München Stadt/ München Land | 16.04.2010

Hauptuntersuchung Pkw (Foto: TÜV SÜD)
TÜV SÜD hat zur 20. Automobil International AMI in
Leipzig eine neue repräsentative Umfrage zur E-Mobilität
vorgestellt. Bundesweit befragt wurden dazu 311 Werkstätten und
Autohäuser. Die Auswertung zeigt: 60 Prozent betrachten das
Elektroauto als Chance für ihr Unternehmen. Aber: Die Studie bringt auch eine geringe Schulungsquote bei Werkstattpersonal und ein geringes
Risikobewusstsein im Umgang mit Hochvolt-Technologie an den Tag.
Die Studie, die Horst
Schneider, Sprecher der Geschäftsführung der TÜV SÜD Auto Service
GmbH, im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt hat,
belegt jedoch auch: Bisher haben erst 14 Prozent ihr
Werkstattpersonal entsprechend geschult. Überraschendes Ergebnis der
Studie bei der Risikoeinschätzung der neuen Technologie: 87 Prozent
halten Lithium-Ionen-Batterien für weniger riskant als den
Kraftstofftank.
Nachdem
TÜV SÜD bereits im vergangenen Jahr das Interesse der Autofahrer am
Elektroauto in einer vielbeachteten Studie beleuchtet hatte, stehen
dieses Jahr Handel und Service im Fokus. Kernfrage: Wie gut ist die
Branche auf die E-Mobilität vorbereitet? Dazu wurden im Februar und
März 311 Werkstätten und Autohäuser im gesamten Bundesgebiet
befragt.
Vom
Strom profitieren: Nur 26 Prozent sind besorgt
Positives
Ergebnis: Die Branche sieht der Entwicklung mit Offenheit und
Interesse entgegen. Die Besorgnis, die neue Technologie könnte
schlecht fürs Geschäft sein, ist mit 26 Prozent relativ gering.
Hauptgründe dabei sind hohes Schulungspotenzial für die Mitarbeiter
und die Sorge, dass Verschleißteile weniger und Wartungsintervalle
größer werden könnten. Soweit zum Interesse. Wie sieht es bei der
konkreten Umsetzung aus? Da wollen sich Werkstätten und Autohäuser
noch Zeit lassen. Lediglich zwölf Prozent glauben, sich bereits
heute schon mit der Elektro-Technologie auseinandersetzen zu müssen.
Alle anderen sehen den Strom erst langsam auf die Straßen und die
Werkstätten zurollen: immerhin 32 Prozent in zwei bis fünf Jahren. Erstaunlich
aber: 38 Prozent glauben, dass die Technologie erst in fünf bis zehn
Jahren so weit entwickelt sein wird, dass sie sich damit
auseinandersetzen müssten.
Mit
dem Strom schwimmen: Hybrid schon heute Realität
Das
könnte zu spät sein, mahnen die Experten von TÜV SÜD, denn
Hybridautos seien schon heute Realität. „Gerade in der Oberklasse
gibt es einen Trend zu immer mehr Hybridfahrzeugen“, sagt Horst
Schneider. Wer hier gegen den Strom schwimmt, verpasse nicht nur eine
gute Möglichkeit, technisch auf dem neuesten Stand zu sein, sondern
obendrein ein gutes Geschäft.
Dazu der Sprecher der
Geschäftsführung: „Werkstätten und Autohäuser, die den
E-Antrieb heute ins Programm nehmen, werden morgen davon
profitieren.“ Das gilt vor allen Dingen vor dem Hintergrund
schwieriger Zeiten in der Automobilbranche. Hier kann die
Elektromobilität nach Ansicht der TÜV SÜD-Experten eine echte
Alternative sein.
Sinkende Verkaufszahlen, zurückgehende
Service-Termine: Wer sich mit dem Stromantrieb auseinandersetzt und
sein Unternehmen für Elektrofahrzeuge positioniert, kann damit
eventuell Lücken aus dem Geschäft mit den Verbrennern schließen.
