100 Jahre Blauer Reiter

Pinselstriche, die die Kunstwelt bewegten

Weilheim-Garmisch | 06.03.2011

Künstler Quelle: Tourist-Information Murnau
Künstlerin, Quelle: Tourist-Information Murnau

„Blau ist die einzige Farbe, bei der ich mich dauernd wohl fühle“, schwärmte Franz Marc einst. Und Wassily Kandinsky sah sie als „eine typisch himmlische Farbe, die den Menschen in das Unendliche ruft und ihm die Sehnsucht nach dem Reinen und Übernatürlichen weckt“. Kein Wunder also, dass die Maler sich ausgerechnet in Murnau niederließen, wo warme Föhnwinde die mächtigen Alpen beinahe schwarzblau färben und wo Himmel und Staffelsee in eben der Lieblingsfarbe leuchten.

Zudem standen Bauernhäuser und Zwiebeltürmchen den Künstlern Modell, die diese Bilderbuchlandschaft prompt mit revolutionären Pinselstrichen auf die Leinwände bannten. Diese Werke stellten sie vor genau 100 Jahren erstmals unter dem Namen „Der Blaue Reiter“ aus. Im Jubiläums-Jahr können Urlauber sich im Künstlerstädtchen Murnau und in der Urlaubsregion Blaues Land rund um den Staffelsee auf Spurensuche begeben, Sonder-Ausstellungen besuchen und sich auf zahlreiche Veranstaltungen freuen.

Wer nichts verpassen möchte, folgt einfach dem Kunstspaziergang, einem speziellen Rundweg, der zu den Lieblingsplätzen der Expressionisten führt. Eine Broschüre leitet zu insgesamt neun Stationen, die sich über ganz Murnau verteilen. Schautafeln zeigen die Kunstwerke, die den Vergleich zu den Motiven und heutigen Schauplätzen ermöglichen. Gabriele Münter und Wassily Kandinsky hatten sich 1909 in Murnau in einem kleinen Landhaus, dem heutigen Münter-Haus niedergelassen, in dem später ihre Künstlerfreunde Franz Marc, Marianne von Werefkin und Alexej von Jawlensky ein- und ausgingen. Die Künstler trafen sich hier, tauschten sich aus und arbeiteten gemeinsam.

Die Idee zur Gründung des Künstlerkreises „Der Blaue Reiter“ war geboren. Im Sommer und Herbst 1911 wurde in Murnau der Almanach „Der Blaue Reiter“ grundlegend vorbereitet. Am 18. Dezember 1911 fand unter dem Titel „Der Blaue Reiter“ die erste Ausstellung in der Galerie Thannhauser in München statt. Ebenfalls in München wurde dann der Almanach „Der Blaue Reiter“ im Mai 1912 veröffentlicht, der als eine der bedeutendsten programmatischen Schriften zur Modernen Kunst des 20. Jahrhunderts gilt. Münter und Kandinsky blieben bis 1914 in dem urigen Haus. Sie besuchten das Murnauer Bauerntheater, fuhren auf den umliegenden Bergen Ski und betrieben im Sommer Gartenarbeit.

Wer heute diese Gedenkstätte betritt, fühlt sich in eine andere Zeit versetzt: Kandinskys Gehrock, mit dem er durch Murnau flanierte, hängt noch an der Garderobe und farbenfroh bemalte Möbel zieren die Zimmer, während auf dem Treppengeländer die bunten Pferde „galoppieren“. Im Jubiläums-Jahr können Besucher zudem außergewöhnliche Exponate bewundern, die noch bis zum 11. September erstmals öffentlich zu sehen sind: zahlreiche prächtige Perlenstickereien, die Gabriele Münter nach Kandinskys Entwürfen fertigte und eine bislang unbekannte Malerei auf Stoff, die von dem russischen Expressionisten stammt. 

Wer sich an den Farben und Formen nicht satt sehen kann, wandert weiter zum Schloßmuseum, dessen Kern die weltweit umfangreichste öffentlich gezeigte Sammlung von Gemälden, Zeichnungen und Druckgraphiken von Münter und eine eigene Abteilung zum Blauen Reiter beheimatet. Die Exponate zeigen, dass es nicht zuletzt die bayerische Volkskunst der Hinterglasmalerei war, welche die Künstler zur Entwicklung einer neuen expressiven Malerei inspirierten. Im Jubiläums-Jahr würdigt das Museum vom 21. Juli bis 6. November die Expressionisten zusätzlich mit der Sonderausstellung „Die Maler des Blauen Reiter und der Einfluss des Japanismus“. Denn auch fernöstliche Holzschnitte dienten ihnen als Anregung und machten es ihnen leichter, sich von herkömmlichen, akademischen Sichtweisen zu lösen, um etwas ganz Neues zu schaffen, das die Kunst letztendlich revolutionierte. 

Besucher, die noch mehr über den Durchbruch zur gegenstandslosen Malerei erfahren möchten, können an der Seite eines Experten zunächst durch die Kunstgeschichte reisen und dann die Lieblingsplätze der Expressionisten kennenlernen. Die geführten Touren „Auf den Spuren des Blauen Reiters“ mit dem Kunst-Kenner Fritz Walter Schmidt werden am 3. und 24. Juni, am 8. Juli sowie am 5. August angeboten.

Unterwegs ist allerdings Phantasie gefragt, wenn die Originalschauplätze mit den abstrakten Werken verglichen werden. Modernen Interpretationen der berühmten Bilder begegnen Besucher den Sommer über im Staffelsee-Städtchen, wenn kreative Jugendliche unter dem Motto „Kunst mit der Spraydose“ bunte Akzente setzen. Zudem zeigt die Ausstellung „Blau“ des Kunstvereins Murnau vom 1. bis 8. August, dass das oberbayerische Alpenvorland auch heute noch eine Muse der Maler ist.

Inspiration bietet es nicht zuletzt den Hinterglasmalern, die vom 13. bis 21. August ihre traditionelle Volkskunst zeigen, deren Farbenpracht schon Kandinsky und seine Gefährten beeindruckt haben. 

Buchbar ist das „Blaue Jahr“ in speziellen Kultur-Reiseboxen, die es in verschiedenen Varianten gibt: Die XL-Box ab 269 Euro beinhaltet zwei Hotel-Übernachtungen sowie sechs Gutscheine für Museen, Schlösser und Stadtrundgänge.

Die L-Box ab 139 Euro ist gefüllt mit einer Hotel-Übernachtung für zwei Personen und vier Kulturgutscheinen. Blaue Reiter im Luxus-Paket: Zwei Übernachtungen im Doppelzimmer eines Fünf-Sterne-Hotels inklusive Frühstücksbüffet, zwei 3-Gang-Dinner, Eintrittskarten für Schloßmuseum, Münter-Haus und das Franz Marc Museum in Kochel kosten ab 284 Euro pro Person.
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