Europas erste Klettersteigschule

Herausforderungen in der Vertikalen am Königssee

Traunstein-Berchetsgadener-Land | 19.03.2010

Balanceakt über Hängebrücke, Foto:Berchtesgadener Land Tourismus
Balanceakt über Hängebrücke, Foto:Berchtesgadener Land Tourismus

Am 1. April eröffnet in Berchtesgaden die erste Klettersteigschule Europas. Auf Übungsrouten am Königssee können Einsteiger lernen, wie sie die Herausforderungen in der Vertikalen am besten meistern. „Dieses Angebot ist einmalig in Europa“, so Michael Graßl, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Bergführer, auf dessen Initiative die Eröffnung der „1. Salewa Klettersteigschule Berchtesgaden“ zurückgeht.

Klettersteige, die den Weg am Berg durch fest verankerte Stahlseile und Trittbügel vorgeben und die man ohne Seilpartner bewältigt, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Seit den 1970-er Jahren, als der Prototyp des Klettersteigs in den Dolomiten geboren wurde, öffnen jedes Jahr im gesamten Alpenraum neue Steige. „Viele wissen nicht, dass teilweise großes technisches Können vorausgesetzt wird“, warnt Michael Graßl. „Wer als absoluter Laie einsteigt, bringt sich schnell in ausweglose Situationen.“

In der „1. Salewa Klettersteigschule Berchtesgaden“ machen staatlich geprüfte Bergführer die Kursteilnehmer innerhalb von sechs Stunden fit für die Herausforderungen am Berg. Von Tipps zur Ausrüstung über Technik und Taktik bis hin zu Bergung und Selbstrettung vermitteln die Profis zentrale Grundlagen. Für die praktischen Module wurde am Hanauerstein am Königssee eigens ein neuer Übungsklettersteig angelegt, ein bereits vorhandener moduliert. Der Klettersteigkurs eignet sich für Kinder ab zehn Jahren bzw. ab 1,30 Meter Körpergröße und kostet 65 Euro, die Ausrüstung kann vor Ort geliehen werden. Wer schnuppern möchte, zahlt 28 Euro für zweieinhalb Stunden inklusive Leihausrüstung.

„Im Prinzip ist Klettersteiggehen nichts anderes als Bergwandern für Fortgeschrittene – und zugleich eine sinnvolle Vorbereitung aufs freie Klettern“, so Michael Graßl. Eine gute Grundkondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind zentrale Voraussetzungen.

Nach dem Kurs am Königssee bietet sich für Newcomer der Grünstein-Klettersteig an – der einfachste im Berchtesgadener Land, der im vergangenen Jahr eröffnet wurde. Besonders anfängerfreundlich ist der Einstieg über den Isidorsteig, für Geübtere gibt’s eine Variante mit höheren Schwierigkeitsgraden. Aber egal, für welchen Weg man sich entscheidet: Die Aussicht auf Watzmann und Königssee ist unvergleichlich.

An ihre Grenzen gehen können Gäste auf dem Berchtesgadener Hochthronsteig, der durch die 400 Meter hohe Untersberg-Ostwand führt. Fortgeschrittene schwärmen von dieser Route, die vor drei Jahren als moderner Sportklettersteig angelegt wurde. Sie beginnt oberhalb des Ortes Marktschellenberg und ist überwiegend in den höchsten Schwierigkeitsstufen angesiedelt. Bis zum Anseilplatz auf 1580 Metern sind es allein zwei Stunden Fußmarsch, für den Klettersteig an sich müssen noch einmal zweieinhalb Stunden bis zum Gipfel kalkuliert werden. Wer anschließend noch genügend Muße hat, sollte auf dem Weg zurück ins Tal in der Eishöhle Marktschellenberg vorbeischauen. Sie ist die größte ihrer Art in Deutschland – mit bis zu 30 Meter dicken Eisformationen, die innerhalb der letzten 3000 Jahre entstanden sind. Da die Zivilisation drei Wanderstunden entfernt ist, können sich Besucher hier auf ein exklusives Besichtigungserlebnis freuen.

Zu den absoluten Highlights für versierte Alpinisten zählt zudem der Pidinger Klettersteig, der an Technik und Kondition gleichermaßen hohe Anforderungen stellt. Viele fahren mit dem Mountainbike zur Einstiegsstelle auf 1020 Metern, atmen noch einmal tief durch – und starten dann zu einem gut siebenstündigen Abenteuer mit schwierigen Passagen in der Wand und mindestens ebenso beeindruckenden Ausblicken ins Land. Der Steig führt durch die imposanten Nordabstürze des Hochstaufens bis zum Gipfel in 1771 Meter Höhe. Zwei Notausstiege gibt es, einer davon ist in der Karte treffend als „Fluchtmöglichkeit zum Normalweg“ gekennzeichnet.

Die Übungsklettersteige am Hanauerstein dagegen kommen ohne Fluchtwege aus: „Die Wände sind nur 40 Meter hoch“, sagt Graßl, der auch Anfängern Erfolgserlebnisse garantiert. Viele Tipps und Tricks, die er und seine Kollegen in der ersten Klettersteigschule Europas vermitteln, dienen übrigens dem Kräftesparen. „Je anstrengender der Steig, desto wichtiger ist es, dass man sich nicht unnötig auspowert und weiß, wo und wie man zwischendurch neue Kräfte sammeln kann.“
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