Vom
Strom nicht mitgerissen: Branche wartet ab
Indes:
Die abwartende Haltung der Mehrheit zeigt sich bei der Vorbereitung
in den Werkstätten: Mehr als 80 Prozent der Techniker und
Mechatroniker haben noch keine Erfahrung mit Hybridmodellen.Lediglich
in 14 Prozent der befragten Werkstätten wurde Personal bislang
entsprechend geschult – mehrheitlich bei Marken-Werkstätten, die
bereits Hybrid-Modelle im Angebot haben. Knappe 50 Prozent wollen mit
der konkreten Vorbereitung auf die Stromer noch ein paar Jahre warten
und erst dann mit der Schulung der Mitarbeiter beginnen. 35 Prozent
halten den Start mit Fortbildungen in Sachen Elektroantrieb erst dann
für nötig, wenn es gar nicht mehr anders geht. Immerhin: Neun
Prozent wollen im kommenden Jahr die Mitarbeiter zur Fortbildung
schicken.
Vom
Stromschlag unbeeindruckt: geringes Risikobewusstsein
Überraschendes
Ergebnis: Obwohl für die meisten die E-Mobilität erst in ein paar
Jahren interessant wird und das Personal noch nicht ausreichend
geschult ist: Die Bereitschaft, am Stromer zu schrauben, ist da. Mehr
als 22 Prozent würden Hybrid und Co. notfalls ohne Schulung heute
schon reparieren. Die Gefahren der Hochvolt-Technologie werden in der
Branche nach Ansicht von TÜV SÜD unterschätzt. Stromschlag oder
Batteriebrand sind nur für wenige Werkstätten ein Thema: Gute zwölf
Prozent halten den Stromer im Vergleich zum Verbrenner für etwas
riskanter, weil die Gefahr eines Stromschlags besteht.
Immerhin
14 Prozent sehen die Gefahr eines Batteriebrandes als vergleichsweise
problematisch. Gerade beim Thema Batteriesicherheit zeigt die
Befragung ein überraschend geringes Risikobewusstsein: Satte 87
Prozent der Befragten stufen die Gefahren im Umgang mit dem E-Auto
als geringer ein als beim Verbrennungsmotor. Häufigste Begründung:
Das Elektroauto hat keinen Kraftstofftank. Aus Sicht von TÜV SÜD
eine alarmierende Zahl.
Denn
gerade die Elektro-Technik und im Zentrum die Batterie bergen
erhebliche Sicherheitsrisiken und die stehen beim TÜV SÜD-Engagement
für die schnelle Umsetzung der E-Mobilität ganz oben auf der Liste.
Sei es bei weltweit ersten Crashtests von Lithium-Ionen-Batterien,
bei der Homologation der E-Fahrzeuge oder bei der Absicherung von
Ladestationen.
TÜV SÜD ist nicht nur Beschleuniger bei der
Umsetzung von E-Mobilitäts-Konzepten. Die Experten stellen ebenfalls
ganz klare Forderungen, wenn es um die Sicherheit der neuen
Technologie geht: Zum Beispiel die nach weltweit einheitlichen
Standards in Sachen funktionale, elektrische, chemische und
mechanische Sicherheit bei hochenergetischen Lithium-Ionen-Batterien
– gerade aufgrund des Risikopotenzials. Die
TÜV SÜD-Fachleute stehen der Branche mit einem breiten
Angebotsspektrum zur Seite. Sie unterstützen von vornherein ihre
Kunden bei Lösungen rund ums Elektro-Auto. Egal, ob es um die
Vorbereitung der Werkstätten oder die Schulung der Mitarbeiter geht.
„Mechatroniker und Techniker müssen dringend geschult werden für
den sicheren Umgang mit den Fahrzeugen und damit für die Vermeidung
von Unfällen“, fordert Schneider.
TÜV SÜD nimmt die Studie
seinerseits zum Anlass, sich noch stärker in den Werkstätten und
bei den Autohäusern für die Elektro-Mobilität einzusetzen und in
den Bereichen Werkstatt-Sicherheit, Autohaus-Management,
Batterie-Standards oder bei der Fortbildung der Mitarbeiter in Sachen
Elektro-Auto noch mehr Gas zu geben.
Die
aktuelle Studie kann unter
www.tuev-sued.de/ami2010
heruntergeladen werden.
Ein Kurzinterview mit Horst Schneider zur Branchenbefragung:
„Wie gut sind Handel und Werkstätten auf E-Mobilität vorbereitet“
als MP3-Datei finden Sie
hier zum Download (MP3-Datei).
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