Traunstein-Berchetsgadener-Land | 21.02.2010

Solebrunnen mit Gradierhaus in Bad Reichenhall
Statistisches Landesamt weist Heilbäder als touristische Top-Magneten
aus. Bayernweite Unterschriftenaktion belegt Notwendigkeit der Kur.
Demografischer Wandel setzt Politik unter Druck. Wirtschaftsfaktor
Gesundheit ist Markt der Zukunft.
"Ich weiß nicht, was wir noch an Beweisen
bringen müssen, dass unsere Bäder endlich ernst genommen werden",
erzürnt sich der Präsident des Bayerischen Heilbäderverbandes (BHV),
Klaus Holetschek. Es sei unfassbar, wie leichtsinnig mit
hunderttausenden Arbeitsplätzen umgegangen werde und gleichzeitig die
demografische Notwendigkeit auf qualifizierte Gesundheitsvorsorge kühl
vom Tisch geweht werde. Alleine nach Bayern kamen 2009 nach Aussage des
Statistischen Landesamtes fast vier Millionen Menschen mit über 21
Millionen Übernachtungen in die Heilbäder und Kurorte. "Wir stemmen
rund 30 Prozent des gesamten Übernachtungsaufkommens im Freistaat", so
Holetschek. "Wir haben bisher jede strukturelle Änderung geschluckt und
unsere Orte mit viel Energie auf die Zukunft eingeschworen - das
belegen doch die Zahlen", resümiert der BHV-Präsident. Im Krisenjahr
ein Wachstum von 0,9 Prozent zu erreichen, verlange nach mehr Gehör auf
Bundesebene.
Im Rahmen der Jahrespressekonferenz des bayerischen
Wirtschaftsministers, Martin Zeil, mahnte Holetschek, gesunde
Strukturen nicht aufs Spiel zu setzen. "Alle reden von der Förderung
des ländlichen Raums, aber Reden bringt uns nicht zum Ziel." Unsere
Orte stellen häufig die einzige gewerbliche Infrastruktur ganzer
Regionen. Wie wichtig ein Umdenken im Bereich der Kur ist, belege aus
Sicht des BHV auch die jüngste Unterschriftenaktion des Verbandes. In
drei Wochen haben sich 20.000 Menschen für die Kur in Bayern
ausgesprochen. "Es kann doch nicht sein, dass deutsche Kassen Kuren im
Ausland finanzieren und der Normalbürger auf der Strecke bleibt. Unsere
Kompetenzen im Gesundheitswesen suchen ihresgleichen."
Absurd sei
zudem, von längeren Lebensarbeitszeiten zu reden, Leistungsfähigkeit
zum Wert Nummer 1 zu erheben und auf dem Weg dahin, die Menschen
alleine zu lassen. "Daher fordern wir, dass die Kur wieder eine
Pflichtleistung der Kassen werden muss! Unsere Zukunft wird durch
ältere Menschen geprägt sein, diese fit zu halten, nicht zuletzt auch
für einen sozialen Frieden, zur Schonung der Sozialkassen muss das
erklärte Ziel sein." Der BHV sei zu Gesprächen bereit! Bayerns
Gesundheitsminister Markus Söder sprach sich kürzlich für eine Stärkung
der Heilbäder und Kurorte aus. "Handeln muss Berlin - und zwar
schnell", wand sich Holetschek an den bayerischen FDP-Minister Zeil mit
Hinblick auf seinen Parteifreund und Bundesgesundheitsminister Philipp
Rösler.
Gravierend sei neben der notwendigen Pflichtleistung auch eine rasche
Vereinfachung auf dem Weg zur Kur. Der Bedarf, das Interesse seien
immens, das Verfahren zur Beantragung einer Kur abschreckend. "Dem Weg
zur Kur müssen wir dringend eine Verjüngungskur verpassen", so der BHV.
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