd. Euro. Das entspricht
einem nominalen Rückgang von vier Prozent gegenüber 2008.
76
Prozent der Betriebe im Kammerbezirk hielten im 4. Quartal 2009 ihren
Personalbestand, 15 Prozent nahmen mehr Entlassungen als Einstellungen
vor, neun Prozent stockten per Saldo auf. Im Jahresdurchschnitt sank
die Beschäftigung nach einer ersten Schätzung um 1,2 Prozent auf
287.500. Gleichzeitig stieg die Zahl der Betriebszugänge in den
zulassungsfreien Berufen um 16 Prozent an. Kräftige Zuwächse
verzeichneten die Gebäudereiniger, Fotografen und Schneider sowie
baunahe Berufe.
Insgesamt waren Ende 2009 fast 72.800 Betriebe in die
Handwerksrolle eingetragen, drei Prozent mehr als noch vor Jahresfrist.
Bei der Investitionstätigkeit forderte die Wirtschaftskrise im 4.
Quartal 2009 ihren Tribut: obwohl 32 Prozent der Betriebe aus dem
Kammerbezirk investierten (plus fünf Punkte gegenüber dem
Vorjahresquartal), wurden aufgrund kleinerer Anschaffungen mit 215 Mio.
Euro in der Summe 4,9 Prozent weniger ausgegeben. Im Gesamtjahr gingen
die Investitionen sogar um 7,1 Prozent auf 782 Mio. Euro zurück.
Für
die nächsten Monate erwarten immerhin 71 Prozent der Münchner und
oberbayerischen Handwerksbetriebe gute bzw. befriedigende Geschäfte,
zehn Punkte mehr als noch vor Jahresfrist. Für dieses Jahr wird im
Kammerbezirk mit durchschnittlich 285.000 Beschäftigten im Handwerk
gerechnet. Dies wäre ein Prozent weniger als 2009. Die Umsätze dürften
2010 um ein Prozent auf ca. 30 Mrd. Euro ansteigen. "Eine
Voraussetzung, damit sich die Handwerkskonjunktur in diesem Jahr wieder
fängt, ist eine Steuer- und Finanzpolitik mit Sinn und Verstand. So
richtig und wichtig eine solide Haushaltsführung und auch das kritische
Hinterfragen von Ausgaben sind, kann ich nur davor warnen, zum Rotstift
zu greifen und Steuervergünstigungen ohne Maß und Ziel zu streichen",
betonte Kammerpräsident Traublinger.
So habe sich etwa der Steuerbonus
für Handwerksleistungen in den letzten Jahren als wahrer
Wachstumsmultiplikator erwiesen. Traublinger: "Er wirkt doppelt
positiv: einerseits wird die Nachfrage nach Handwerkerleistungen
angeregt, andererseits die Schwarzarbeit wirkungsvoll bekämpft. Daher
sollte über eine Erhöhung des Steuerbonus nachgedacht werden. Ein
weiterer Vorschlag des Handwerks ist, Steuerboni, die in einem Jahr
nicht ausgeschöpft wurden, ins Folgejahr mitnehmen zu dürfen."
Die
Debatte um das Für und Wider von Steuerentlastungen werde aus Sicht des
Handwerks gesamt- und gesellschaftspolitisch kontraproduktiv geführt,
sagte der Kammerpräsident. "Wir brauchen Steuerentlastungen und wir
brauchen eine grundlegende Reform der Einkommensteuer! Und beides geht
auch ohne finanzpolitisches Harakiri. Konsolidierung und Steuerreform
sind kein Widerspruch." Vor einer Erhöhung der Lohnzusatzkosten warnt
das Handwerk dagegen: "Angesichts des zu befürchtenden Anstiegs der
Arbeitslosigkeit in diesem Jahr müssen die Lohnzusatzkosten eher
gesenkt als erhöht werden. Um Arbeitsplätze zu erhalten, braucht der
Binnenmarkt dringend Auftrieb. Höhere Arbeitskosten bewirken aber das
genaue Gegenteil", erklärte Traublinger.
Ein nachhaltiger
Schaden drohe dem Handwerk durch die fragwürdigen Pläne der Münchner
Grünen, die Autofahrer durch eine "rote Welle" an den Zufahrtsstraßen
zu stoppen, wenn eine gewisse Verkehrsdichte in der Stadt erreicht sei.
"Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Staus an den Pförtnerampeln zu
einer Verbesserung der Luftqualität beitragen. Außerdem würden z.B. die
Kosten für An- und Abfahrt des Handwerkers, die der Kunde zu tragen
hat, regelrecht explodieren. Ein Unding ist auch die diskutierte
Einführung einer City-Maut zur Einhaltung des EU-Grenzwerts für
Stickstoffdioxid. In meinen Augen wäre das moderne Wegelagerei. Den
Grenzwert muss man vielmehr über eine modernere Fahrzeugtechnik in den
Griff bekommen", kritisierte der Kammerpräsident.
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