Weilheim-Garmisch | 06.08.2010
Tim Ruhoff (R) und Steven Hoffmann (L) vom Team Energiebau nach dem Sieg bei der e-miglia 2010 (© REBEL Media)
Die e-miglia
2010, erste reine internationale Elektrorallye der Welt, ist zu Ende. Nach
vier Tagen, fünf Alpenpässen und 560 Kilometern rollten am Abend 24 der 25 am
Dienstag in München gestarteten E-Mobile im italienischen Rovereto über die
Ziellinie. Fest steht schon jetzt: Nach der gelungenen Premiere wird es auch
2011 wieder eine e-miglia geben. Die
ersten Partner haben bereits ihre erneute Unterstützung zugesagt.
Gewinner
des ersten großen Elektroabenteuers ist das Team Energiebau. Tim Ruhoff (25)
und sein Beifahrer Steven Hoffmann (20) erzielten bei zwei von drei
Sonderprüfungen die Bestzeit und freuen sich nun über ein Preisgeld in Höhe von
10.000 Euro. „Im Tesla mit all den anderen E-Cars durch diese wunderschönen
Landschaften zu fahren, war schon traumhaft. Dass wir auch noch gewonnen haben,
macht das Erlebnis einfach perfekt“, freute sich Ruhoff bei der Siegerehrung.
Auf Platz zwei folgen Carlo Bermes und Wulf Biebinger vom Team JuWI Racing –
ebenfalls im Tesla. Mit einer Gesamtzeit von 37:30:03,77 Stunden liegt das Duo
nur 2,18 Minuten hinter den Führenden – und 2,09 Minuten vor Markus Spiekermann
vom Team Move About Bosch im Think City. Marcel Schwager, einziger Elektrobiker
im Teilnehmerfeld, beendete die e-miglia 2010
auf einem beeindruckenden fünften Platz.
25
E-Mobile waren am Dienstag in München gestartet, 24 traten am Morgen des
vierten Tages zur letzten Etappe an. Das Team Jetcar Elektro hatte sein Gefährt
am Donnerstagabend mit einem technischen Defekt auf dem Hänger parken müssen.
Der Finaltag verlangte der lautlosen Flotte noch einmal alles ab. Kurz nach dem
Start in Bozen stand auf dem knapp 1.400 m hohen Mendelpass die erste
Bewältigungsprüfung an. Sämtliche E-Mobile meisterten die 14,9 km lange
pittoreske Strecke ohne Probleme. „Alles
komplett“, hieß es anschließend am Checkpoint, bevor die E-Kolonne auf der
Piazza Dante im Herzen Trients zur Ladepause Quartier bezog.
Während einige die
Zeit zu einer Stadtführung nutzten, warfen andere besorgte Blicke ins Roadbook. Das hielt für den Nachmittag gleich zwei „Schmankerl“ bereit: zuerst den
Kaiserjägerweg und dann den Passo Sommo – inklusive der Vormittagsroute
insgesamt 2.748 Höhenmeter. Vor allem den Piloten der kleinen Stadtfahrzeuge
trieb das die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn. Denn deren Problem am
Berg ist neben der nötigen Energiereserve vor allem die Temperatur. Das musste
auch Markus Wimmer, Marketingleiter der TÜV SÜD AG, feststellen, der die e-miglia im Karabag 500e bestritten
hatte: „Bei den Bewältigungsprüfungen lief die flüssigkeitsgekühlte
Leistungselektronik heiß. Aber schließlich wollten wir die e-miglia ja auch nutzen, um das Fahrzeug auf Herz und Nieren zu
prüfen. Wir werden nun dem Hersteller empfehlen, den Kühlkreislauf zu
vergrößern. Sehr positiv überrascht waren wir aber von der
Rekuperationstechnik, die einwandfrei funktioniert hat und die ohnehin schon
beträchtliche Reichweite des Karabag 500e vergrößert.“
Ähnliche
Erfahrungen machte Nicole Y. Männl, Beifahrerin in einem mit BEA-tricks-Umrüstkit
ausgestatteten Smart Fortwo: „Unser Cityflitzer hatten wie alle kleinen
Fahrzeuge auf den Bergetappen Temperatur- und Energieprobleme. Die Rekuperation
hat aber sehr geholfen.“ Für die nächste e-miglia
wünscht sich Nicole Männl mehr Sonderprüfungen. „Dann hätten wir die Chance
gehabt, unsere Platzierung zu verbessern.“ Überrascht war die Journalistin, die
die Rallye unter anderem für e-miglia
Medienpartner wattgehtab.com dokumentierte, von der Arbeit des Co-Piloten: „Das
wird deutlich unterschätzt. Mit Navigation, Zeitmanagement und der Verwaltung
der Bordkarte hat man wirklich alle Hände voll zu tun.“
Bei der
nachmittäglichen Bewältigungsprüfung war aber vor allem das Können der Lenker
gefragt: Die 7,7 km hinauf auf den Kaiserjägerweg waren mit extremen
Steilpassagen, Felsüberhängen und zwei kleinen Tunneln gespickt – und zu allem
Überfluss zum großen Teil nur zweieinhalb Meter breit. Doch auch diese Hürde
wurde von allen E-Mobilen gemeistert. Der Passo Sommo war nach diesem
„Gekraxel“ nur noch ein Kinderspiel. Dank Rekuperation hatten sich die Akkus
bei der Abfahrt ausreichend erholt, um auch den zweiten Gipfelsturm in Folge zu
überstehen.
