Pfaffenhofen - Neuburg | 16.12.2011

Landrat Martin Wolf (links) und der Autor Willihard Kolbinger, Foto: LRA PAF
Willihard Kolbinger hat jetzt in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Pfaffenhofen a.d.Ilm sein zweites Buch über die Geschichte der Berufschule Pfaffenhofen herausgegeben.
„Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte ist die Grundlage für erfolgreiches Gestalten in der Gegenwart. Das Ergebnis dieser Auseinandersetzung führt Willihard Kolbinger den Leserinnen und Lesern seines zweiten Buchs über die Berufschule Pfaffenhofen wieder sehr anschaulich vor Augen“, so Landrat Martin Wolf. Er dankte dem Autor für sein Engagement und seine Arbeitskraft, die er in das neue Buch gesteckt hat. „Man kann als Außenstehender wahrscheinlich kaum erahnen, wie viel Hingabe und Zeitaufwand damit verbunden ist“, so der Landrat.
Über das Werk
Willihard Kolbinger, ehemaliger Leiter der Berufsschule Pfaffenhofen, geht in dem rund 270-seitigen Werk besonders auf die Entwicklung der Schule seit 1930 bis heute ein. Die umfangreiche Arbeit schließt inhaltlich und zeitlich an den Teil I an, der 2009 erschienen ist. „Der zweite Band zeigt am naheliegenden Beispiel, wie in Pfaffenhofen 1936 die erste Verbandsberufsschule entstand und wie sie unter dem Nationalsozialismus arbeiten konnte und musste“, so der Autor.
In mehreren Kapiteln werden die sich ständig ändernden rechtlichen Vorschriften, die Schüler- und Klassenzahlen, Lehrer, Mitarbeiter, Schulleiter und die Verbindungen der Schule zur Politik, zu den vorgesetzten Behörden und zur Wirtschaft dargestellt. Willihard Kolbinger: „Die Tonangabe der Wirtschaft in Berufsschulfragen war mir ein besonderes Anliegen. Die Unterrichtszeiten an Berufsschulen verminderten die Arbeitszeiten der Lehrlinge in den Betrieben, weshalb die Arbeitgeberverbände all ihren Einfluss in Berufsschulfragen geltend machten.“
Die Einführung der Berufsgrundbildung und die sog. Atomisierung der Berufsbilder zwang den Berufsschulen schwierigste Klassenformen auf. Ständig neue Fachklassenbildungen waren von kleineren Schulen nicht zu bewältigen und führten weiterhin zu Abteilungs- oder gar Schulauflösungen. „Um diesen Gefahren zu entgehen, betrieb Pfaffenhofen einen Schüleraustausch mit Mainburg und Dachau. Der Charakter der Berufsschule als letzte allgemeinbildende Pflichtschule für die meisten jungen Menschen wurde aber mehr und mehr zugunsten der Ausbildung von sofort einsatzfähigen Spezial-Facharbeitern verändert.“
Alle historischen Stationen dieser Entwicklung und die schulpolitischen Schritte dazu sind in dem neuen Buch eingehend dargestellt: Verbandsberufsschule, Kreisberufsschule, Staatliche Berufsschule. Dem Sonderweg der landwirtschaftlichen Berufsschule wurde ein eigenes Kapitel gewidmet. Es werden u.a. auch die Neu- und Ausbauten auf dem Schleiferberg geschildert, das Bauunglück von 1961 und die großen Erweiterungen 1984.
Die nach der Verstaatlichung einsetzende Neuordnung aller bayerischen Berufsschulen hat dann zur Bildung immer neuer Sprengel und zu großen Sprengelstreitereien vor allem mit Ingolstadt geführt. „Diese wilden Jahre waren zu einer großen Belastung für die Schulleitungen geworden. Dazu kamen die Ausweitungen der Berufsschulen in die Höheren Beruflichen Schulen wie BOS und BAS“, so Willihard Kolbinger. Die Probleme der Hauptschulen, deren Aufwertung über Quali und Quabi bis zur Mittleren Reife, wirkten unmittelbar in das Berufsschulwesen hinein und sind daher in dem Buch ebenfalls dargestellt.
Willihard Kolbinger: „Berufsschulen werden häufig nur als notwendiges Übel betrachtet. Ich wollte mit den zwei Bänden Berufsschulgeschichte die Verzahnung dieses Schultyps mit der Politik, der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Bevölkerung in ein angemesseneres Licht rücken.“
Das neue Berufsschulbuch ist im Landratsamt Pfaffenhofen, Zimmer 135 und im örtlichen Buchhandel für 15 Euro erhältlich.
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