Weilheim-Garmisch | 17.06.2010

Trachtenpaare in Garmisch-Partenkirchen
Wer
glaubt, dass Traditionen wie Schuhplatteln oder Goaßlschnalzen,
Fingerhakeln oder Steinheben nur noch für Touristen praktiziert werden,
kennt Garmisch-Partenkirchen nicht. Das ganze Jahr über bereiten sich
die Menschen hier auf die Festwochen vor, so wie das Rheinland auf den
Karneval – eine Liebe, die mitten aus dem Herzen kommt. Die prachtvollen
Trachten des Werdenfelser Lands erleben seit Jahren eine Renaissance
genauso wie die Brauchtumsvereine am Ort.
Und so tief die Tradition auch verwurzelt ist, so willkommen sind die Gäste, die bayerische Lebensart im Original entdecken wollen: bei den Festwochen in Garmisch und Partenkirchen vom 31. Juli bis 8. August und vom 7. bis 16. August 2010.
Böllerschüsse sind der Auftakt zu einem Programm voller Höhepunkte. Neben Umzügen, Musikkapellen und vielfältigen Volkstänzen werden diverse Wettbewerbe wie das Steinheben in üppig geschmückten Festzelten zelebriert. Diese Tradition erinnert an den „bayerischen Herkules“, der um 1870 angeblich einen 500 Pfund schweren Stein nur mit dem Mittelfinger „anlupfen“ konnte. Heute wuchten gestandene Mannsbilder einen 508-Pfund-Brocken aus Beton – fürs „Stechen“ werden schon mal 100 Pfund mehr draufgepackt. Auch fürs Schuhplattlern und Goaßlschnalzen wird das ganze Jahr über trainiert. Und früh übt sich: Schon mit dem Schuleintritt fängt der Nachwuchs mit dem Schuhplatteln an. Tracht tragen die Kleinen an Festtagen bereits ab dem Kindergartenalter.
Tracht ist Trend – sagt Franz Grasegger vom gleichnamigen Garmischer Trachtenhaus: „Seit ungefähr fünf Jahren geht bei uns kaum mehr jemand mit der Jeans ins Bierzelt. Und auch bei besonderen Anlässen trägt man wieder Lederhose und Dirndl statt Anzug oder Abendkleid.“ Qualität und Originalität spielen dabei eine wichtige Rolle – die unverwechselbaren Attribute der Region, statt kitschiger Kopien. Eine echte Werdenfelser Tracht wird geschätzt wie eine Wertanlage: Kostbare Teile wie der Adlerflaum am Hut werden über Generationen weitervererbt. Franz Grasegger selbst hält die Lederhose seines Großvaters in Ehren, eine echte Hirschlederne - „sämisch“, also ohne alle Chemikalien gegerbt. Doch im Vordergrund steht nicht der Preis, sondern die Authentizität: Ein Garmischer kann an der Tracht problemlos von einem Partenkirchner unterschieden werden: Die Farben der Wadlstrümpfe bei den Herren – „Pfosen“ bzw. „Hejslan“ genannt – genauso wie die Rot- und Blautöne bei den Plattlgewändern der Mädchen sprechen eine eigene Sprache.
Jubiläumsstimmung herrscht 2010 bei beiden Festwochen: In Partenkirchen wird der Höhepunkt des Brauchtumsjahrs bereits zum 55. Mal begangen, in Garmisch sogar zum 60. Mal. Alle wichtigen Informationen sowie das genaue Programm erhalten Interessierte bei der Tourist Information Garmisch-Partenkirchen unter
www.gapa.de/festwochen.
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