Traunstein-Berchetsgadener-Land | 01.09.2010

Heimfahrt über den Königssee, im Hintergrund St. Bartholomä. Foto: Kerstin Mattys
Berchtesgaden feiert „200
Jahre bayerisch“ und lässtkönigliche Abgesandte an der
Seelände erscheinen Wie immer schippern sie übers Wasser: Die rund 60 Kühe,
die den Sommer am Südufer des Königssees verbringen, sind die einzigen im
gesamten Alpenraum, die einen Bootstransfer auf ihrem Weg zurück in den
Heimatstall bekommen.
An der Seelände am Königssee werden sie in diesem Jahr
allerdings besonders festlich empfangen: Denn am Samstag, 9. Oktober, trifft
nicht nur das Vieh hier ein, sondern auch der bayerische Hofkommissär Karl Graf
von Preysing samt Gefolge.
Genau wie vor 200 Jahren, als er im Auftrag der Krone
den südöstlichsten Zipfel Deutschlands in Besitz nahm und das Volk ihm
allerorten zujubelte, weil es sich nach wechselvoller Geschichte auf ruhigere
Zeiten unter den Fittichen des Königreichs freute, reist er in standesgemäßer
Kutsche an. Gefeiert wird die Zugehörigkeit zu Bayern das gesamte Wochenende an
verschiedenen Schauplätzen im Berchtesgadener Land.
Doch am Samstag
gehört die Bühne zunächst den Kühen. Um 9.30 Uhr wird das erste Boot erwartet,
um 12.30 Uhr das zweite. Erst an der Seelände, wenn das Vieh wieder festen
Boden unter den Hufen hat, werden die Tiere geschmückt. Das Jungvieh mit
Latschenbuschen, die Kühe mit kunstvollen „Fuikln“, dem Königsschmuck aus
Fichtenbäumchen, deren Zweige gebunden und aufwändig mit handgearbeiteten
Blumen und Rosetten verziert sind.
Während traditionelle Volksmusik erklingt
und sich die Gäste mit regionalen Schmankerln stärken, treten die Kühe ihren
Weg in den Heimatstall an. Am frühen Nachmittag
erscheint Karl Graf von Preysing an der Seelände, dem Ziel seines historischen Triumphzugs
für heute. Und genau wie vor 200 Jahren hat er sich dann bereits schon in
Marktschellenberg feiern lassen, wo ihm zu Ehren bereits am Freitag die Straßen
mit bayerischen Fahnen geschmückt sind und eine traditionelle Dult an vergangene
Zeiten erinnert.
Am Königssee setzt er sich nach würdigem Begrüßungszeremoniell
zunächst in einem historischen Boot der Königsseeschifffahrt auf die Insel
Christlieger ab, um sich von den Strapazen zu erholen. Unterdessen jubelt das
Volk weiter – und wird abends mit einem fulminanten Feuerwerk belohnt.
Am Sonntag ist Berchtesgaden
Ort des Geschehens – mit großer Messe, einem Umzug mit 1500 Teilnehmern und
einem Fest, auf dem die Gäste durch fünf verschiedene Orte der Region streifen
und dabei auf Zeitreise gehen können.
Die Ramsau etwa präsentiert sich als
Motiv der Landschaftsmaler, die den idyllischen Ort zu Beginn des 19.
Jahrhunderts entdeckten und damit den Grundstein für die touristische
Entwicklung legten. Marktschellenberg hat die höchstgelegene Eishöhle Deutschlands
samt deren Geschichte im Gepäck und Berchtesgaden selbst lässt die
Salzgeschichte lebendig werden.
Der feierliche Höhepunkt erwartet die Gäste am
Abend, wenn alle Fenster verdunkelt werden und kein elektrisches Licht weit und
breit mehr zu sehen ist. Kerzen, die in den Fenstern der Wohnhäuser stehen, Feuerkörbe,
die Straßen und Plätze erleuchten, und ein fantasievoller Laternenumzug sorgen dann für wahrhaft
historische Stimmung.
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