Weilheim-Garmisch | 25.10.2009
Bei der 2. Regionalkonferenz Mobilitätsmanagement bei
der IHK für München und Oberbayern berichteten und diskutierten 100 Fachleute, Entscheider,
Wissenschaftler und Berater innovative
Lösungsansätze für die Frage, wie Bürgerinnen und Bürger, Gäste
und Unternehmen in der Europäischen Metropolregion München (EMM)
ihre Mobilitätswünsche zukunftsfähiger und nachhaltiger mit
weniger Kfz-Verkehr organisieren können.Weilheim spielt eine Vorreiterrolle.
Im Zentrum der Veranstaltung standen
innovative Marketingansätze, die durch Information, Beratung,
Motivation, Bildung und Erziehung Verhaltensänderungen bewirken und
zu einer stärkeren Nutzung von Öffentlichem Verkehr, Radverkehr,
Car Sharing, Fahrgemeinschaften, Telearbeit etc. führen.
Ein
bereits bekanntes und sehr gut untersuchtes Beispiel ist die
Mobilitätsberatung für Neubürgerinnen und Neubürger, die die
Landeshauptstadt München seit 2007 ihren jährlich rund 85.000 neuen
Bürgerinnen und Bürgern anbietet. Mit großem Erfolg.
Neubürgerinnen und Neubürger mit Beratungsangebot nutzen zu 7,6
Prozent häufiger den ÖPNV als Neubürgerinnen und Neubürger ohne
Beratungsangebot. Dadurch werden in etwa 80 Millionen Pkw-Kilometer
im Jahr und 12.000 Tonnen CO2
eingespart. Die erzielten Ticketmehreinnahmen im Öffentlichen
Verkehr übersteigen die Kosten für die Marketingkampagne um das
Doppelte. Und das Ganze ohne erhobenen Zeigefinger, ohne zusätzliche
Technik und Infrastruktur und ohne Restriktionen für die Autofahrer.
Die Reaktionen der Neubürger sind begeistert. Die Kampagne wird als
nützlicher Bürgerservice und als Zeichen des Willkommens empfunden.
Im Kampf um die besten Köpfe und im weltweiten Wettbewerb der
Regionen ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor.
Bereits
seit 2001 bietet die Landeshauptstadt München in enger Abstimmung
mit der IHK München und Oberbayern ihren Unternehmen
Mobilitätsberatung im Rahmen eines Förderprogramms an. 21 namhafte
Unternehmen mit weit über 50.000 Mitarbeitern haben seither daran
teilgenommen.
Mit
Hilfe verschiedenster Maßnahmen, angefangen von
Parkraumbewirtschaftung auf Betriebsgrund über Jobtickets,
betriebsinterne Fahrgemeinschaftsangeboten, Radverkehrsförderung und
Spritspartrainings bis hin zu Optimierungen ihrer Logistik haben die
Unternehmen nicht nur wirtschaftliche Kosteneinsparungen erzielt,
sondern die Erreichbarkeit ihrer Standorte für Mitarbeiter und
Kunden verbessert und auch einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet.
Für
diese Anstrengungen ist die Landeshauptstadt München am 23. Juni
2009 im Rahmen eines Wettbewerbs vom Bundesumweltministerium (BMU)
mit dem 1. Preis in der Kategorie „Bestes kommunales
Mobilitätsmanagementkonzept” ausgezeichnet worden. Weitere
Anstrengungen bei der Mobilitätsbildung und Verkehrserziehung für
Kinder und Jugendliche führten zum „First European Award of
Excellence” des European Network „Cities For Children”.
Anfang
2009 startete das Bundesumweltministerium das Aktionsprogramm
Mobilitätsmanagement unter dem Kampagnennamen „effizient mobil”
(www.effizient-mobil.de). Ein Ziel ist die Bekanntmachung des
Mobilitätsmanagements durch die Gründung von 15 regionalen
Netzwerken, eines davon in der Region München. Die mit der
Durchführung beauftragte Deutsche Energieagentur (DENA) bat die
Landeshauptstadt München die Regionalkoordination zu übernehmen. Am
24. März fand im Festsaal des Alten Rathauses die 1.
Regionalkonferenz statt. Dort wurden verschiedene Projekte auf den
Weg gebracht, deren Ergebnisse heute auf der 2. Regionalkonferenz
vorgestellt und diskutiert werden.
Die
Gemeinden Garching, Planegg, Bergkirchen und die Stadt Weilheim sowie
die Unternehmen Flughafen München GmbH (FMG), EON und GADA A8 GmbH
beschlossen, in das Thema Mobilitätsmangement einzusteigen.
Gefördert aus Mitteln von „effizient mobil” und koordiniert
durch die Landeshauptstadt München erstellen sie in Zusammenarbeit
mit professionellen Mobilitätsberatern Konzepte zur Optimierung
ihrer kommunalen und betrieblichen Mobilität und ihres Verkehrs.
Ergebnis sind konkrete Maßnahmen, die dann in Eigenregie, im
Erfolgsfall aber auch mit Unterstützung des BMU in Höhe von bis zu
50.000 Euro, umgesetzt werden.
Eine
Vorreiterrolle spielt hierbei die Stadt Weilheim, die am 14. Oktober
beschlossen hat, allen Bürgerinnen und Bürgern einen
Mobilitätskompass zuzuschicken, der alle Informationen über alle
Verkehrsmittel und Fortbewegungsarten alternativ zur privaten
Automobilität enthält und vielfältige Unterstützung beim Umstieg
auf den Umweltverbund bietet. Zudem hat sie eine Ausschreibung für
betriebliches Mobilitätsmanagement bei Weilheimer Unternehmen
gestartet und hierfür Mittel bereit gestellt. Darüber hinaus ist
geplant, gerade in schwierigen Haushaltszeiten auch 2010 Mittel für
weitere Mobilitätsmanagementaktivitäten bereitzustellen und damit
ein Zeichen für wirtschaftliche und gleichermaßen umweltfreundliche
Mobilitätspolitik zu setzen. Weilheim setzt damit im Verbund mit den
weiteren regionalen Akteuren ein starkes Zeichen, dass das
Mobilitätsmanagement auch in der Region angekommen ist.
Denn
dort ist es besonders wertvoll. Steigt ein Pendler innerhalb der
Landeshauptstadt München vom Auto auf Alternativen um, dann spart
das maximal 20 Kilometer Fahrweg zu Arbeit und zurück pro Tag.
Pendler, die aus der Region nach München kommen, legen mindestens
die doppelte Wegstrecke zurück. Bei 220 Arbeitstagen und 40
Kilometer Arbeitsweg können damit 8.800 Pkw-Kilometer im Jahr
eingespart werden. Dies unterstreicht die Bemühungen, innovative
Maßnahmen, wie das Mobilitätsmanagement, in der Region zu
verankern.
Aus
diesem Grund wurde im Sommer 2009 das Mobilitätsmanagement als
weiteres Tätigkeitsfeld der Europäischen Metropolregion München
(EMM) verankert. Zentrale Aufgabe ist der dauerhafte Betrieb und die
Pflege des regionalen Netzwerks über die Dauer von „effizient
mobil” hinaus, der Erfahrungsaustausch der regionalen Akteure
untereinander und mit Landes- und Bundesebene, die Vermittlung von
Fördermitteln sowie die Initiierung weiterer
Mobilitätsmagementaktivitäten in der EMM.
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