Am letzten Checkpoint vor dem Ziel feierten sich dann die
erfolgreichen E-Mobilisten, bevor sie in Formation nach Rovereto aufbrachen. Mit
buchstäblich letzter Kraft erreichte auch der Tazzari, das einzige italienische
Fahrzeug im Teilnehmerfeld, das Ziel. Georg Kreitmair vom Team First Mobility
leistete bei dem kleinen roten Patienten erste Hilfe: „Wir haben das Ladegerät
ausgebaut und dem Team unseren Firmenbus geliehen, damit wir morgen gemeinsam
das Ersatzteil, das jetzt noch beim Hersteller in Imola liegt, einbauen
können.“
Kreitmair selbst bestritt im E-TRIC Cabrio die e-miglia: „Es war ein Traum. Ich habe heute die gesamte Strecke
inklusive der beiden Pässe ohne Zwischenladen geschafft. Die Erkenntnisse, die
wir bei dieser Rallye gewonnen haben, lassen wir nun in die Serienproduktion
des E-TRIC einfließen. Das wird die Leistungsfähigkeit unseres kleinen Flitzers
deutlich erhöhen.“ „Das war
eine grandiose Premiere dieses großen Elektroabenteuers. Entgegen aller im
Vorfeld geäußerten Befürchtungen hat die lautlose Armada die an sie gestellten
Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Alle bis auf einen
sind im Ziel, und das ohne größere Schwierigkeiten. Teilnehmer und Techniker
haben einzigartige Erfahrungen sammeln können. Das war unser Ziel“, so e-miglia Veranstalter Christian Herles.
„Unsere Partner aus Politik, Wirtschaft und Medien haben sich durchweg
begeistert über die e-miglia geäußert.
Klar ist also: Auch im kommenden Jahr gehen wir wieder an den Start.“
Das gilt
auch für die TÜV SÜD AG, die der e-miglia
2010 als technischer Partner zur Seite gestanden hatte. „Wir sind gerne
auch in Zukunft wieder dabei“, sagte Marketingleiter Markus Wimmer am Abend in
Rovereto. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Nummer eins im Bereich Sicherheit
bei der E-Mobilität zu werden, und zwar international. Dazu haben wir ein
sieben Mann starkes Vollzeitteam implementiert. Ein wichtiger Baustein in
diesem Feld ist die e-miglia, die uns
gezeigt hat, wie weit man im Bereich der E-Mobilität bereits gekommen ist.“
Großes Lob hatte Wimmer auch für die Veranstalter: „Die Organisation war
hervorragend, die Streckenwahl ausgezeichnet und so gewählt, dass die Fahrzeuge
an ihre Grenzen gebracht wurden. Nur da kann man lernen.“
Einen
enormen Beitrag zum reibungslosen Ablauf der e-miglia 2010 hatte die Schletter GmbH geleistet, die mit ihren
mobilen Ladesäulen stets für ausreichend Spannung bei den Fahrzeugen sorgte. „Das Abenteuer e-miglia war für uns
eine absolute Premiere, ist aber dennoch völlig problemlos gelaufen. Die
örtlichen Stromversorger beziehungsweise die Hotels am Etappenziel haben uns
toll unterstützt. Einzige Herausforderung war, vor dem Tross an Ort und Stelle
zu sein, um die P.Charge Ladesäulen pünktlich bereitstellen zu können. Das ist
uns an allen vier Tagen gelungen“, sagte Roland Sigl, Projektverantwortlicher
bei dem mittelständischen Unternehmen aus Oberbayern.
Gesamtergebnis der e-miglia 2010:
Platz 1:
Team Energiebau (Startnr. 7), Tim Ruhoff/Steven Hofmann, Tesla Roadster Sport
Platz 2:
Team JuWI Racing (Startnr. 12), Carlo Bermes/Wulf Biebinger, Tesla Roadster
Platz 3:
Team Move About Bosch (Startnr. 16), Markus Spiekermann, Think City