München Stadt/ München Land | 31.08.2009
Dem Nachfrageeinbruch um etwa ein Viertel steht in Deutschland 2010 ohne Abwrackprämie erst noch bevor. Durch zunehmende Liquiditätsengpässe drohen. Insolvenzen entlang der gesamten automobilen Wertschöpfungskette. Mehr als 30.000 Arbeitsplätze im Automobilhandel in Deutschland sind in Gefahr.
Der
Abschwung der Weltwirtschaft hat die ohnehin angeschlagene
Automobilindustrie besonders schwer betroffen. Die Abwrackprämie hat
die Nachfrage nach Automobilen in Westeuropa 2009 künstlich gesteigert,
2010 droht jetzt ein Einbruch um bis zu 25 Prozent. Die Suche nach
einem Ausweg führt schnell zum Vertrieb. Allein in Europa kosten
Vertrieb und Service jährlich fast 100 Milliarden Euro und machen etwa
ein Drittel des Fahrzeugpreises aus. RolandBerger
Strategy Consultants hat zusammen mit erfahrenen Vertriebsmanagern aus
der Industrie sowie Vertretern ausgewählter Händlergruppen die
Sales-Agenda 2009/2010 entwickelt. Sie fasst Maßnahmen in sieben
zentralen Handlungsfeldern zusammen, die das Ergebnis im Vertrieb
kurzfristig um einen dreistelligen Millionenbetrag steigern können.
"Wenn
die Abwrackprämien auslaufen, bewegt sich das Insolvenzrisiko für die
deutschen Automobilhändler auf etwa 30 bis 40 Prozent zu", sagt Ralf
Landmann, Partner im Kompetenzzentrum Automotive bei RolandBerger
Strategy Consultants. "Dabei trifft es aus Sicht der Hersteller jedoch
hauptsächlich die 'Falschen'. Besonders die großen Händlergruppen, die
in der Vergangenheit investiert haben, leiden unter sinkenden
Renditen." Die RolandBerger
Experten erwarten, dass die Nachfrage in Deutschland nach dem
künstlichen Boom in Folge der Abwrackprämie 2009 im kommenden Jahr um
bis zu 25 Prozent einbrechen wird. Die Händlernetze sind deutlich
überbesetzt. Die Nachlässe für Neuwagen von bis zu 30 Prozent lassen
die ohnehin schon marginalen Renditen im Handel unter die Nulllinie
sinken. Insgesamt sind in Deutschland in der Automobilindustrie mehr
als 90.000 Arbeitsplätze in Gefahr.
Konsolidierung des Händlernetzes kostet bis zu 500 Millionen
"Die
Suche nach Abhilfe führt hier schnell zum Vertrieb. Allein in Europa
kosten Vertrieb und Service jährlich fast 100 Milliarden Euro und
machen ein Drittel des Fahrzeugpreises aus", sagt Landmann. "Unter
normalen Bedingungen lassen sich die Kosten im Vertrieb durch mehr
Effizienz um bis zu zwölf Prozent senken und gleichzeitig der Umsatz um
etwa elf Prozent steigern. Das Potenzial beläuft sich also insgesamt
auf einen dreistelligen Millionenbetrag. In der momentanen Krise ist
diese Potenzial schlicht überlebensnotwendig." In den meisten Märkten
ist die Netzdichte im Handel zu hoch und die durchschnittliche Rendite
der Händler zu niedrig. Statt hier die Handelsnetze sich selbst zu
überlassen, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Effizienz der
Händlernetze zu steigern. Mithilfe des notwendigen Eigenkapitals vom
Hersteller wäre es gesunden Handelsbetrieben möglich, ihre bedrohten
Markenkollegen zu übernehmen und zu restrukturieren. Allein in den
europäischen Netzen brauchen die Hersteller dafür kurzfristig 300 bis
500 Millionen Euro, die sie an anderer Stelle einsparen müssen -
notfalls, indem sie neue Modellvarianten verschieben.
Sales Agenda 2009/2010
Die
"Sales-Agenda 2009/2010" identifiziert sieben Maßnahmen, die
langfristig für den Automobilvertrieb einen Ausweg zeigen aus
Überproduktion und überbesetzten Händlernetzen: - Neuwagenbestände abbauen
- Gebrauchtwagengeschäft professionalisieren
- Händlernetz neu ordnen
- Service- und Ersatzteilgeschäft ausbauen
- Vertrieb am Point of Sale professionalisieren
- Großhandelsstufe verschlanken
- Marke positionieren und entwickeln
So
können die europäischen Hersteller ihr Ergebnis um mindestens 200
Millionen Euro steigern. Unterstellt ist dabei, dass die Agenda nur zur
Hälfte umgesetzt wird und sich die ergebniswirksamen Effekte zwischen
Herstellern und Handel aufteilen.
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